Proteste im Iran: Friedensnobelpreisträgerin Ebadi warnt vor "Massaker"
Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi hat angesichts der Proteste in ihrem Land vor einem "Massaker im Schutz einer umfassenden Kommunikationssperre" gewarnt. Die von den Behörden verhängte landesweite Internetsperre sei "eine Taktik" zur Niederschlagung der jüngsten Protestwelle durch die Sicherheitskräfte, schrieb die im Exil lebende Ebadi am Freitag im Onlinedienst Telegram.
Sie habe Informationen erhalten, wonach am Donnerstag hunderte Menschen mit "schweren Augenverletzungen" in ein Krankenhaus in Teheran eingeliefert worden seien, schrieb Ebadi weiter. Bereits 2023, bei der Niederschlagung der Proteste wegen des Todes der jungen Kurdin Mahsa Amini, hatten Sicherheitskräfte nach Angaben von Aktivisten absichtlich auf die Augen von Demonstrierenden gezielt und dadurch Erblindungen ausgelöst. Die Anwältin Ebadi hatte im Jahr 2003 für ihren Einsatz für Menschenrechte den Friedensnobelpreis erhalten.
In der Nacht zum Freitag war es im Iran zu den größten Demonstrationen seit Beginn der Protestwelle vor fast zwei Wochen gekommen. In mehreren Städten richteten Demonstranten wütende Slogans gegen die religiöse und politische Führung des Landes. Landesweit wurde daraufhin von den Behörden das Internet abgeschaltet. Die Proteste hatten sich am Zorn über die hohen Lebenshaltungskosten und die schlechte Wirtschaftslage entzündet.
Nach jüngsten Angaben der Organisation Iran Human Rights (IHR) mit Sitz in Norwegen wurden in knapp zwei Wochen seit Beginn der Proteste mindestens 51 Demonstranten getötet, darunter neun Minderjährige.
© 2026 AFP



