Den Stars und Sternchen so nah mit Jana: Schauspieler und Regisseur Milan Peschel im exklusiven Interview – Einer der markantesten Charakterköpfe Deutschlands
Ein Glücksfall für den deutschen Film!
Milan Peschel zählt zu den prägendsten und vielseitigsten Schauspielern und Regisseuren der deutschen Film- und Theaterlandschaft. Auf der Bühne, im Kino und im Fernsehen begeistert er Publikum sowie Kritiker gleichermaßen. Der gebürtige Ostberliner fand seinen Weg zur Schauspielerei über das Theater: Zunächst arbeitete er hinter den Kulissen als Theatertischler und Bühnentechniker, bis er schließlich selbst im Rampenlicht stand. Für seine herausragenden Leistungen wurde Milan Peschel vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Filmpreis als bester Hauptdarsteller sowie dem Bayerischen Filmpreis und dem Deutschen Fernsehkrimipreis. Nun ist er wieder in die Rolle des Kommissars Danowski geschlüpft und sprach mit unserer Redaktionsleitung Jana Dahnke unter anderem über die neue Folge „Neunauge“...
Milan Peschel: Die Schauspielerei ist eigentlich zu mir gekommen – schon als Kind. Ich glaube, solche Dinge lassen sich gar nicht wirklich herleiten oder berechnen. Kunst entsteht nicht nach einem Plan, sondern aus einem inneren Drang heraus. Man kann irgendwann einfach nicht anders, als das zu tun. Dieser Impuls ist plötzlich da – oder vielleicht war er schon immer da. Und dann spielen natürlich die Umstände eine Rolle, in denen man lebt. Aber am Ende lässt sich das kaum logisch erklären.
In der „Tatortreiniger“-Folge „Auftrag aus dem Jenseits“ spielst Du einen herrlich schrägen Schamanen. Gefallen Dir solche humorvollen Rollen besser – oder die ernsteren Figuren?
Mich reizt beides. Aber grundsätzlich ist Humor für mich ein ziemlich gutes Tool, um mit der Wirklichkeit klarzukommen.
Warum hast Du Dich für die Figur „Kommissar Danowski“ entschieden?
Mir gefällt, dass Danowski in der Krimilandschaft ziemlich außergewöhnlich ermittelt. Er ist ein hypersensibler Typ mit einem merkwürdig kauzigen Humor – und überhaupt kein Draufgänger oder klassischer Macho-Polizist, wie man ihn sonst oft sieht. Die Reihe basiert auf Romanen, und gerade dieser leise, feine Humor hat mich von Anfang an fasziniert. Danowski schaut anders auf die Welt, hat seine eigene Perspektive und eine ganz eigene Form von Pragmatismus. Die Filme kommen dabei ohne große Action aus – es geht weniger um die reine Auflösung des Falls als um den Weg dorthin. Und genau das gestaltet sie so besonders und unterhaltsam.
Wie läuft eigentlich so ein typischer Tag am Set ab?
Ein Drehtag besteht vor allem aus Warten. Es gibt ein paar Momente, in denen man sehr konzentriert und präzise eine Szene spielt – aber dazwischen passiert viel Vorbereitung. Licht wird gesetzt, Kameraeinstellungen werden gefunden, viele Faktoren müssen zusammenkommen. Und in all der Zeit bleibt beispielsweise genug Gelegenheit, um gerade nach ersten Szenen mit Humor auf das Leben zu reagieren.
Als Schauspieler schlüpft man meistens in Rollen, in denen man sich nicht komplett wiederfindet...
Für mich geht es tatsächlich gar nicht darum, ob ich mich mit einer Figur identifizieren kann, sondern ob sie mich interessiert. Gerade Widersprüche finde ich spannend – auch Eigenschaften, die mit mir selbst wenig zu tun haben.
Wie entscheidest Du, ob Du Filmangebote annimmst – und hast Du hin und wieder bewusst abgesagt?
Ja, abgelehnt habe ich auch schon – aber ehrlicherweise erinnere ich mich gar nicht mehr genau an die Rollen. Ich glaube, es passieren immer mal wieder Fehler: Man nimmt etwas an, das vielleicht nicht passt, oder lehnt etwas ab, das sich im Nachhinein als spannend erwiesen hätte. Aber damit beschäftige ich mich nicht lange. Man trifft eine Entscheidung – und dann lebt man damit.
Gibt es für Dich so etwas wie eine Traumrolle?
