Ein Rekord mit Herz: Warum die „Kronkorken-Aktion“ weit mehr bewirkt als beeindruckende Zahlen

Engagement ohne Grenzen

Kronkorken werden normalerweise weggeworfen – beiläufig, ohne darüber nachzudenken. Bei der Aktion von Christoph Straßer bekommen sie jedoch eine andere Bedeutung: Sie werden zu einem Symbol für Verantwortung, Zusammenhalt und den gemeinsamen Willen, Familien in extrem belastenden Lebenssituationen zu unterstützen. Denn der Erlös der Sammelaktion fließt vollständig an den Bunten Kreis – und damit in den Bau des Brückenhauses, eines teilstationären Hospizes für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre…

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Jacqueline Gräubig und Christoph Straßer – aus einer Idee wurde ein erfolgreiches GemeinschaftsprojektBild: Stiftung Bunter Kreis
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Bild: Stiftung Bunter Kreis
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Bild: sandsack@fotografie
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Stephanie Schmid, Brauerei Ustersbach.Bild: Brauerei Ustersbach
Nun wird aus diesem Engagement ein ganz konkreter Schritt: Seit dem 16. Januar liegt die Baugenehmigung vor, sodass im Frühjahr mit der Errichtung des Brückenhauses begonnen werden kann. Eine große Wiegung zeigte, was die Kronkorken-Aktion bereits bewirkt hat: ein geknackter Rekord und ein beachtlicher Erlös. 

Unsere Redaktionsleitung Jana Dahnke sprach mit Jacqueline Gräubig vom Bunten Kreis sowie mit Initiator Christoph Straßer über bewegende Momente – und darüber, wie aus einem kleinen, alltäglichen Gegenstand etwas entsteht, das Familien in schwersten Zeiten trägt.

Jana: Jacqueline, wie bewertest Du das bisherige Ergebnis aus Sicht des Bunten Kreises?
Jacqueline Gräubig: Die Aktion hat uns bewiesen, wie viel Kraft in einer Gemeinschaft steckt – weit über Augsburg hinaus. Wir haben unglaublich viele Menschen erreicht – Privatpersonen, Schulen, Kitas, Vereine, Gastronomen und Unternehmen. Überall entstanden kleine und große Sammelaktionen, getragen von viel Zusammenhalt, Begeisterung sowie echtem Interesse an unserer Arbeit und unserem großen Projekt, dem Brückenhaus – einem teil- und vollstationären Hospiz für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Am Ende stand ein Material-Reinerlös von 2.271 Euro bei einem Gesamtgewicht von über 12,5 Tonnen – das entspricht rund 6,25 Millionen Kronkorken. Damit hätten wir nie gerechnet. Besonders gefreut hat uns, dass die Firma Recycling Dehner aus Augsburg den Erlös auf 3.000 Euro aufgerundet und zudem die Sammelcontainer kostenlos zur Verfügung gestellt hat.

Welche konkrete Bedeutung hat diese Spende für das Brückenhaus?
Für uns zählt bei solchen großen Projekten wirklich jeder Cent. Den Erlös werden wir zunächst in die Ausstattung der acht Zimmer investieren – damit das Brückenhaus ein schöner Ort und ein Zuhause auf Zeit wird. Und neben dem finanziellen Wert gibt es für uns vor allem einen „Herzensbonus“: Diese Aktion zeigt, wie viele Menschen unsere Arbeit unterstützen möchten.

Wie wichtig ist diese Gemeinschaftsaktion für die Wahrnehmung Eurer Arbeit in der Region?
Unheimlich relevant! Solange man nicht selbst betroffen ist, kommt man mit der Arbeit des Bunten Kreises oft gar nicht in Berührung. Durch das Sammeln und die Aktion konnten wir auf den Bedarf und auf unser Projekt aufmerksam machen. Auch für betroffene Familien ist das ein wichtiger Meilenstein: Ihre Situation wird sichtbar, ihr Wunsch nach Entlastung gehört. Viele Rückmeldungen zeigten Dankbarkeit dafür, dass es eine Organisation gibt, die sich kümmert, Mut zeigt und Verantwortung übernimmt.

