Kolumne „See Mannsgarn“: Der Sturm in Dir

Schönwörterey

Moin Du Rabauke, Leinen los zu „Seemannsgarn“ – Vol. 38!

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Stefanie Steinbach: Mentorin für LebensLiebe, Schriftstellerin, HerzDenkerin, MamaBild: Stefanie Steinbach
Es ist Sonntag, 6.05 Uhr – Ende Juni. Ich stehe auf der Dachterrasse des alten Bauernhauses, in dem ich nun lebe und blicke in den Garten. 

Es ist warm, doch der Himmel wandelt sich vor meinen Augen in ein Symposium aus Grautönen. Ich spüre einen kalten Windzug auf meiner Haut. Der Himmel wird immer dunkler, die Farben verändern ihre Absicht. Die ersten Regentropfen beginnen zu fallen und aus der Nähe höre ich ein Grollen.

Ich bleibe so lange ich kann draußen stehen. 

Der Wind wird drängender. Ungeduldiger. Und ich spüre diese Kraft, die durch die Bäume weht, die meine Haare fliegen lässt. 

Und mir wird bewusst, wieviel Urkraft in diesem Wind steckt. Wieviel Energie. Ich fühle diese Energie nun nicht nur auf meinem Körper, sondern auch IN ihm. Diese Wildheit, diese Unbändigkeit.

Und plötzlich habe ich den inneren Wunsch meine Gedanken dazu festzuhalten. Ich gehe rein – und es verdunkelt sich die Welt, bis Wasserfälle vom Himmel fallen.

Bei Kerzenschein fange ich an in mein Notizheft zu schreiben – und es entsteht: Ein gedankliches Poesie-Werk - Der Sturm in Dir.

Wir sind so dermaßen kraftvoll !

Ich habe das Gefühl, wir Menschen probieren so vieles aus, um uns zu bändigen. Um nicht aufzufallen. Um nicht aus der Reihe zu tanzen. Um nicht „zu viel“ zu sein. Um eben kein Sturm zu sein. Weil Sturm = Blöd. Um niemanden zu belasten. Um „klein“ zu bleiben, damit wir nicht anecken. Weil das könnte wehtun – uns selbst und dem anderen.

Doch tief in uns drin – da ist diese Kraft, dieser Sturm, der tobt. 

Jedes Ja, das ein Nein war. Jedes Lächeln, dass nicht echt war. 

Jede Berührung, die nicht gewollt, aber zugelassen wurde. Aus Angst, nicht gemocht zu werden. Oder „komisch“ zu sein. Oder was auch immer zu sein ..

..nur nicht wir selbst.

Jede Anpassung an jemand anderen, damit sich alle wohlfühlen. Damit es passt. Damit sich – ja was? Nichts bewegt? 

Solange wir nur über den Kartoffelsalat von der Nachbarin reden 

und nicht wirklich einmal Aussprechen, was wir wirklich denken, bewegen wir uns in einem Raum, in dem kaum Bewegung stattfindet. Einem Raum, in dem unser Gegenüber nicht aus Liebe zur Lebendigkeit herausgefordert wird, sondern vor sich hindümpelt. Ein Raum ohne Entfaltung. Ein Raum, in dem der Sturm keine Verkörperung bekommt. 

Der Sturm an sich – ist nicht böse. Oder verwerflich. Er kann nur gefährlich werden, wenn er zu lange unterdrückt wird. 

Er ist das Pendant zur Windstille. Zur Ruhe. Wir dürfen verstehen, dass wir in unserem Leben nie Ausgeglichen, sprich: die Balance fühlen können, wenn Stille und Sturm nicht beide zum Ausdruck gebracht werden dürfen. In einer Gesellschaft, in der Wut oft noch als unangebracht und unerzogen gilt, dürfen wir die Tür dafür öffnen – die Tür zur gesunden, ausgelebten Wut. Zum Sturm. 

Denn der Regenbogen entsteht erst, wenn beides zusammen da sein darf.

In unbändiger Zuversicht,

Deine Stefanie

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