„Das PM war legendär“ – Abschied von einem Lebenswerk
Wie eine Diskothek in Untermeitingen für Generationen zum Zuhause wurde – und warum ihr Ende mehr ist als eine Schließung
Noch ist es nicht vorbei. Noch stehen sie bevor, diese letzten Nächte im Dezember, in denen im PM noch einmal getanzt wird, gelacht, umarmt, vielleicht auch geweint. Doch schon jetzt liegt etwas in der Luft: das Gefühl, dass hier etwas zu Ende geht, das weit über eine Diskothek hinausgeht.
Die Diskothek PM in Untermeitingen war nie einfach nur ein Ort zum Feiern. Sie war ein Treffpunkt für Generationen. Ein Raum für erste große Gefühle. Für Freundschaften, die bis heute halten. Für Liebesgeschichten, die hier begannen – manchmal hielten, manchmal nicht, aber immer Teil einer gemeinsamen Erinnerung blieben.
„Hier habe ich meinen Mann kennengelernt“, erzählt eine Besucherin, die seit über 20 Jahren ins PM kommt. „Eigentlich wollte ich an dem Abend gar nicht weggehen.“ Ein anderer schreibt uns: „Meine besten Freunde habe ich im Raucherbereich kennengelernt. Wir sind heute alle über 40 – aber wenn wir uns sehen, reden wir immer noch über diese Nächte.“
„Es war ein Ort, an dem man sich selbst finden konnte. Wo man sich lebendig fühlte“, sagt ein ehemaliger Stammgast. Solche Geschichten gibt es viele. Sie erzählen alle dasselbe: Das PM war ein Ort, an dem man nicht allein war.
Ein prägender Lebensabschnitt – auch für den Betreiber
Für Stefan Egger ist das Ende der Diskothek deshalb weit mehr als eine betriebliche Entscheidung. „Die Disco PM war für mich persönlich ein Lebensabschnitt, ein prägender Lebensabschnitt“, sagt er. Schon 1998 stand er hier als DJ hinter den Turntables. 2010 übernahm er die Diskothek selbst. 15 Jahre führte er sie als Inhaber.
„Ein großer Teil meines Lebens war mit dem PM verbunden – als Betreiber, als Gastgeber, aber auch als Mensch.“
Egger spricht nicht von einer Location, sondern von einem Zuhause. „Wenn Gäste sagen, das PM war für sie ein Stück Zuhause, dann macht mich das stolz. Genau so habe ich es auch gesehen. Wir waren nicht nur Tanzfläche. Wir waren ein zweites Wohnzimmer – für viele, über viele Jahre hinweg.“
Nächte, die man nicht planen kann
Manche Momente sind bis heute legendär. „So richtig crazy war natürlich, als Snoop Dogg bei uns im PM war“, erinnert sich Egger. Ein geplantes Konzert in München wurde abgesagt – stattdessen stand der Weltstar plötzlich in Untermeitingen auf der Bühne. „Das war typisch PM.“
Doch es waren nicht nur die großen Namen. Es waren die unzähligen kleinen Geschichten: spontane Umarmungen auf der Tanzfläche, Gespräche draußen in der Nacht, der Heimweg im Morgengrauen. Erinnerungen, die nicht digital gespeichert sind – sondern im Kopf und im Herzen.
„Ich habe so viele Liebesromanzen miterleben dürfen“, erzählt Egger, „so viele Streitereien, Versöhnungen, unzählige Momente. Man bekommt mehr zurück, als man gibt.“
„Ich liebe es, Gäste zu empfangen. Den direkten Kontakt zu den Menschen. Das wird mir am meisten fehlen.“
Wann klar wurde, dass es nicht weitergeht
Lange war Egger nicht bewusst, dass das PM eine endgültige Schließung bevorstand. Erst im Sommer 2025 änderte sich das. „Als die Behörden begonnen haben, in alten Bauplänen aus den Jahren 1993 und 1994 nachzusehen und festgestellt haben, dass es bauliche Abweichungen gibt, war mir klar: Das wird das Ende der Disco PM bedeuten.“
„Leider war mir das relativ schnell klar, dass das nicht gut ausgehen wird. Die Entscheidung, muss ich zugeben, war dann auch gar nicht mehr so schwer.“
Die Sicht der Behörden
Das Landratsamt Augsburg hat die Hintergründe der Nutzungsuntersagungen in einer online veröffentlichten Stellungnahme vom 10. Dezember 2025 erläutert. Demnach wurden bei Kontrollen erhebliche sicherheitstechnische Mängel sowie Abweichungen von bestehenden Genehmigungen festgestellt. Nach Vorlage weiterer Unterlagen wurde die vollständige Nutzungsuntersagung zwar wieder aufgehoben, einzelne Bereiche blieben jedoch geschlossen. Für die geplanten Abschiedsveranstaltungen im Dezember gelten begrenzte Besucherzahlen und zusätzliche Auflagen.
