Wirtschaftsmacher Manuela Stone

LEGOLAND Deutschland Freizeitpark GmbH - Zwischen Verantwortung, Haltung und Menschlichkeit

Wer durch das LEGOLAND Deutschland Resort in Günzburg läuft, sieht vor allem eines: strahlende Kinderaugen, bunte Welten und unbeschwerte Momente. Was viele nicht sehen: die komplexen Entscheidungen hinter den Kulissen, die Verantwortung für hunderte Mitarbeitende und die wirtschaftliche Bedeutung für eine ganze Region. An der Spitze steht seit 2019 Manuela Stone. Eine Frau, die nie geplant hatte, einmal Geschäftsführerin eines der bekanntesten Freizeitresorts Deutschlands zu werden – und die heute genau dort angekommen ist. Im Gespräch erzählt sie von mutigen Entscheidungen, besonderen Begegnungen, ihrer Rolle als Frau in einer Spitzenposition und davon, warum Wirtschaft für sie immer vor allem eines bedeutet: Menschlichkeit. Schon der Einstieg ins Gespräch zeigt viel über ihre Art zu führen. Im LEGOLAND herrscht eine ausgeprägte Du-Kultur – vom Team bis zur Geschäftsführung. „Das ist für uns einfach normal“, erzählt sie lächelnd. Dass dadurch selbst ein klassisches Interview schnell persönlicher wird, passt eigentlich perfekt zu ihr: nahbar, offen und direkt.

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Wirtschaftsmacher Manuela Stone – LegolandBild: LEGOLAND Deutschland Freizeitpark GmbH

Liebe Manu, wir erleben gemeinsam immer wieder schöne LEGOLAND-Momente – über die wirtschaftliche Seite und die Frau hinter der Geschäftsführung haben wir bisher aber noch nie wirklich gesprochen. Deshalb starten wir ganz vorne: Wie würdest du dich Menschen beschreiben, die dich bisher nur als „die LEGOLAND-Chefin“ kennen?

Da musste ich letztens tatsächlich schmunzeln. Ich war auf einer Veranstaltung und wurde später eingeladen, die Gruppe auch mal ins LEGOLAND einzuladen. Dort meinte dann jemand zu mir: „Du bist hier ja ganz anders als auf der Veranstaltung.“ Dort wirkte ich wohl eher ruhig und zurückhaltend. Wenn man mich aber hier im LEGOLAND erlebt, bin ich eigentlich eher das Gegenteil – nahbar, offen und direkt. Ich gehe gerne auf Menschen zu und mir ist Ehrlichkeit sehr wichtig. Gerade in so einem Job braucht es Klarheit, aber eben immer mit Menschlichkeit dahinter.

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Heute bist du Geschäftsführerin eines der bekanntesten Freizeitresorts Deutschlands. War das damals eigentlich ein klares Ziel?

Überhaupt nicht. Dass ich hier gelandet bin, war eigentlich totaler Zufall. Meine damalige Nachbarin hat für Randstad gearbeitet und Mitarbeiter fürs LEGOLAND gesucht. Ich komme ursprünglich aus der gehobenen Hotellerie und Gastronomie, war mehrere Jahre auf Norderney und bin dann wieder zurück in die Heimat gekommen. Sie meinte irgendwann einfach: „Bewirb dich doch mal.“

Am Abend vor meinem Bewerbungsgespräch habe ich noch in der Gastronomie gearbeitet – und dabei unwissentlich genau die Menschen bedient, die am nächsten Tag mein Vorstellungsgespräch geführt haben. Als ich hier reingekommen bin und die Gesichter gesehen habe, dachte ich nur: Hoffentlich habe ich gestern alles richtig gemacht. Zum Glück hat es ja funktioniert.

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Trotzdem müssen wir natürlich die LEGO-Frage stellen: Wie viel LEGO steckt privat in Manuela Stone?

Als Kind natürlich ganz viel. Wobei mein Bruder definitiv besser darin war als ich. Ich habe eher Häuser mit Garten gebaut, er die richtig coolen Sachen. Wir hatten damals so eine riesige LEGO-Kiste zuhause.

Und tatsächlich spielt LEGO auch heute noch manchmal eine Rolle. Wenn wirklich mal Zeit ist und ich Entspannung brauche, bauen mein Mann und ich zusammen LEGO. Das ist tatsächlich richtig entschleunigend.

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Gab es auf deinem Weg Entscheidungen oder Momente, die dich rückblickend stärker geprägt haben, als dir damals bewusst war?

Definitiv. Ich erinnere mich noch an einen Telefontermin meines damaligen Chefs. Er hatte den Termin mit „Offer of a Lifetime“ überschrieben. Ich dachte erst nur: „Oh Gott, was kommt jetzt wieder?“ Er hatte damals eine internationale Führungsposition in Windsor und wollte mir diese Aufgabe anbieten.