Nein, überhaupt nicht. Für mich sind vielmehr die Konstellationen entscheidend, in denen man arbeitet. Die wichtigste Frage ist: Mit wem drehe ich? Es bringt mir nichts, eine vermeintliche Traumrolle zu spielen, wenn ich mich mit den Leuten am Set nicht verständigen kann. Die Zusammenarbeit muss stimmen – nur dann wird es für mich wirklich interessant.
...also ist die spannendere Frage für Dich: Mit wem – gibt es hier jemanden?
Da habe ich gar keine konkrete Wunschliste. Mir ist es wichtiger, bei bestimmten Regisseuren und Ensembles zu bleiben, mit denen ich schon gute Erfahrungen gemacht habe – wie mit Sherry Hormann oder Marcus H. Rosenmüller. Zudem arbeite ich sehr gerne mit Kollegen aus der Volksbühne oder mit Ensembles, mit denen ich über Jahre gewachsen bin. Gleichzeitig möchte ich mich nicht einschränken – es gibt so viele spannende Menschen, die ich noch gar nicht kenne. Wenn man sich nur auf Bekanntes konzentriert, verkleinert man den eigenen Erfahrungshorizont. Natürlich hätte ich mich gefreut, mit jemandem wie Woody Allen zu arbeiten oder Charlie Chaplin zu begegnen – aber das ist leider aus bestimmten Gründen nicht mehr möglich.
Du bist ein Fan des Western-Genres. Was fasziniert Dich daran?
Western haben eine ganz eigene, oft sehr klare und reduzierte Erzählweise. Sie bringen Dinge schnell auf den Punkt und folgen dabei bestimmten, immer wiederkehrenden Strukturen – Fast ein bisschen wie im Märchen, auch wenn Western natürlich nichts Märchenhaftes haben. Mich interessiert vor allem diese Einfachheit und Klarheit. Western sind für mich so etwas wie Modelle unserer westlichen Zivilisation – und genau dieser Modellcharakter fasziniert mich.
Du bist stark im Theater verwurzelt und führst selbst Regie…
Ich versuche, Theater und Film gar nicht so sehr miteinander zu vergleichen – Das führt oft in die falsche Richtung. Mir ist immer der Ort wichtig, an dem ich gerade arbeite. Die Bühne ist für mich allerdings der Ursprung der Schauspielerei. Der Theaterraum kam erst später – gespielt wurde einst auf der Straße. Und auf diese Anfänge beziehen wir uns bis heute. Für mich persönlich hat im Theater alles begonnen. Deshalb wird dieses immer ein ganz wichtiger Ort bleiben, von dem ich mich wohl nie verabschieden werde.
Wo kannst Du mit Deiner Familie in Berlin den Alltag genießen?
Eigentlich am besten zu Hause. Wenn ich frei habe, sind wir immer mal wieder auf dem Land – Da kann ich genauso gut abschalten.
Wann bist Du glücklich – oder wann denkst Du: „Allet jut“?
Dass ich hier sitze, Interviews gebe und sich jemand für das interessiert, was ich denke, ist schon ein Privileg und ein gutes Gefühl. Aber das eigentliche Glück liegt für mich in den kleinen Dingen: dass ich lebe, dass ich in einem Land wohne, das keinen Krieg erlebt, dass ich warmes Wasser habe und nicht frieren muss – das sind für mich die entscheidenden Dinge und ein Glück, das viele Menschen nicht haben.
Du malst viel – was gibt Dir das?
Es ist einfach schön, zu malen und die Arbeiten zu zeigen – vor allem in Ausstellungen. Wenn Menschen davor stehen bleiben, sich die Bilder anschauen und man ins Gespräch kommt, ist das etwas sehr Besonderes. Man tritt dabei nicht nur mit anderen in Kontakt, sondern auch mit sich selbst. Das ist vielleicht der eigentliche Wert daran. Und natürlich ist es ein wahnsinniges Kompliment, wenn jemand wie Armin Rohde, der ja selbst ein großartiger Fotograf und Schauspieler ist, mir schreibt, dass ihm meine Bilder gefallen.
TV-Tipp: "Danowski - Neunauge"
Hamburg wird von einer Serie spektakulärer Leichenfunde erschüttert. Die örtliche Polizei setzt auf Unterstützung von Deutschlands populärstem Fallanalytiker. Doch Kommissar Danowski zweifelt an dessen Theorie eines zu Schulzeiten traumatisierten Einzeltäters. Derweil lösen bei der Polizei eingehende Hinweise eine Lawine von Ereignissen aus.Ab Samstag, 2. Mai 2026, für ein Jahr lang in der Mediathek streamen oder am Montag, den 11. Mai 2026, um 20:15 Uhr im ZDF einschalten!














