KI-Azubi-Challenge könnte bayernweit Schule machen: Sieger des Projekts an der Berufsschule Aichach wurden prämiert

Künstliche Intelligenz als ständiger Begleiter

Egal ob Industrie, Verwaltung, Logistik, Handel oder Dienstleistungen – es gibt kaum ein Berufsbild, das künftig ohne Künstliche Intelligenz auskommen wird. Um die Fachkräfte von morgen darauf optimal vorzubereiten, kommt den Schulen eine Schlüsselrolle zu. Die Berufsschulen im Wittelsbacher Land sind dabei Vorreiter. Rund 150 Schülerinnen und Schüler vom Standort Aichach haben im vergangenen Jahr an der „KI-Azubi-Challenge“ teilgenommen. Ermöglicht wurde der Wettbewerb vom KI-Produktionsnetzwerk an der Universität Augsburg und der IHK Schwaben. Jetzt wurden die Sieger der Challenge gekürt. Das Projekt könnte nun sogar bayernweit Schule machen.

cropped-1781792395-pm-ihk-schwaben_azubi-challenge
Bild: Universität Augsburg / Teresa Grunwald
Für junge Menschen ist Künstliche Intelligenz ein ständiger Begleiter: Sie fragen ChatGPT um Rat bei der Referatserstellung, chatten mit KI-Bots oder lassen ihre Präsentation von Gemini optimieren. Aber wie kann man selbst ein KI-Modell trainieren? Mit dieser Frage befassten sich Auszubildende unterschiedlicher Fachrichtungen, die an der Aichacher Berufsschule unterrichtet werden, im Rahmen der „KI-Azubi-Challenge“. Die Schülerinnen und Schüler, zwischen 16 und 25 Jahre alt, arbeiteten dazu mit einem vortrainierten Objekterkennungsmodell. Eine Woche lang hatten die Schülerinnen und Schüler während der Projektphase im vergangenen November Zeit, das Modell so zu optimieren, dass es Schrauben, Muttern und Beilagscheibenmöglichst präzise bestimmen kann. Dafür mussten zunächst eigene Bilddatensätze erstellt werden. Die Azubis fotografierten die bereitgestellten Objekte und kennzeichneten die Bilder mit einer speziellen Software. Anschließend experimentierten sie mit Modellgrößen und Trainingsparametern, veränderten die Datenqualität, analysierten Ergebnisse und verbesserten ihre KI. Sieger wurde das Team, dessen KI-Modell die Objekte auf bislang unbekannten Bildern möglichst genau bestimmte. Jetzt wurden die Gewinner bei einer Feierstunde im Showroom des KI-Produktionsnetzwerks an der Universität Augsburg ausgezeichnet. Preise gab es für die Siegerklasse, eine zehnte Klasse mit angehenden Industriekaufleuten, sowie die besten Azubis.

Fit in wichtigen Zukunftsfeldern
„Die Challenge fördert wichtige Zukunftskompetenzen, die Unternehmen künftig in nahezu allen Bereichen benötigen, vom datenbasierten Arbeiten bis zum analytischen Denken“, sagt Dr. Marietta Menner, Leiterin des Bildungsprogramms des KI-Produktionsnetzwerks der Universität Augsburg. Sie und ihr Team begleiteten die Azubis fachlich bei dem Projekt. Initiiert wurde die Challenge von Mitgliedsunternehmen der IHK-Regionalversammlung Aichach-Friedberg. Die IHK Schwaben hat es sich in der aktuellen Legislaturperiode zur Aufgabe gemacht, in regionalen Arbeitskreisen u. a. das Thema Bildung zu forcieren. Unter der Federführung von Michael Appel von der Sparkasse Altbayern haben Unternehmerinnen und Unternehmer die KI-Challenge ins Leben gerufen. „Mit der KI-Azubi-Challenge möchten wir den Auszubildenden einen praxisnahen Zugang zu Künstlicher Intelligenz ermöglichen und Berührungsängste abbauen“, sagt Projektbetreuer Dr. Christian Fischer, stellvertretender Leiter des Bereichs Berufliche Bildung bei der IHK Schwaben. Das ist gelungen. „Die prämierten Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler zeigen eindrucksvoll, dass bereits mit überschaubaren Mitteln und einer strukturierten Vorgehensweise leistungsfähige KI-Anwendungen entstehen können.“

Aichacher Erfahrungen sollen weiter genutzt werden
Mit dem Aichacher Pilotprojekt ist die KI-Azubi-Challenge aber noch nicht zu Ende. „Die gewonnenen Erfahrungen werden genutzt, um weitere Bildungsangebote für Auszubildende, Lehrkräfte und Unternehmen mit der Universität Augsburg zu entwickeln“, sagt Dr. Christian Fischer. „Ziel ist es, KI-Kompetenzen noch stärker in die berufliche Bildung zu integrieren und den Austausch zwischen Schulen, Ausbildungsbetrieben und Wissenschaft auszubauen.“ Derzeit laufen Gespräche, die KI-Azubi-Challenge zum Modell für andere Schulen in Bayern zu machen. „Das Pilotprojekt hat gezeigt, dass interaktive und praxisnahe Lernformate junge Menschen besonders motivieren und wir Zukunftstechnologien so noch erfolgreicher in die Schulen tragen können“, betont Marietta Menner.