Der TRENDYone Buchtipp: Ulrike Bartholomäus – „Zwischen TikTok und Therapie“
Wenn die digitale Welt zu laut wird – und das echte Leben leise kippt
„Man sieht nur, was man messen kann – aber nicht immer, was Menschen wirklich fühlen.“ Ein Satz, der gut zu diesem Buch passt, weil es genau dort ansetzt, wo Statistiken enden und Lebensrealität beginnt. „Zwischen TikTok und Therapie – Wie Jugendliche und junge Erwachsene psychische Krisen überwinden“ von Ulrike Bartholomäus (Berlin Verlag, Erscheinungstermin: 02.04.2026) widmet sich einer der drängendsten Fragen unserer Zeit: Was passiert mit einer Generation, die permanent erreichbar ist – und oft innerlich nicht mehr zur Ruhe kommt? Die Wissenschaftsjournalistin hat dafür über anderthalb Jahre hinweg 25 Jugendliche begleitet, Gespräche mit Eltern, Therapeut:innen und Fachpersonen geführt und daraus ein vielschichtiges Porträt junger Menschen entwickelt, die sich durch Depressionen, ADHS, Essstörungen, Suchtverhalten oder Zwangserkrankungen kämpfen – und Wege finden, wieder Halt zu gewinnen.
Bibliographische Daten
Titel: Zwischen TikTok und Therapie – Wie Jugendliche und junge Erwachsene psychische Krisen überwinden
Autorin: Ulrike Bartholomäus
Verlag: Berlin Verlag
Erscheinungstermin: 02.04.2026
Zwischen Scrollen, Stress und Selbstverlust
Das Buch trifft einen Nerv, weil es ein Spannungsfeld beschreibt, das viele Familien heute kennen: permanente digitale Reizüberflutung auf der einen Seite – und zunehmende psychische Belastungen auf der anderen. Dabei geht es nicht um einfache Schuldzuweisungen an Social Media, sondern um ein komplexes Zusammenspiel aus Leistungsdruck, fehlenden Rückzugsräumen, familiären Belastungen und der Suche nach Identität. Bartholomäus zeigt sehr konkret, wie unterschiedlich Krisen verlaufen können: Jugendliche, die sich über Essen kontrollieren, andere, die in Gaming und Social Media verschwinden, wieder andere, bei denen Angststörungen oder depressive Episoden den Alltag bestimmen. Entscheidend ist dabei weniger die Diagnose als der Blick auf das, was dahinterliegt: Überforderung, Einsamkeit, fehlende Stabilität oder das Gefühl, nicht zu genügen.
Ein Buch, das nah dran bleibt – ohne zu vereinfachen
Was besonders auffällt: Die Autorin arbeitet nicht mit pauschalen Thesen, sondern lässt Erfahrungen sprechen. Aus diesen Geschichten entsteht ein Bild, das weder dramatisiert noch beschönigt. Es zeigt Jugendliche, die kämpfen – und Erwachsene, die oft selbst erst lernen müssen, wie sie richtig begleiten können.
Spannend ist dabei auch der Blick auf Veränderung: Viele der beschriebenen Wege aus der Krise beginnen nicht spektakulär, sondern leise. Durch eine stabile Bezugsperson, durch Therapie, durch klare Strukturen oder durch das Gefühl, endlich ernst genommen zu werden.
Persönliche Einordnung
Beim Lesen entsteht schnell der Eindruck, dass dieses Buch weniger „über Jugendliche“ spricht, sondern eher mit ihnen – auch wenn die Perspektive dokumentarisch bleibt. Es ist eines dieser Bücher, das nicht nur informiert, sondern auch nachdenklich macht, weil es vertraute Alltagsbilder plötzlich in einem anderen Licht zeigt: das ständig vibrierende Smartphone, die scheinbar „nur müde“ wirkenden Jugendlichen, die sich zurückziehen, oder das Gefühl, dass „irgendetwas nicht mehr stimmt“, ohne es genau benennen zu können.
Es wirkt stellenweise unbequem, weil es auch die Frage mitschwingen lässt, wie sehr unsere heutige Lebensweise selbst Teil des Problems ist – ohne dass das Buch darauf eine einfache Antwort geben würde.
Fazit
„Zwischen TikTok und Therapie“ ist kein Ratgeber im klassischen Sinn, sondern ein journalistisch stark recherchiertes, sensibles Gesellschaftsporträt. Es zeigt eine Generation zwischen Überforderung und Selbstsuche – und macht deutlich, wie wichtig frühe Unterstützung, echte Gespräche und stabile Beziehungen sind.
Ein Buch, das weniger schnelle Lösungen liefert, dafür aber etwas Entscheidenderes: Verständnis.










