Food Porn

„FoodPorn“ im sozialen Netzwerk Twitter, in facebook besitzt die gleichnamige Gruppe sogar fast zwei Millionen Likes und auf Instagram gibt es unter dem Hashtag #foodporn über 72 Millionen Bilder und Videos weltweit. Doch was genau bedeutet „Food Porn“ eigentlich?

Kult: Fotos vom Essen posten

In Zeiten des Smartphones sieht man immer mehr Menschen in Restaurants und Cafés sitzen, die, statt zu genießen erst mal ein Foto ihres bestellten Essens machen und Freunden in einem sozialen Netzwerk senden oder auf
 dem eigenen Profil posten. 
Food Porn hat diesen Trend nun zum Kult gemacht und setzt auf die zahlreichen Nutzer, die tagtäglich Fotos ihres Frühstücks, Mittag- oder Abendessens senden. Der Urheber des medialen Phänomens, der hinter der Original-„Food Porn“-Seite www.epicfoodporn.com steht, beschreibt seine Absichten schlicht und einfach: „I post the most delicious meals that exist on our planet.“ Der Sinn und Zweck der Food Porn-Seiten besteht folglich darin, dass ansprechende Bilder
 aller
 Arten von
 Essen gepostet
 werden, manchmal mit
 dem zugehörigen Rezept, meist jedoch nur, damit die anderen Nutzer das dargestellte Essen kommentieren können. Die Fotos reichen vom „besten Flugzeug-Essen“ über Burger mit Pommes bis zu Eiscreme-Torten – Hauptsache, das Essen sieht lecker aus. „Essens Porno“ nennt sich dieser neue Kult übersetzt, da viele die Parallele zwischen dem Verlangen nach Essen bei Betrachten eines besonders ansprechenden Fotos und dem Verlangen nach Sex beim Sehen eines Pornos ziehen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Essen als Ersatz für Sex.

Die Kunst der Food-Fotos

Mittlerweile gibt es hunderte von Food Porn-Seiten und Bloggern, die über dieses Thema schreiben sowie auch spezielle Varianten davon, wie etwa vegane Food Blogs oder Blogs über gesundes Essen. Im September 2015 fanden sogar die Food Porn Awards bei der Berlin Food Week statt, wo Bilder zum Thema eingereicht werden konnten und von einer fünfköpfigen Jury ausgezeichnet wurden. Gewinner des Food Porn Awards war der Münchner Nicolas Holtzmeyer mit seinem Bild ei- ner Pizza. Bevor das perfekte Food Porn-Foto jedoch geschossen werden kann, muss das Motiv erst appetitlich hergerichtet und – wie menschliche Models – gestylt werden. Die Fotographen hübschen das Essen dabei so auf, dass es besonders frisch und ansprechend aussieht – ähnlich wie das Foodstylisten bei Werbefotos und -spots von Essen machen. Jedoch sollen die Speisen nach den geposteten Fotos meist noch gegessen werden, hier wird also im Gegensatz zu Werbeessen nicht zu Haarspray oder chemischen Mitteln gegriffen, um Pasta, Steaks und Co. zu stylen. Vielmehr werden hier spezielle Filter verwendet und auf die Position des Essens geachtet. Dabei macht es auch nichts, wenn Muffin-Brösel oder herauslaufende Hot-Dog-Soßen abgebildet sind – im Gegenteil, je natürlicher und realistischer, desto appetitlicher wirkt das Bild meist.

Dickmacher und Straftat?

Doch wie jeder Trend bringt auch dieser Nachteile mit sich. Forscher der Universitäten Oxford und Yokohama haben nachgewiesen, dass das Ansehen der appetitlichen Bilder dick machen kann. Schuld daran ist der „visuelle Hunger“, der entsteht, wenn man etwas Leckeres zu sehen bekommt: Das Blut fließt in den Teil des Gehirns, der für den Hunger zuständig ist und gaukelt dem Menschen vor, unbedingt etwas Gutes essen zu müssen, auch wenn man nicht wirklich hungrig ist. Auch rechtlich gesehen hat der Trend des Food Porns einen Haken, denn aufwendige Menüs in Restaurants können urheberrechtlich geschützte Werke sein. Veröffentlichte Fotos können also eine Verletzung des Urherberrechtes darstellen und zu einer Anklage durch den Koch oder das Restaurant führen. Doch es gibt auch das genaue Gegenteil an Restaurants, die den Trend des Food Porns bewusst unterstützen: im israelischen Restaurant „Catit“ in Tel Aviv gibt es nun eigens entwickelte Teller, mit deren Hilfe Instagram-Bilder besonders gut gelingen. Die Teller haben beispielsweise eine Handyhalterung eingebaut. Auch das Licht im „Catit“ ist extra für perfekte Fotos eingestellt und sollte man bei seinem Food-Porn-Bild Hilfe benötigen, so steht der Food-Fotograf Dan Perez mit Seminaren zur Verfügung. So kann Genuss mit vielen Millionen Menschen weltweit geteilt werden.