Was möchtet Ihr all den Menschen sagen, die gesammelt, organisiert oder unterstützt haben?
Von Herzen: Danke! Danke an alle Sammler, an die 25 entstandenen Sammelstellen, an unsere Sponsoren und Unterstützer wie TRENDYone, Recycling Dehner und Verpackungsteam.de. Ein riesiger Dank gilt außerdem unserer Abhol-Crew mit Hausmeister und ehrenamtlichen Helfern, die monatlich viele Kilometer zurückgelegt und teils extrem schwere Tonnen geleert haben. Und natürlich ein besonderer Dank an unseren Ideengeber Christoph Straßer.

Jana: Christoph, was hat die große Wiegung ergeben – und welche Bedeutung hat dieses Ergebnis für Euch?
Christoph Straßer: Wir haben es geschafft und den bayerischen Rekord geknackt! Besonders in Erinnerung bleibt mir der Augenblick, als wir erfahren haben, wie viel wir tatsächlich gesammelt haben – Endlich ein greifbares Ergebnis zu sehen, war ein unbeschreiblich gutes Gefühl. Wir sind total begeistert, wie groß das Engagement und die Unterstützung für die Aktion sind. Dafür möchte ich mich bei allen Beteiligten von Herzen bedanken – und es motiviert uns, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen!

Gab es etwas, das Dich bisher besonders überrascht hat?
Sehr berührt hat mich, wie selbstverständlich wirklich alle mitgemacht haben – sogar die Kleinen. Beim Königsbrunner Kinderfest ist das besonders deutlich geworden: Dort wurden uns 100 gefüllte Säcke – in Summe rund 1.030 Kilogramm Kronkorken – übergeben. So eine Menge muss man erst einmal zusammenbekommen. Einige Kids kamen sogar direkt zu mir und sagten: „Wir sammeln fleißig für die kranken Kinder.“ In diesem Moment wurde mir bewusst, wie viel die Aktion bewirken kann – und wie viel Herz und Engagement dahinterstecken.

Wie fühlt es sich für Dich an, dass aus einer kleinen Idee ein so großes Projekt geworden ist?
Es ist beeindruckend zu sehen, welche Anzahl an Sammelstellen wir inzwischen aufgebaut haben und wie dort von Monat zu Monat stetig größere Mengen an Kronkorken zusammenkommen. Besonders wertvoll ist die Selbstverständlichkeit, mit der unsere Aktion weitertragen wird – an Kunden, an Freunde und an Familien. Die Überzeugung, mit der sich die Menschen engagieren, zeigt deutlich, wie wichtig ihnen der Umweltschutz ist und gleichermaßen der Wunsch besteht, etwas Gutes zu tun. Genau diese gemeinsame Haltung und das starke Miteinander gestalten unser Vorhaben so besonders und erfolgreich.

Wie geht die Kronkorken-Aktion jetzt weiter?
Wir möchten den bisherigen Erfolg nutzen, um noch mehr „Sammler“ zu erreichen. Unser Ziel für die kommenden Monate ist es, das Netzwerk auszubauen und die Menge weiter zu steigern. Leider sind wir aktuell aus logistischen Gründen an unserer Kapazitätsgrenze angekommen, weshalb derzeit keine neuen Sammelstellen eröffnet werden können. Wir freuen uns aber über Unterstützer, die ihr Sammelgut selbst zum Container oder zum Recycler bringen und den Erlös direkt spenden. 

Aktuelle Infos gibt es auf... 

www.bunter-kreis.de  

sowie auf den Social-Media-Kanälen.

...Weitersagen erwünscht!

 Stephanie Schmid, Brauerei Ustersbach.

„Wir freuen uns sehr über die Sammelstelle bei uns im Hausverkauf der Brauerei. Geschätzt haben wir im vergangenen Jahr rund 200.000 Kronkorken an die ‚Aktion Brückenhaus‘ spenden können. Danke an Christoph Straßer für sein Engagement und herzlichen Dank an die vielen Menschen, die zuhause Kronkorken sammeln und diese dann bei uns in die Sammeltonne werfen. Wie uns einige verraten haben, machen sie dabei auch vor Nachbarn und Freunden nicht halt, das finden wir cool.“