Janas Stars und Sternchen: Das erfolgreiche Autorenduo Klüpfel & Kobr im Interview – Die Allgäu-Krimis rund um Kommissar Kluftinger sind Kult
"Klufti" – kauzig, stur und doch ein netter, gemütlicher Kerl
Zwei Freunde, die sich seit der Schulzeit kennen, gemeinsam schreiben – und dabei eine der erfolgreichsten Krimireihen Deutschlands erschaffen haben: Volker Klüpfel, geboren 1971, und Michael Kobr, Jahrgang 1973, sind längst mehr als ein Autorenduo. Was als spontane Idee begann, entwickelte sich rasant: Mit dem Thriller „Draussen“ gaben sie gemeinsam ihr Debüt – und legten damit den Grundstein für eine erfolgreiche Karriere. Vor allem mit ihren Kult-Krimis rund um den kauzigen Kommissar Kluftinger haben sie sich einen festen Platz in der deutschen Literaturszene gesichert. Ihr Markenzeichen: spannende Fälle, gewürzt mit feinem Humor und jeder Menge Allgäuer Charme. Doch Klüpfel und Kobr können mehr als „nur“ Kluftinger. Neben ihren gemeinsamen Bestsellern begeistern sie auch mit Solo-Projekten und ihren ebenso unterhaltsamen wie einzigartigen Live-Lesungen, die irgendwo zwischen Literatur, Comedy und Theater angesiedelt sind. Unsere Redaktionsleitung Jana Dahnke traf die beiden sympathischen Autoren zum Interview...
Jana: Wie seid Ihr zum Schreiben gekommen und gibt es Autoren, die Euch inspiriert haben?
Michael Kobr: Eigentlich war das alles ein großer Zufall und alles andere als geplant. Wir wollten gar nie Autoren werden, haben aus einer fixen Idee heraus mit Kluftinger angefangen, hatten von Anfang an einen Verlag, der das machen wollte – und seitdem sind wir dabei. Klar orientiert man sich immer an Vorbildern, und wir waren und sind auch echte Krimifans. Ich finde Georges Simenon, der ja den Pariser Commissaire Maigret erschaffen hat, ziemlich genial.
Die Kluftinger-Krimis haben Euch zu Stars der Literaturszene gemacht. Wie glücklich macht Erfolg?
Volker Klüpfel: Schwierige Frage. Ich würde das Glück etwas anders definieren: Der Erfolg sorgt dafür, dass wir den schönsten Beruf der Welt ausüben können, ohne uns Sorgen um unsere Existenz zu machen.
Gibt es beim Schreiben hin und wieder Unstimmigkeiten?
MK (lacht): Oh ja, und wie. Vielleicht ist das sogar ein bisschen unser Erfolgsrezept, diese gewollte Dissonanz. Meistens streiten wir aber dann auch wirklich nur in der Sache. Aber wir haben Jahre gebraucht, bis wir Kritik vom anderen nicht mehr so persönlich genommen haben.
Wie entstand Kluftinger und wie viel von Euch steckt vielleicht in ihm?
VK: Das war ein Prozess. Michi hat die ersten Seiten geschrieben, da gab es den Kluftinger schon. Aber wer er genau ist, haben wir dann erst gemeinsam herausgefunden, als wir seinen Charakter an einem Karfreitag detailliert erdacht haben. Und zur zweiten Frage: Sind wir nicht alle ein bisschen Klufti?
Hättet Ihr 2003 beim ersten Band „Milchgeld“ gedacht, dass Kluftinger zu einem kulturellen Phänomen wird?
MK: Niemals, das wäre ganz schön vermessen gewesen. Sowas kann man nicht planen, da gehört vor allem anderen jede Menge Glück dazu. Und das hatten wir. Ich denke, die Leute lieben den Klufti so, weil er direkt ist, sich nicht verbiegen lässt und auch mal „rumgrantelt“. Damit spricht er wahrscheinlich vielen aus der Seele.
Viele sehen in Kluftinger einen eher „analogen“ Menschen – wie würdet Ihr seinen Umgang mit Technik beschreiben?
VK: Er meidet sie ja gar nicht, nur da, wo er keinen Sinn dahinter sieht. Er fragt eher: Was nützt’s? Und wenn’s nix nützt, warum soll ich’s dann machen? Vielleicht ein bisschen outdated, aber wenn der große Virus alles lahmlegt, fährt der Kluftinger mit seinem Passat lachend an uns allen vorbei.
Auf welche Ideen für "Klufti" seid Ihr am meisten stolz?
MK: Stolz ist wahrscheinlich der falsche Ausdruck. Aber manchmal schnappt man einfach irgendwas auf, das perfekt zur Figur passt, meistens in einer Situation, in der man überhaupt nicht ans Schreiben denkt. Und das freut einen dann, weil es wie eine Art Schatz ist, den man zufällig findet.
Apropos Ideenfindung – Wie kann man sich diese bei Euch vorstellen – im „stillen Kämmerchen“ oder mit offenen Augen durchs Leben gehen?
VK: Beides. Man geht mit offenen Augen durchs Leben und verarbeitet dann das, was man gesehen und gehört hat, im stillen Kämmerlein.
Im Herbst erscheint der 14. Kluftinger-Fall. Wie sehr hat sich der kauzig-sture und doch nette, gemütliche Kommissar über die vielen Bände entwickelt?
