Der Historische Verein Memmingen e.V.: Seit mehr als 100 Jahren engagieren sich Menschen in Memmingen für Geschichtsforschung, Heimatpflege und Denkmalschutz
Mit der Geschichte vertraut
Der Historische Verein Memmingen e.V. wurde mit dem Zweck gegründet, die Kenntnis über die Geschichte der ehemaligen Reichsstadt und heutigen Stadt Memmingen einschließlich ihres ehemaligen Territoriums und ihrer heutigen Stadtteile zu fördern. Der Verein möchte als Plattform und Gesprächsforum dienen, um das Interesse der Bürger an der Geschichte zu wecken und aufrecht zu halten. Dies geschieht u.a. durch die Herausgabe historischer Forschungsarbeiten (Memminger Geschichtsblätter, Memminger Forschungen) und durch die Veranstaltung von Vorträgen, Führungen, Ausstellungen und Exkursionen. Aufzuführen wäre hier die Mitwirkung am Tag des Denkmals sowie Stellungnahmen zu den Bereichen Denkmalschutz, Stadtbild- und Heimatpflege...
Memminger Bürger gründeten 1881/82 - die Durchführung von archäologischen Ausgrabungen vor Augen - die "Deutsche anthropologische Gesellschaft Gruppe Memmingen“, die sich wenige Jahre später (1885) in "Memminger Altertumsverein" umbenannte. Ab 1892 begann der damalige Vorsitzende Dr. Julius Miedel eine rege Publikationstätigkeit, die mit den „Memminger Geschichtsblättern“ und den Beilagen der Memminger Zeitung „Schwäbischer Erzähler“ (bis 1935) und „Spiegelschwab“ (ab 1950) bis ins 21. Jahrhundert reicht. Seit 1991 werden Dissertationen und größere Forschungsergebnisse in einer gesonderten Schriftenreihe, den „Memminger Forschungen“ herausgegeben. Neben so vielen Namen, die in der Geschichte des Historischen Vereins Memmingen e.V. gewirkt haben, seien die beiden Vereinsvorsitzenden und zugleich Kreis- bzw. Stadtheimatpfleger Walter Braun (1933-1976) und Uli Braun (1976-2005) besonders hervorgehoben. Die einstige 1885 gegründete Altertumsversammlung des Vereins (zunächst im Rathaus, dann in der Großzunft, schließlich ab 1935 im Hermansbau) ging allmählich in städtische Verwaltung über und ist heute Teil der kulturhistorischen Sammlungen des Stadtmuseums Memmingen.
Mit Heimatpreis Bayern ausgezeichnet
Am 11. Juli 2023 erhielt der Historische Verein Memmingen e.V. aus den Händen des bayerischen Staatsministers für Finanzen und Heimat, Albert Füracker, den Heimatpreis Bayern. In der Laudatio heißt es dazu: "Der Historische Verein Memmingen wurde bereits 1882 mit dem Ziel der Heimatpflege gegründet. Seitdem unterstützt er die städtische Heimatpflege in verschiedenen Bereichen. Der Verein bewahrt geschichtliche Zeugnisse aller Art und ist Herausgeber diverser Publikationen zur Vermittlung historischer Fakten. Weiter veranstaltet er Vorträge, Führungen und Ausstellungen und engagiert sich in der Denkmalpflege, indem er sich kritisch mit modernen städtebaulichen Veränderungen und der Stadtentwicklung auseinandersetzt. Als Plattform und Gesprächsforum zur Weckung und Aufrechterhaltung des Bevölkerungsinteresses für die geschichtliche Vergangenheit, stellt sich der Verein ganz in den Dienst unserer Geschichte und Kultur. Dieses wertvolle langjährige Engagement wird mit dem Heimatpreis ausgezeichnet."
Interview mit Christoph Engelhard, Vorstand Historischer Verein Memmingen e.V.
Wie fanden Sie selbst zum Thema Heimatpflege, Heimatkunde?Christoph Engelhard: Schon seit meiner Schulzeit interessiere ich mich für die Geschichte unseres Landes, wie sie in Denkmäler aus vergangenen Zeiten unmittelbar sicht- und erlebbar ist. Deren Erhalt prägt unsere Heimat bis heute und trägt zu ihrer unverwechselbaren Vielfalt bei.
Von welcher Seite wünschen Sie sich ggfs. mehr Unterstützung?
Unterstützung benötigen lokale und regionale Vereine von den jeweiligen Gebietskörperschaften – zur Durchführung von Projekten, zum Aufstellen von Erinnerungszeichen oder zur Publikation historischer Forschungen. Heimatpflege ist eine Aufgabe der Gemeinden und der von diese berufenen ehrenamtlichen Heimatpfleger.
Der Begriff „Heimat“ wurde durch die Herrschaft der NS-Diktatur in Mitleidenschaft gezogen. Wie gehen Sie mit dem Begriff Heimat um, wie werben Sie als Vorsitzende von Heimatvereinen dafür, dass Heimat mehr bedeutet, als eine rein völkische Deutung des Begriffs durch den Nationalsozialismus?
Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass sich Heimat stets verändert hat. Neue Menschen kamen mit neuen Ideen ins Land; Altes wurde durch Neues ersetzt oder ergänzt. Obwohl es also keine unveränderliche „Heimat“ an sich gibt und gab, ist ihre Pflege angesichts einer zusehends globalisierten Welt mehr denn je nötig. Menschen brauchen ein vertrautes „heimatliche“ Umfeld – nicht einheitlich oder verordnet, sondern vielfältig und von geschichtlichen Ereignissen geprägt.
Was sollte ein neues Mitglied in ihrem Verein mitbringen?
Neue Mitglieder sollten für unsere Vereinsarbeit neue Fragen an die Geschichte, viel Engagement für die Heimat und großes Interesse am Erhalt der Denkmäler mitbringen.
Welche aktuellen Projekte ihrer jeweiligen Stadt begleiten Sie als Heimatverein mit?
Im vergangenen Jahr durfte der Historische Verein Memmingen e.V. wie so viele Vereine in unserer Region das Gedenkjahr „500 Jahre Zwölf Artikel 1525“ mitgestalten (Projekt „Menschen 1525 in und um Memmingen“). Heuer ist geplant, eine umfassende Dokumentation des Jüdischen Friedhofes Memmingen in unserer Vereinszeitschrift, den „Memminger Geschichtsblättern“ zu veröffentlichen.
Welchen Slogan / Leitsatz für Ihren Heimatverein könnten Sie sich als Überschrift für den Artikel vorstellen?
„Mit der Geschichte vertraut. Seit mehr als 100 Jahren engagieren sich Menschen aus Stadt und Land für Geschichtsforschung, Heimatpflege und Denkmalschutz“
Interview und Text: Jörg Spielberg





