Janas Stars und Sternchen: Kaffkiez im Interview – Eine Band, die sich vom regionalen Geheimtipp zur festen Größe im Indie-Rock entwickelte
Fünf Jungs out of Rosenheim
Raus aus dem Kaff, rein in die Musikszene der großstädtischen Kieze: Was als Schülerband begann – damals noch auf Englisch und mit Covers auf Abi-Partys und Bierfesten – hat sich längst zu einem der spannendsten Acts im deutschsprachigen Indie entwickelt. Aus „Maybe“ wurde „Kaffkiez“ – dahinter stehen fünf Jungs, die einfach Bock auf das haben, was sie tun. Mit handgemachtem, mitreißendem Sound, einer unpolierten Direktheit in den Texten und der markanten Reibeisenstimme von Frontmann Johannes Eisener hat sich die Band in kurzer Zeit vom regionalen Geheimtipp zur festen Größe im Indie-Rock entwickelt. Heute stehen Millionen Streams und ausverkaufte Konzerte für den Erfolg von Kaffkiez. Unsere Redaktionsleitung Jana Dahnke hat Sänger „Eisna“ zum exklusiven Interview getroffen...
Johannes Eisner: Wir sind aus dem Alpenvorland – genauer gesagt aus Rosenheim. Zur Band gehören Gotti am Piano, Weini an der Gitarre, Niki am Schlagzeug, Beni am Bass und ich, Eisna, der Sänger. Wir sind eine Indie-Band, bewegen uns im Pop-Rock-Bereich und stehen vor allem dafür, dass bei uns alles sehr „handmade“ ist.
Wofür steht Euer Bandname „Kaffkiez“?
Es war einfach ein cooler Gedanke, diese beiden Welten zu verbinden – das, wo wir herkommen, und das, wo wir hinwollten.
Wie habt Ihr Euch eigentlich kennengelernt?
Der Grundstock der Band wurde schon 2012 gelegt. Gotti und ich waren zusammen auf der Schule und haben uns getroffen, um ein bisschen Mucke zu machen. Die anderen Jungs kamen nach und nach dazu. Anfangs war alles ein reines „Schülerband-Projekt“: Wir haben gecovered, ein, zwei Gigs im Jahr gespielt – meistens vor Freunden und Familie. Große Ambitionen gab es da noch nicht. Klar, wir hatten alle unsere Träume, aber dass das irgendwann mal Richtung professionelle Musik geht, damit hat lange niemand wirklich gerechnet.
Bevor Ihr zu "Kaffkiez" wurdet, habt Ihr unter dem Namen „Maybe“ englischsprachige Musik gespielt. 2020 kam dann der Neustart mit deutschem Indie-Rock. Was hat Euch dazu bewogen – und warum passt Deutsch heute so gut zu Eurer Musik?
Wir waren damals an einem Punkt, an dem ein Teil von uns mit dem Studium fertig war und wir überlegt hatten, das Ganze einfach auslaufen zu lassen – mit der Idee, noch ein letztes gemeinsames Abschlussprojekt anzugehen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt den Song „Nie allein“ schon eine Weile in der Schublade, und dann kam einiges zusammen. Andere Bands haben uns gezeigt, dass deutsche Musik wieder richtig gut funktionieren kann. In meiner frühen Jugend war das überhaupt nicht angesagt, und dann kamen Acts wie Kraftklub oder AnnenMayKantereit, die das komplett verändert haben. Das hat Mut gemacht, es selbst auf Deutsch auszuprobieren – und schließlich hat genau diese Mischung dafür gesorgt, dass es auf einmal richtig losging.
Was würdet Ihr sagen: Was ist Euer Alleinstellungsmerkmal als Band?
Im Indie-Rock und Indie-Pop erlebt man oft, dass vieles fast ein bisschen unantastbar wirkt. Wir haben uns von Anfang an bewusst dagegen entschieden. Für uns darf Indie Freude bereiten, direkt sein, unverblümt – und trotzdem diesen rauen Gitarrencharakter behalten.
Gibt es Bands oder Künstler, die Ihr als Vorbilder seht?
