Forscher in Israel stellen Herz aus menschlichem Gewebe im 3D-Drucker her

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Ein Foto vom Prototyp des Herzens aus dem 3D-Drucker
Bild: AFP / JACK GUEZ

Forscher in Israel haben erstmals ein Herz aus menschlichem Gewebe im 3D-Drucker hergestellt. Der Prototyp habe die Größe eines Hasenherzens und bestehe aus Gewebe, Blutgefäßen und Kammern, sagte Projektleiter Tal Dvir von der Universität Tel Aviv am Montag vor Journalisten. Die Universität sprach von einem "bedeutenden medizinischen Durchbruch" - auch wenn es noch ein langer Weg ist, bis ein Herz aus dem 3D-Drucker tatsächlich beim Menschen transplantiert werden kann.

Zwar sei es schon vorher gelungen, ein Herz im 3D-Drucker nachzubilden, doch noch nie "mit Zellen und Blutgefäßen", sagte Dvir. In ähnlichen Versuchen seien zudem bisher nur synthetische Stoffe oder anderes natürliches Gewebe - und nicht das Gewebe des Patienten - verwendet worden.

Die Wissenschaftler präsentierten am Montag ein Mini-Herz von der Größe einer Kirsche. Nach ihren Angaben entnahmen sie per Biopsie Fettgewebe eines Patienten, das sie für die Entwicklung der "Tinte" für den 3D-Drucker nutzten. Damit erzeugten in einem ersten Schritt menschliches Herzgewebe, anschließend schufen sie ein komplettes Herz. Das genaue Verfahren beschrieben Dvir und sein Team in einem Begleitartikel im Magazin "Advanced Science".

Dass sie für ihre Entwicklung das eigene Gewebe des Patienten nutzten, vermindert bei Transplantationen die Gefahr einer Immunabwehr, sagte Dvir. Als nächstes müssten die Forscher nun den gedruckten Herzen beibringen, "sich wie echte zu benehmen". Zwar seien die Zellen in der Lage, sich zusammenzuziehen, hätten aber bisher noch nicht die Fähigkeit zu pumpen.

Danach planen die Wissenschaftler, die gedruckten Herzen in Tiermodelle einzupflanzen. Dvir hofft, dass sie in einem Jahr soweit sein werden.

Bis Herzen aus dem 3D-Printer aber tatsächlich für Transplantationen bei Menschen zur Verfügung stehen, sind nach Angaben der Forscher noch einige Probleme zu überwinden. Eine Herausforderung ist demnach, genügend Gewebe nachzubilden, um ein Herz in der richtigen Größe zu erzeugen. Auch wissen die Forscher noch nicht, wie sie alle, auch die kleinsten, Blutgefäße drucken sollen.

"Vielleicht gibt es in zehn Jahren in den besten Krankenhäusern weltweit Organ-Drucker, und die Verfahren werden routinemäßig angewandt", sagte Dvir. Doch glaube er, dass die Krankenhäuser zunächst weniger komplizierte Organe drucken und transplantieren - und nicht Herzen.

3D-Drucker haben ungeahnte Möglichkeiten eröffnet, doch stoßen sie nicht immer nur auf Euphorie: So ermöglicht die Technologie den Druck ganzer Häuser - aber auch von funktionstüchtigen Waffen.