Robert-Koch-Institut startet Antikörperstudien zur Verbreitung von Corona

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Corona-Teststelle in Baden-WürttembergBild: AFP/Archiv / THOMAS KIENZLE

Das Robert-Koch-Institut (RKI) startet mehrere große Antikörperstudien zur Verbreitung des Coronavirus in Deutschland. Damit soll ermittelt werden, wie viele Menschen eine Infektion durchmachten und zumindest für eine gewisse Zeit immun sind, wie das RKI am Donnerstag in Berlin mitteilte. Erste Ergebnisse gab es zu einer ähnlichen Studie im besonders stark von der Corona-Pandemie betroffenen Ort Gangelt. Demnach sind dort 15 Prozent aller Einwohner immun.

Bisher gibt es keinerlei Angaben dazu, wie viele Menschen in Deutschland tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert sind, weil nicht flächendeckend getestet wird. Ein Großteil der Infizierten hat kaum oder gar keine Symptome. In die offiziellen Meldezahlen fließen nur die Fälle ein, in denen das Coronavirus nachgewiesen wurde.

"Wir wollen mehr über diese Dunkelziffer erfahren", sagte RKI-Präsident Lothar Wieler in Berlin. Die Ergebnisse der Antikörperstudien seien "von großer Bedeutung, um den Verlauf und Schwere der Pandemie genauer abschätzen und die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen besser bewerten zu können", betonte Wieler.

Untersucht wird, ob sich im Blut der Studienteilnehmer Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachweisen lassen, was ein sicherer Hinweis auf eine durchgemachte Infektion ist. Antikörper lassen sich frühestens eine bis zwei Wochen nach der Infektion nachweisen, entsprechende Labortests sind erst seit kurzem verfügbar.

Noch im April startet das RKI Untersuchungen an Blutspendern und Menschen in einigen besonders betroffenen Corona-Ausbruchsgebieten. Voraussichtlich ab der kommenden Woche sollen alle 14 Tage rund 5000 Blutproben von Blutspendern analysiert werden. Erste Ergebnisse werden Anfang Mai erwartet.

Bei Studien in vier noch nicht näher benannten Corona-Hotspots sollen ab Mitte April jeweils 2000 Teilnehmer wiederholt untersucht und zusätzlich zu klinischen Symptomen, Vorerkrankungen, Gesundheitsverhalten, Lebensumständen und psychischer Gesundheit befragt werden. Auch hier ist im Mai mit ersten Ergebnissen zu rechnen.

Längerfristig ist Wieler zufolge zudem eine repräsentative Bevölkerungsstudie mit insgesamt 15.000 Menschen an 150 Orten geplant. Erste Ergebnisse werden für Juni erwartet. Dadurch soll auch die tatsächliche Sterberate besser abgeschätzt werden.

Zu einem seit Ende März laufenden Corona-Forschungsprojekt im besonders betroffenen Landkreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen gibt es unterdessen ein Zwischenergebnis. Danach durchliefen etwa 15 Prozent aller Einwohner von Gangelt eine Infektion und bauten eine zumindest temporäre Immunität auf, wie die beteiligten Fachleute der Universität Bonn und Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) in Düsseldorf mitteilten. Auf Deutschland insgesamt lassen sich die Ergebnisse aber nicht einfach hochrechnen. Die Zahlen basieren auf Daten von etwa 500 Teilnehmern.

Der Kreis Heinsberg gehört zu dem am frühesten und stärksten von der Corona-Pandemie erfassten Gebieten in Deutschland. Die Sterberate unter allen Infizierten liegt den vorläufigen Ergebnissen aus Gangelt zufolge bei etwa 0,37 Prozent. Allerdings werden in der Studie anders als bei den offiziellen Meldezahlen auch alle Fälle erfasst, bei denen die Infektion mild und unspezifisch verlief.