Wir kommen alle aus der Rock- und Metal-Ecke – dieses Live-Gefühl von unseren früheren Konzertgängen hat uns stark geprägt. Und genau das leben wir bis heute: Unsere Songs sind dafür gemacht, auf der Bühne zu funktionieren. Es geht um Energie, um Verbindung – und darum, gemeinsam mit den Leuten einen guten Abend zu haben.
Wer „Kaffkiez“ noch nicht kennt: Welche Songs sollte man unbedingt zuerst hören?
Wenn man verstehen möchte, wo wir herkommen, sollte man mit „Nie allein“ anfangen – das ist für uns der Grundstein und wahrscheinlich der ehrlichste Song. Danach lohnt sich ein Sprung auf die „Wir“-Platte, zum Beispiel mit „In Nächten wie diesen“ – Das ist eine sehr aktuelle, energiegeladene Version von dem, wofür wir heute stehen. Und dann vielleicht noch „Halb So Schön Wie Du“, weil man daran merkt, wie wir uns weiterentwickelt haben.
Wenn Ihr auf Eure Entwicklung schaut: Was hat sich in den letzten Jahren für Euch am meisten verändert?
Definitiv die Erkenntnis, dass wir jetzt wirklich Musiker sind. Das Schöne ist: Die Leute konnten und können diesen Weg mitverfolgen. Wir probieren viel aus und fallen dabei auch mal auf die Schnauze. Schlussendlich geht es genau darum: besser zu werden, sich weiterzuentwickeln – und unsere Fans auf diesem Weg mitzunehmen.
Eure Songs sind unglaublich authentisch...
Vieles entsteht einfach aus dem Machen heraus. Ich habe keine klassische Songwriting-Ausbildung – die Musik entwickelt sich eher mit dem, was wir täglich dazulernen und erleben. Außerdem liebe ich Geschichten: Das sind oft gar nicht nur meine eigenen, sondern generell Storys, die mich berühren und bei denen ich das Gefühl habe, dass sie auch andere beschäftigen. Am Ende ist das alles ziemlich unverkopft. Keiner von uns hat sein Instrument studiert, das heißt: Da steckt viel Arbeit drin, aber genau das führt zu diesem ehrlichen Gesamtbild.
Heute versuchen viele Künstler Songs so zu schreiben, dass sie auf Plattformen wie TikTok funktionieren. Spielt das bei Euch eine Rolle – oder denkt Ihr beim Schreiben überhaupt nicht in diese Richtung?
Es wäre gelogen zu sagen, dass wir komplett unabhängig von Social Media sind – das gehört heute einfach dazu. Trotzdem versuchen wir, das beim Songwriting so gut wie möglich rauszuhalten. Wir sind nicht die Band, die zehn unfertige Songs auf TikTok testet und dann diejenigen fertigstellt, die am besten funktionieren. Uns ist wichtig, dass wir uns erst mal selbst weiterentwickeln und nicht dem Algorithmus überlassen, wie unsere Musik klingt. Vielleicht ist das ein bisschen „alte Schule“ – aber da sind wir ziemlich prinzipientreu.
Eure Konzerte gelten als besonders energiegeladen. Warum sollte man „Kaffkiez“ unbedingt live erleben?
Wir schaffen es auf eine sehr „unverkopfte“ Art, die Leute genau da abzuholen, wo sie gerade stehen. Ein Kaffkiez-Konzert kann für einen ganz viel sein: Man kann in einer eher intensiven, in sich gekehrten Phase sein, sich hinten reinstellen, in die Texte eintauchen und einen nachdenklichen Abend erleben. Oder man geht nach vorne, lässt alles raus und hat einfach einen guten Abend. Am Ende geht es genau darum, dass jeder auf seine Kosten kommt.
Habt Ihr eigentlich ein bestimmtes Ritual, bevor es auf die Bühne geht?
Die Band lebt davon, dass wir alle sehr unterschiedliche Typen sind. Ich brauche vor einer Show eher meine Ruhe, andere drehen vorher nochmal richtig auf. Was wir aber immer machen: Wir treffen uns am Bühnenrand, nehmen uns in den Arm, und jeder sagt kurz, worauf er sich an dem Abend am meisten freut. Dann geht’s los.
Ihr kommt aus Rosenheim. Ist es für Euch etwas Besonderes, dort aufzutreten – vielleicht sogar ein bisschen emotionaler als in anderen Städten?
