Der TRENDYone Buchtipp: Wenn Sicherheit zerbricht
Vier neue Ullstein-Krimis zwischen Obsession, Ozean, Blackout und politischem Abgrund
Das Krimijahr 2026 beginnt bei Ullstein mit Stoffen, die weit über klassische Ermittlungsarbeit hinausgehen. Statt bloßer Täterjagd stehen emotionale Ausnahmesituationen, gesellschaftliche Spannungsfelder und psychologische Grenzerfahrungen im Mittelpunkt. Was diese vier Neuerscheinungen verbindet: Der Moment, in dem scheinbare Stabilität kippt. Ein Segelausflug wird zur Falle. Ein Stromausfall zum gesellschaftlichen Stresstest. Ein politischer Mord öffnet alte Wunden. Und ein Traumhaus wird zur tödlichen Obsession.
Stina Westerkamp – Sturmmeer
Erscheinungstermin: 29.01.2026
Umfang: 336 Seiten
Preis: 16,99 € (DE) | 17,50 € (AT)
ISBN: 978-3-86493-372-1
Inhalt
Ella hat Jan erst vor wenigen Wochen kennengelernt – alles deutet auf eine große Liebe hin. Als er sie zu einem romantischen Segelausflug einlädt, scheint das Glück vollkommen. Doch kurz nach einem Picknick an Deck verschwindet Jan spurlos.
Während das Boot immer weiter auf das offene Meer hinaustreibt, erhält Ella eine Drohnachricht: Sie wurde entführt. Und mit Jan sind auch ihre lebenswichtigen Medikamente verschwunden. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt – allein, isoliert, mitten auf dem Ozean.
Persönliche Meinung
Was hier besonders wirkt, ist die radikale Reduktion: ein Boot, das Meer, eine Frau. Keine komplexen Nebenplots, keine parallelen Ermittlungen. Stattdessen klaustrophobische Weite.
Die Bedrohung entsteht weniger durch spektakuläre Wendungen als durch die permanente Ausweglosigkeit. Das Meer wird zur psychologischen Projektionsfläche – ruhig und zugleich unberechenbar. Ein Thriller, der nicht laut ist, sondern konsequent Spannung aufbaut und die Isolation intensiv spürbar macht.
Stefan Ahnhem – Wellengrab
(Ein Fabian-Risk-Krimi 7)
Erscheinungstermin: 29.01.2026
Umfang: 624 Seiten
Übersetzung: Aus dem Schwedischen von Katrin Frey
Preis: 17,99 € (DE) | 18,50 € (AT)
ISBN: 978-3-86493-241-0
Inhalt
An einem Spätsommerabend versinkt die schwedische Küste plötzlich in völliger Dunkelheit. Kommissar Fabian Risk erlebt den Blackout auf seinem Segelboot gemeinsam mit seiner Tochter.
Zurück in Helsingborg häufen sich rätselhafte Vorfälle. Zeugen verhalten sich seltsam, Fälle scheinen zusammenzuhängen, doch nichts ergibt ein klares Bild. Gleichzeitig verschwindet die Tochter einer früheren Freundin von Risk – und es deutet sich eine Verbindung zum Stromausfall an.
Persönliche Meinung
Ahnhem verbindet klassischen Ermittlerkrimi mit einem hochaktuellen Szenario: Was passiert, wenn eine moderne Gesellschaft plötzlich ohne Strom dasteht?
Besonders stark ist die Atmosphäre des Kontrollverlusts. Der Blackout wirkt wie ein Katalysator – für Verbrechen, für Unsicherheiten, für verborgene Dynamiken. Wellengrab ist komplex konstruiert und dicht erzählt. Kein schneller Thriller, sondern ein vielschichtiges Spannungsgeflecht, das Geduld belohnt.
Thomas Ziebula – Waldmann
Erscheinungstermin: 02.01.2026
Umfang: 448 Seiten
Preis: 13,99 € (DE) | 14,40 € (AT)
ISBN: 978-3-471-36065-1
Inhalt
Am Vorabend seiner Rückkehr zur Bonner Mordkommission wird Johannes Waldmann zu einem Tatort gerufen. Ein ermordeter Lokalpolitiker, eine Frau im gestohlenen Streifenwagen und die verschwundene Ukrainerin Zlata führen ihn in ein Geflecht aus Menschenhandel und Gewalt.
Parallel recherchiert Journalistin Pia Luninger über Zwangsprostitution – in der Hoffnung auf ihren beruflichen Durchbruch. Für Waldmann wird der Fall zunehmend persönlich, denn er reißt die Wunde um das spurlose Verschwinden seiner Frau wieder auf.
Persönliche Meinung
Waldmann ist kein Hochglanzthriller, sondern ein gesellschaftlich geerdeter Kriminalroman. Die Verknüpfung von politischem Verbrechen und persönlichem Trauma verleiht der Geschichte emotionale Tiefe.
Mich überzeugt besonders die Ernsthaftigkeit des Themas. Menschenhandel und Ausbeutung werden hier nicht sensationalisiert, sondern als reale, komplexe Problematik dargestellt. Ein Krimi mit Substanz und spürbarem gesellschaftlichem Anspruch.
Marisa Kashino – Tödliches Angebot
Erscheinungstermin: 29.01.2026
Umfang: 336 Seiten
Übersetzung: Aus dem Englischen von Sybille Uplegger
Preis: 16,99 € (DE) | 17,50 € (AT)
ISBN: 978-3-86493-375-2
Inhalt
Margo Miyake träumt vom perfekten Leben: erst das Haus, dann das Baby, dann der Hund. Doch ihre Fixierung auf eine bestimmte Immobilie wird zur Obsession. Sie setzt ihre Ehe, ihre Freundschaften, ihren Job und ihre mentale Stabilität aufs Spiel.
Während ihr Umfeld längst erkennt, wie weit sie geht, bleibt Margo selbst blind für die Konsequenzen – und ist bereit, für ihren Traum extreme Schritte zu gehen.
Persönliche Meinung
Dieser Thriller lebt weniger von äußeren Gefahren als von innerem Druck. Der Wunsch nach dem „perfekten Leben“ wird hier zur zerstörerischen Kraft.
Besonders interessant ist der Hintergrund der Autorin, die lange journalistisch im Immobilienbereich tätig war – das verleiht der Geschichte eine glaubwürdige, realitätsnahe Grundlage. Tödliches Angebot ist ein psychologisch fokussierter Spannungsroman über Statusdenken, Selbsttäuschung und Eskalation.
Fazit
Die Ullstein-Krimis zum Jahresauftakt 2026 zeigen, wie vielfältig das Genre derzeit gedacht wird.
Sturmmeer setzt auf existenzielle Isolation.
Wellengrab auf gesellschaftliche Fragilität.
Waldmann auf politische und persönliche Verstrickungen.
Tödliches Angebot auf psychologische Obsession.
Gemeinsam zeichnen sie ein Bild von einer Welt, in der Sicherheit jederzeit brüchig werden kann – sei es durch Natur, Technik, Macht oder eigene Sehnsüchte.
Ein starkes, atmosphärisch dichtes Programm für alle, die Spannung mit Tiefgang suchen.




