Stadt Ulm vergibt Zuschlag für Wiederbelebung des Blaubeurer Tors

Ein wichtiger Meilenstein ist erreicht

Die Stadt Ulm hat das europaweite Vergabeverfahren für die Sanierung und Wiederbelebung des Blaubeurer Tors erfolgreich abgeschlossen. Den Zuschlag erhielt das Büro LRO Architekten, das sich in einem zweistufigen Verfahren gegen eine starke Konkurrenz durchsetzen konnte.

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Bild: LRO Architekten / Stadt Ulm
Insgesamt 20 Bewerbungen gingen ein. Fünf Büros qualifizierten sich für die zweite Phase des Verfahrens und stellten ihre Konzepte Anfang März 2026 einer interdisziplinär besetzten Jury vor. Die Entscheidung fiel zugunsten von LRO Architekten.

Das Blaubeurer Tor zählt zu den bedeutenden historischen Bauwerken der Stadt. Die Aufgabe, eine überzeugende Perspektive zu entwickeln, stellte die Beteiligten vor Herausforderungen. Durch die spätere Brücke wurde das ursprünglich in die Festungsanlage eingebundene Gebäude teilweise zerstört. Nach dem Abbruch der Brücke bleibt das Tor zunächst als fragmentarische Struktur zurück. Seine ursprüngliche Einbindung in die lineare Wallanlage mit Wassergraben, vorgelagerter Zugbrücke und wehrhaften Vorbauten ist heute nicht mehr erlebbar. Das einst begrünte Dach diente ursprünglich sogar dazu, die Wucht von Kanoneneinschlägen abzufedern.

Heute steht das ehemalige Stadttor als Solitär in einer offenen Freifläche. Umso anspruchsvoller war die Aufgabe, einen angemessenen Umgang mit diesem besonderen Zeugnis der Stadtgeschichte zu finden. „Das Blaubeurer Tor ist vielen Ulmerinnen und Ulmern und auch Gästen unserer Stadt vertraut. Mit dieser Entscheidung eröffnen wir die Chance, diesen besonderen Ort neu zu entdecken und ihm die Aufmerksamkeit zu geben, die er verdient“, betont Oberbürgermeister Martin Ansbacher.
 
Die Aufgabenstellung formulierte hierfür drei zentrale Leitgedanken:

„An Gewesenes erinnern“: Die historische Funktionsweise des Tores soll wieder sichtbar werden. Dazu gehören insbesondere die ehemalige Zugbrücke, der Festungswall und die ursprüngliche Wehrarchitektur.
 
„Ursprüngliche Funktionen neu verknüpfen“: Die frühere Durchfahrt soll als öffentlicher Durchgang zwischen Ost und West neu interpretiert werden. Gleichzeitig soll die Verbindung zum geplanten Vorplatz auf der Westseite gestaltet und auf die Ostseite erweitert werden. Neben der Zugangsfunktion soll dieser Bereich künftig auch zur Bespielung des Platzes beitragen und die Aufenthaltsqualität des bislang stark verkehrlich geprägten Ortes verbessern.
 
„Wunden schließen“: Architektonische Ergänzungen sollen die Brüche der Nachkriegszeit heilen, ohne die Geschichte zu überdecken. Das Fragmentarische soll sichtbar bleiben und die entstandene „Narbe“ als Teil der Geschichte des Bauwerks lesbar machen.

Für die künftige Nutzung wurde in einer längeren Diskussion unter Beteiligung der Öffentlichkeit eine gastronomische Nutzung mit kulturellem Schwerpunkt als Ziel formuliert. Aufgrund der derzeit zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel wird diese Perspektive jedoch zunächst nicht umgesetzt werden können.

In einem ersten Schritt konzentriert sich die Maßnahme deshalb darauf, die Gebäudehülle zu vervollständigen und die Dachfläche für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie soll als zusätzlicher Freiraum einen neuen Blick auf die Stadt und das Quartier ermöglichen.

„Wir sind beeindruckt, dass sich so viele namhafte und qualifizierte Büros bereit erklärt haben, sich dieser komplexen Fragestellung anzunehmen und Ideen für die künftige bauliche Entwicklung zu erarbeiten. Die sehr unterschiedlichen Entwurfsbeiträge bildeten eine hervorragende Grundlage für die Diskussion innerhalb der Jury und führten schließlich zu einer einstimmigen Entscheidung“, erklärt Milica Jeremic, Abteilungsleiterin des Gebäudemanagements.

Die Jury überzeugte insbesondere die Haltung des Siegerentwurfs im Umgang mit dem historischen Bestand. „Das Siegerbüro hat mit seinem Entwurf einige sehr kluge Entscheidungen getroffen und diese mit hoher Qualität umgesetzt. Die bestehende fragmentarische Bausubstanz des Blaubeurer Tors wird zu einem neuen, gesamtheitlich ablesbaren Baustein ergänzt, der selbstbewusst im Freiraum des Dichterviertels einen eigenständigen Ort schafft. Obwohl die Figur wie selbstverständlich die neuen Treppenaufgänge integriert und die ursprüngliche Form nachzeichnet, bleibt die historische Substanz erkennbar. Die Ergänzungen sind auf unaufdringliche Weise als zeitgenössische Eingriffe ablesbar“, so Baubürgermeister Tim von Winning.

Mit der Entscheidung im Vergabeverfahren ist ein wichtiger Meilenstein erreicht. Die nun beginnende Planungsphase bietet die Chance, das Blaubeurer Tor als bedeutendes historisches Bauwerk zu sichern, seine Geschichte sichtbar zu machen und ihm zugleich eine neue Zukunftsperspektive zu eröffnen. Die Fläche rund um das Tor wird im Jahr 2030 ein zentraler Bestandteil der Landesgartenschau sein und als attraktiver Aufenthalts- und Begegnungsort dienen.