Mein erster Gedanke war wirklich: Das ist ein Scherz. Ich habe mich selbst nie in so einer Rolle gesehen. Aber ich habe zugesagt – erstmal nur übergangsweise. Nach einer Woche rief er mich an und fragte: „Und, wie ist es?“ Und ich musste zugeben: Es macht richtig Spaß.

Solche Entscheidungen verändern am Ende oft das ganze Leben.

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Du bist schon früh alleine nach Norderney gegangen. Warst du schon immer jemand, der mutige Entscheidungen trifft?

Ich glaube schon. Damals war ich mit einer Freundin im Urlaub auf Norderney und habe aus einem Hotel einfach einen Flyer mitgenommen und gesagt: „Da bewerbe ich mich.“ Alle dachten damals, ich spinne.

Als ich später dann wirklich mit meinem Koffer und meinem kleinen Rucksäckle alleine an der Fähre stand, fand ich mich plötzlich gar nicht mehr so mutig. Aber rückblickend war genau das eine der besten Entscheidungen meines Lebens.

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Für Gäste steht das LEGOLAND für Spaß, Leichtigkeit und Familienzeit. Hinter den Kulissen steckt aber unglaublich viel Verantwortung. Woran denkt man als Geschäftsführerin zuerst?

Damit vorne diese Leichtigkeit entstehen kann, müssen wir hinter den Kulissen extrem klar in unseren Entscheidungen sein. Wir treffen hier jeden Tag gefühlt hunderte Entscheidungen. Dabei geht es natürlich um Wirtschaftlichkeit, aber eben genauso um Sicherheit, Mitarbeitende und Gäste.

Die Menschen kommen hierher und wollen einen besonderen Tag erleben. Gleichzeitig bringen Mitarbeitende und Gäste ihre ganz eigenen Geschichten mit. Deshalb muss ich mir meiner Verantwortung jeden Tag bewusst sein. Nur dann kann vorne dieses Gefühl von Leichtigkeit überhaupt entstehen.

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Menschlichkeit scheint dabei ein sehr wichtiges Thema für dich zu sein.

Ja, absolut. Ich bin niemand, der irgendwo im Büro sitzt und alles nur verwaltet. Ich möchte sichtbar sein. Ich gehe wahnsinnig gerne durch den Park – manchmal sogar bewusst ohne Namensschild – und beobachte einfach.

Dann setze ich mich zum Beispiel mal ins Miniland und schaue Familien zu oder beobachte, wie Mitarbeitende mit Gästen umgehen. Das sind oft die schönsten Momente.

Natürlich landen bei mir auch Beschwerden. Aber mir ist es mindestens genauso wichtig, positives Feedback weiterzugeben. Es wird heutzutage unglaublich schnell kritisiert, aber viel zu selten bewusst gelobt. Wenn ich sehe, dass jemand eine schwierige Situation toll löst oder einem Gast mit einer Kleinigkeit den Tag verschönert, dann sage ich das auch.

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Was bedeutet Erfolg für dich persönlich?

Natürlich gehören Zahlen dazu. Am Ende bin ich dafür verantwortlich. Aber das schönste Gefühl ist für mich immer das mit dem Team.

Nach unseren langen Nächten zum Beispiel – wenn wir abends zusammenstehen und sagen können: „Wir haben das heute gemeinsam gerockt.“ Erst danach gehe ich ins Büro und schaue mir die Zahlen an. Aber dieser gemeinsame Moment ist für mich Erfolg.

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Du bist eine Frau an der Spitze eines großen Unternehmens. Gab es Situationen, in denen du gespürt hast, dass du anders wahrgenommen wirst?

Ja, definitiv. Als ich Geschäftsführerin wurde, war das für viele erstmal ein großes Aha. Eine Frau aus der Region, eher klein, deutsch – vorher war das Bild immer ein anderes.

Eine Situation werde ich nie vergessen: Damals war ich bereits Gastronomieleiterin und mit einem Kollegen auf einer Fachmesse. Wir saßen schon länger mit einem Anbieter zusammen, hatten gesprochen, Produkte angeschaut – und plötzlich fragte mich der Mann: „Und was arbeiten Sie eigentlich?“ Dabei ging er automatisch davon aus, dass ich zu meinem männlichen Kollegen gehöre.

Wir waren beide komplett perplex. Als wir vom Stand weggegangen sind, habe ich gesagt: „Bei denen kaufen wir nie wieder.“ Und dabei ist es bis heute geblieben.

Leider könnte ich über solche Situationen wahrscheinlich ein ganzes Buch schreiben.

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Was war auf deinem Weg schwieriger: sich durchzusetzen oder sich selbst treu zu bleiben?

Für mich ist das Wichtigste, dass ich mir morgens selbst im Spiegel begegnen kann. Wenn ich das nicht mehr kann, dann kann ich diesen Job auch nicht mehr machen.

