Kultursommer am Gaswerk: Aus der Herausforderung entsteht eine Bühne mit besonderem Charme

In Rekordzeit wurde auf dem Augsburger Gaswerkareal eine neue Open-Air-Spielstätte geschaffen – mit 1.200 Plätzen, Industrieflair und viel Leidenschaft

Wo im Februar noch Schnee lag und viel Vorstellungskraft nötig war, erwartet die Besucherinnen und Besucher schon in wenigen Tagen ein ganz besonderer Kultursommer: Auf dem Gaswerkareal ist in nur viereinhalb Monaten eine komplett neue Sommerbühne entstanden. Sie soll in diesem Jahr die geschlossene Freilichtbühne am Roten Tor ersetzen – oder besser gesagt: ergänzen. Denn eines machten die Verantwortlichen bei der Pressekonferenz am Sonntag deutlich: „Es ist keine zweite Freilichtbühne. Aber es ist eine wunderbare Alternative.“

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In Rekordzeit entstand auf dem Gaswerkareal eine neue Open-Air-Spielstätte mit 1.200 Sitzplätzen.Bild: Nina Königs
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Augsburgs Zweiter Bürgermeister Dirk Wurm zeigte sich beeindruckt von dem, was innerhalb kürzester Zeit entstanden ist. Das Gaswerk sei ein Ort mit einer ganz besonderen Strahlkraft, der Industriekultur und kulturelle Nutzung in einzigartiger Weise verbinde.

„Ich bin wirklich der festen Überzeugung, dass das hier richtig, richtig gut wird. Nicht, weil ich das als Bürgermeister sagen muss, sondern weil ich davon überzeugt bin“, erklärte Wurm. Die Menschen hinter dem Projekt würden nicht einfach nur ihren Job machen, sondern mit Leidenschaft und Überzeugung arbeiten, um den Bürgerinnen und Bürgern ein außergewöhnliches Angebot zu ermöglichen.

„Das wird kulturell hochwertig, es darf Spaß machen, es darf unterhalten. Und wenn ich das hier sehe, dann ist etwas wirklich Tolles entstanden.“

Staatstheater musste gleich dreimal komplett umplanen
Die vergangenen Monate waren für das Staatstheater alles andere als einfach. Nach der Schließung der Freilichtbühne wurde zunächst eine Teilöffnung möglich, bevor schließlich die komplette Schließung feststand. Dreimal musste das gesamte Sommerprogramm neu geplant werden.

„Diese Anstrengungen kann man von außen fast gar nicht beurteilen“, hieß es von Seiten des Staatstheaters. Gemeinsam mit den Partnern sei jedoch in kürzester Zeit etwas entstanden, auf das man stolz sein könne.

Besonders wichtig war dabei eine Botschaft: Das Gaswerk soll die traditionsreiche Freilichtbühne nicht ersetzen.

„Es ist eine mit sehr viel Energie, Anstrengung und teilweise auch Schmerz errichtete Interimsspielstätte. Aber sie ist eine tolle Alternative für dieses Jahr“, betonte die Theaterleitung.

Mit rund 1.200 Sitzplätzen bietet die neue Bühne zwar knapp 900 Plätze weniger als die Freilichtbühne am Roten Tor, dafür aber eine außergewöhnliche Atmosphäre zwischen historischem Gaskessel und Reinigergebäude.

„Ich glaube, die Menschen können sich hier wohlfühlen und wunderschöne, entspannte Sommerabende erleben.“

Mehr als nur eine Bühne
Dass ein solches Projekt nicht einfach „irgendwo“ umgesetzt werden kann, machten die Verantwortlichen ebenfalls deutlich. Hinter den Kulissen entstand eine komplette Infrastruktur. Das Reinigergebäude wurde für Garderoben, Masken, Ankleiden und Technik umgebaut. Containeranlagen, Versorgungsleitungen und zahlreiche technische Einrichtungen mussten geschaffen werden.

„Was man hier vorne sieht, ist nur ein Teil. Für so eine Produktion braucht es ein enormes Hinterland“, hieß es.

Mehrere hundert Menschen arbeiteten an der Umsetzung. Rund 13 Tage lang waren zahlreiche Gewerke mit Großgeräten im Einsatz. Insgesamt wurden 32 Seefrachtcontainer eigens per Zug aus Rotterdam angeliefert und zu einem Teil der neuen Anlage.

Die Bühne selbst misst rund 520 Quadratmeter und entspricht damit in ihrer Größe der bisherigen Bühne am Roten Tor.

Von 18 Monaten auf viereinhalb Monate
Ursprünglich hätte man für ein solches Projekt einen Vorlauf von mindestens 18 Monaten kalkuliert. Dass die Umsetzung nun in weniger als fünf Monaten gelang, sei eine außergewöhnliche Leistung.

„Als wir im Februar hier im Schnee standen und darüber gesprochen haben, ob das funktionieren kann, brauchte es schon sehr viel Fantasie“, wurde bei der Pressekonferenz erzählt.

Heute zeigt sich das Ergebnis: ein geschlossener Innenhof mit Industriecharme, Gastronomieflächen unter Bäumen und einer einzigartigen Atmosphäre.

„Das Einzige, was die Freilichtbühne und das Gaswerk gemeinsam haben: Beide sind Denkmäler. Aber jeder Ort steht für sich.“

Komfortable Anreise und besondere Atmosphäre
Auch an die Besucher wurde gedacht. So wird es eine Gastronomie mit hoher Qualität geben. Darüber hinaus können Gäste bequem mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof fahren und von dort einen Shuttle-Service nutzen, der direkt zum Gaswerk fährt und nach den Veranstaltungen auch wieder zurück.

Die Verantwortlichen sehen im Gaswerk nicht nur einen Veranstaltungsort, sondern ein industriekulturelles Denkmal von europäischem Rang.

2027 wird es nicht still
Natürlich spielte auch die Zukunft eine Rolle. Die Modernisierung der Freilichtbühne bleibt ein wichtiges Thema. Gleichzeitig wurde betont, dass Kultur in Augsburg auch in den kommenden Jahren stattfinden wird.

„Dass nichts passiert, glaube ich nicht. Nichts ist keine Lösung“, sagte Dirk Wurm.

Verschiedene Alternativen wurden bereits geprüft. Auch das Rosenaustadion stand zur Diskussion und wurde intensiv untersucht, erwies sich letztlich jedoch als nicht realisierbar.

Parallel sollen bestehende Formate weiterentwickelt und weitere Spielstätten stärker genutzt werden.

„Am Ende geht es um die Menschen“
Bei aller Logistik und Planung stand für alle Beteiligten ein Gedanke im Mittelpunkt: den Menschen besondere Momente zu ermöglichen.

„Wir machen das nicht, weil wir einfach etwas bauen wollten. Wir machen das, damit am Ende tolle Kunst entsteht“, betonten die Verantwortlichen.

Viele Augsburger verbinden ihre schönsten Sommerabende mit der Freilichtbühne am Roten Tor. Genau daran wolle man anknüpfen.

„Wir haben gute Chancen, auch hier neue Erinnerungen zu schaffen.“


Fazit
Die neue Sommerbühne am Gaswerk ist weit mehr als eine Notlösung. In Rekordzeit ist mit enormem Einsatz, Leidenschaft und Kreativität ein außergewöhnlicher Veranstaltungsort entstanden. Er ersetzt die Freilichtbühne nicht, bietet aber die Chance auf einen Kultursommer voller Musik, Theater und besonderer Momente – und beweist einmal mehr, wie flexibel und engagiert Augsburgs Kulturszene ist.