Wir spielen dort einmal im Jahr unsere „Homecoming-Shows“ – und die sind schon besonders emotional. Einfach, weil wir so viel unterwegs sind und dort Familie und Freunde treffen, die uns von Anfang an begleitet haben. Unabhängig davon ist die Aufregung aber vor jedem Konzert noch da – Und ich glaube, genau das ist ein wichtiger Bestandteil für eine gute Show.
Gibt es eine lustige oder ungewöhnliche Anekdote aus Eurer Bandgeschichte, die Euch immer wieder einfällt?
Da ist in den letzten Jahren einiges passiert – wir sind auf jeden Fall ein ziemlicher Chaoshaufen. (Lacht) Bei einem Videodreh ist unser Gitarrist zum Beispiel ins Wasser gefallen. Eine Anekdote, an die wir immer wieder denken, ist aus unserem ersten Livejahr: Wir sind zehn Stunden mit dem Sprinter ohne Klimaanlage in den Norden gefahren, haben dort nachts eine Show gespielt, bei der anfangs zehn Leute vor der Bühne standen. Dann hat es angefangen zu regnen, am Ende waren es nur noch fünf. Am nächsten Tag sind wir wieder zehn Stunden zurückgefahren. Wenn man sich das heute vor Augen führt und sieht, wo wir jetzt stehen, ist das schon ziemlich absurd – aber genau solche Momente vergisst man nicht.
Euer aktuelles Album heißt „Wir“, und auch nach außen wirkt Ihr sehr wie eine Einheit. Wie wichtig ist dieses „Wir-Gefühl“ für Eure Musik und Eure Arbeit als Band?
Dieses „Wir“ ist für uns die Basis für alles. Ohne die Leute, die uns von Anfang an begleitet haben, würde es die Band so nicht geben. Mit der Zeit ist daraus ein Gefühl entstanden, das über Kaffkiez hinausgeht. Es wirkt fast so, als könnte man sich auch privat treffen, gemeinsam um die Häuser ziehen und hätte direkt einen geilen Abend – ohne Hürden, ohne große Distanz. Wir haben das Glück, sehr viele offene, unkomplizierte Fans um uns zu versammeln, die einfach Lust auf eine gute Zeit haben. Und genau das beschreibt dieses „Wir“.
Jetzt im April geht Ihr wieder auf große Tour…
Wir freuen uns auf jede einzelne Show – gerade nach der intensiven Vorbereitung ist es einfach schön, wieder auf der Bühne zu stehen. Ein besonderer Moment wird aber auf jeden Fall München im Zenith. Das ist eine Location, in der wir früher selbst bei Konzerten standen – zum Beispiel bei Billy Talent im Moshpit – und nie gedacht hätten, dass wir dort irgendwann selbst spielen.
Und zum Schluss: Was möchtet Ihr Euren Fans mitgeben?
Wir verstehen das gar nicht als klassische Botschaft – eher als Einladung. Wenn ihr Bock auf einen geilen, unbeschwerten Abend habt, auf Energie oder einfach eine gute Zeit, dann kommt bei unseren Shows vorbei!
...und das solltet Ihr Euch nicht entgehen lassen: Kaffkiez live zu erleben ist etwas ganz Besonderes! Die Konzerte sind voller Energie, unbeschwerter Stimmung und echter Verbindung – ein Abend, der noch lange nachhallt. Wer dabei sein will, sollte sich schnell Tickets sichern, bevor sie alle ausverkauft sind.
KAFFKIEZ - WIR TOUR 2026
09.04. STUTTGART - Liederhalle10.04. ZÜRICH - Halle 622
12.04. KÖLN - Palladium
14.04. HANNOVER - Swiss Life Hall
15.04. BREMEN - Pier 2
17.04. HAMBURG - Sporthalle
18.04. LEIPZIG - Haus Auensee
19.04. FÜRTH - Stadthalle
21.04. MÜNCHEN - Zenith
22.04. WIESBADEN - Schlachthof
23.04. DORTMUND - Westfalenhalle
24.04. BERLIN - Max-Schmeling-Halle
29.08. DRESDEN - Junge Garde
30.08. WIEN - Arena Open Air
https://kaffkiez.com