Natürlich gibt es Situationen, in denen andere sagen: „Du musst härter sein“ oder „Du musst das anders lösen.“ Aber wenn ich innerlich nicht dahinterstehen kann, dann versuche ich alles, um einen anderen Weg zu finden.

Mir treu zu bleiben, ist wahrscheinlich die größte Herausforderung – aber auch die wichtigste.

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Wird gute Führung aus deiner Sicht unterschiedlich gelebt – von Frauen und Männern?

Ich glaube nicht, dass gute Führung vom Geschlecht abhängt. Ich hatte großartige männliche Chefs, die mich gefördert und unterstützt haben. Entscheidend ist eher, welche Werte man mitbringt und ob man wirklich gerne mit Menschen arbeitet.

Mein damaliger Chef hat mich immer wieder sanft in Richtungen geschoben, die ich mir selbst nie zugetraut hätte. Ohne ihn wäre ich heute vermutlich nicht hier.

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Gerade Frauen hören oft die Frage nach Familie und Vereinbarkeit. Wie gehst du persönlich damit um?

Ohne meinen Mann würde das alles nicht funktionieren. So wie viele Männer eine starke Frau im Hintergrund haben, habe ich eben einen starken Mann an meiner Seite.

Kinder haben wir keine – das sollte wohl einfach nicht sein. Dafür kümmern wir uns gemeinsam um meine Eltern. Meine Mama und mein Papa sind beide im Rollstuhl. Das erdet unglaublich und verändert auch den Blick auf viele Dinge.

Ich habe meiner Mama damals nach ihrem Schlaganfall gesagt: „Man kann auch im Rollstuhl alles machen – man muss es nur wollen.“ Natürlich geht nicht alles. Aber dieser Gedanke begleitet mich bis heute.

Dadurch ist mir zum Beispiel das Thema Barrierefreiheit extrem wichtig geworden. Wenn man selbst erlebt, wie schwierig manche Situationen im Alltag sein können, schaut man ganz anders auf Dinge.

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Gibt es Begegnungen im LEGOLAND, die dich besonders berühren?

Ganz viele. Besonders bewegt hat mich eine Familie aus der Schweiz. Das war an einer langen Nacht kurz vor Parkschluss. Ein Vater fragte mich, ob die LEGO-Figur Lloyd vielleicht noch einmal kommen könnte, weil sein Sohn im Rollstuhl riesiger Fan sei.

Eigentlich war schon alles vorbei. Aber ich habe gesagt: „Egal wie – wir machen das jetzt möglich.“

Heute sehe ich die Familie regelmäßig hier im Park und wir haben inzwischen sogar Nummern ausgetauscht. Solche Momente erden einen sehr.

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Das LEGOLAND ist inzwischen auch ein enormer Wirtschaftsfaktor für die Region geworden. Spürt man diese Verantwortung im Alltag?

Ja, absolut. Wenn man die Zahlen und die wirtschaftliche Bedeutung betrachtet, muss man manchmal selbst kurz tief Luft holen. Natürlich bin ich verantwortlich für Ergebnisse und Zahlen. Aber im Alltag ist mir wichtiger, dass wir vor den Kulissen dafür sorgen, dass es unseren Gästen und Mitarbeitenden gut geht. Denn wenn das funktioniert, kommt vieles andere am Ende von selbst.

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Du sprichst oft sehr wertschätzend über dein Team. Wie wichtig ist Vertrauen in deiner Rolle?

Ohne Vertrauen funktioniert dieser Job nicht. Es passiert hier jeden Tag irgendetwas – manchmal nur Kleinigkeiten, manchmal größere Dinge. Ich habe aber wahnsinnig großes Vertrauen in mein Team.

Als ich 2019 Geschäftsführerin wurde, habe ich mich nach 100 Tagen nochmal bewusst vor dem Team vorgestellt. Damals habe ich gesagt: „Wenn mit meiner Familie etwas passiert, lasse ich alles stehen und liegen – und ich erwarte von euch, dass ihr das auffangt.“

Und genau das ist später auch passiert. Das Team hat alles aufgefangen. So etwas schweißt zusammen.

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Trotz deiner großen Verantwortung wirkst du sehr bodenständig geblieben.

Ich komme aus einem kleinen 500-Seelen-Dorf. Als ich damals plötzlich öfter in der Zeitung war, war mir das selbst fast unangenehm. Ich war nie jemand, der unbedingt im Mittelpunkt stehen wollte.

Meine Familie hat sich darüber eher lustig gemacht. Meine Mama hat immer nur den Kopf geschüttelt und gesagt: „Peinlich.“ Heute ist das bei uns ein Running Gag geworden. Dann sage ich immer: „Mama, morgen wird’s wieder peinlich.“

Und dann lachen wir alle zusammen darüber.



Name: Manuela Stone

Firma: LEGOLAND Deutschland Freizeitpark GmbH

Position: Geschäftsführerin 

Gründung: 2005 (ehemalsLEGOLAND Deutschland GmbH Gründung 2001)