Das Landratsamt betont, dass Entscheidungen ausschließlich auf Grundlage gesetzlicher Vorgaben getroffen wurden und die Sicherheit von Gästen und Beschäftigten oberste Priorität habe. Diese Perspektive gehört zur Geschichte ebenso dazu wie die emotionale Sicht des Betreibers und der Gäste.
Leidenschaft – und ihr Preis
„Einen Club kann man nur mit Leidenschaft betreiben“, sagt Egger. „Wenn man nicht wahnsinnig viel Herz, Herzblut, Hirn und Leidenschaft hineinsteckt, hat man sowieso keine Chance.“
„Nein, ich hatte nie das Gefühl, dass der Aufwand zu groß ist. Nein, ich habe das immer mit Leidenschaft betrieben. Ich habe so viel von meinen Gästen zurückbekommen.“
Doch die Clubkultur habe sich verändert. „Die älteren, treuen Gäste sind weniger geworden. Die junge Generation ist anders, schwieriger zu bespaßen. Es kann anstrengend sein, aber es gehört auch dazu.“
„Man muss loslassen können“, sagt Egger. „Es ist wie bei einer Beziehung: Wenn es nicht mehr geht, dann geht es nicht – und dann muss man sie auch beenden.“
Nachtkultur unter Druck
Der Fall PM steht exemplarisch für eine Entwicklung, die vielerorts zu beobachten ist. Clubs schließen, Diskotheken verschwinden. Steigende Kosten, strenge Auflagen, verändertes Ausgehverhalten.
„Nachtkultur kann nur langfristig bestehen, wenn sie mehr Akzeptanz bekommt – bei Behörden, in den Medien, aber auch bei den Gästen. Sonst hat sie langfristig keine Chance zu überleben.“
Die letzten Nächte stehen bevor
Noch ist es nicht vorbei. Die letzten Partys stehen bevor. Und sie sollen kein leiser Abschied werden. „Es wird kein emotionaler Abschied – es wird ein lauter Abschied“, sagt Egger. „Das PM verdient das. Wir tanzen, bis die Lichter ausgehen.“
„Ich hoffe, dass ganz, ganz viele Gäste glücklich nach Hause gehen und die Geschichte PM in tollen Erinnerungen behalten.“
Viele Gäste wollen noch einmal kommen. Noch einmal tanzen. Noch einmal Teil dieser Geschichte sein.
Was bleibt
Für Egger selbst beginnt danach ein neues Kapitel: mehr Zeit für seine Firma Cosmic Music, für Projekte in Augsburg, München, Innsbruck und Italien. Und mehr Zeit für sich selbst, für Freunde, für die Berge.
„Ich freue mich jetzt auf Skifahren, Skitouren, die Schönheit der Berge und die Natur. Auf Zeit mit Freunden und auf mich selbst.“
Doch das PM wird bleiben – in Erinnerungen, Geschichten, Fotos, Gesprächen. „Wenn man in ein paar Jahren über das PM spricht“, sagt Egger, „dann reicht mir ein Satz völlig: Das PM war legendär. Was für eine Zeit.“
Fazit
Die Diskothek PM schließt. Ein Gebäude wird still. Doch das, was hier über 27 Jahre entstanden ist, lässt sich nicht zusperren.
Erinnerungen entstehen nicht an der Konsole.
Sie entstehen dort, wo Menschen zusammenkommen.
Eine Ära geht zu Ende.
Eine Legende bleibt.