MK: Kluftinger treibt ja nun schon seit 23 Jahren sein Unwesen zwischen den Buchdeckeln, da musste er sich ganz schön anpassen, an eine neue Welt, in der andere Regeln gelten, die auch Kluftinger für sich akzeptiert und gut findet. Er kann zum Beispiel nicht mehr ganz so durch die Gegend poltern wie früher, weil er sieht, dass das Menschen verletzt, was er nicht möchte. Und technisch ist für ihn jeden Tag ein Schultag…
Wie seid Ihr auf die Idee der Fanmitbestimmung gekommen?
VK: In Zeiten, in denen die Demokratie von allen Seiten angegriffen wird … nein, sorry, das war etwas weniger politphilosophisch. Aber die Idee, in einem Buch, in dem es um eine Wahl geht, den Ausgang dieser Wahl den Lesern zu überlassen, schien geradezu zwingend.
Wird Kluftinger in ferner Zukunft pensioniert, oder wie geht es weiter?
MK: Als ordentlichem bayerischen Beamten wird ihm das wohl irgendwann blühen, ja… Aber er wird uns auf jeden Fall noch eine Weile in Amt und Würden begleiten.
Fünf der Kluftinger-Bücher wurden verfilmt – Hattet Ihr Mitspracherecht und gibt es eine baldige Fortsetzung?
VK: Wir hatten keinen Einfluss. Leider. Seit einiger Zeit arbeiten wir an einer neuen Verfilmung, bei der wir maßgebliche Mitspracherechte haben. Vielleicht dauert es deswegen schon so lange mit der Realisierung…
Ihr habt außerhalb Eurer bekannten Kluftinger-Reihe zudem "literarische Alleingänge" vorzuweisen. Was gibt Euch Eure Solo-Karriere?
MK: Bei Kluftinger ist natürlich jeder Satz ein Kompromiss. Da gab es nach zwanzig Jahren einfach mal den Wunsch, etwas anderes zu machen, wo vielleicht der jeweils andere nicht ganz so andocken kann. Eine schöne Abwechslung vom Klufti-Alltag, der aber nach wie vor die Basis unserer Arbeit bildet.
Was ist beim alleinigen Schreiben schwieriger – und was plötzlich einfacher?
VK: Wie Michi schon gesagt hat: Alles ist Kompromiss, vieles muss verteidigt, manches gerechtfertigt werden. Das fällt beim Solobuch weg. Leider auch der inhaltliche Input des anderen.
In welchen Büchern schmökert Ihr persönlich am liebsten?
MK: Ich bin wirklich Krimi-Fan durch und durch. Im Moment lese ich zum Beispiel gerade die Bücher um Commissario Gaetano von Fabio Nola. Und dann liegt noch „Am helllichten Tag“ von Peter Probst auf meinem Nachttisch. Beide schon in Vorbereitung unseres Festivals in Memmingen.
VK: Ich bin ein Quer- und Allesleser. Gern Thriller, sonst noch gern alles von Wolf Haas und zuletzt den großartigen „Gott des Waldes“.
Im Mai startet das Allgäuer Krimifestival – Auf was dürfen sich die Fans freuen?
MK (lacht): Also, auf die beiden oben genannten Kollegen zum Beispiel. Außerdem auf eine lange Kriminacht mit dem wunderbaren Autorenkollegen Thomas Raab und Sia Piontek. Oder auf eine Lesung mit Martina Parker – die in diesem Jahr erstmals unseren Allgäuer Krimipreis erhalten wird. Na ja, und auch wir beide sind zu sehen. Volker stellt seinen neuen Solo-Roman zusammen mit der Allgäuer Schauspielerin Sarah-Lavinia Schmidbauer vor. Und ich werde zusammen mit Dieter Thomas Kuhn und seinem Gitarristen Philipp Feldtkeller aus meinem Krimi lesen – die beiden spielen dann unplugged ihre Songs dazu…
Ihr seid beide im schönen Allgäu geboren – Wo könnt Ihr hier abschalten und was unternimmt Ihr gerne in Eurer Freizeit?
VK: Da muss ich nur in den Garten, in die Hängematte, das Rauschen des Bachs im Hintergrund … klingt wie ein zur Wirklichkeit gewordenes Klischee, ich weiß. Noch besser abschalten kann ich auf Reisen mit meiner Familie, denn im Allgäu ist selbst der Bach ein potenzieller Tatort.
MK: Ich bin gern mit den Hunden im Wald unterwegs, wenn ich eine Pause brauche. In der Saison auch gern mal zum Pilzesuchen oder Brennholzmachen. Manchmal mit einem Hörbuch auf den Ohren, manchmal einfach so, um die Ruhe zu genießen und auf andere Gedanken zu kommen.
Worauf dürfen sich Eure Fans freuen?
MK: Ach, wir haben schon ein paar Ideen für ganz neue Projekte, aber bis die spruchreif werden, dauert es noch ein bisschen.
Habt Ihr zum Schluss noch ein schönes Lebensmotto?
MK: Es gibt da eines auf Allgäuerisch: „D’r Wenn und d’r Hätt ha‘m no nie was g’hett.“ Übersetzt auf Neudeutsch: One Life - live it…
Nicht verpassen!
Unter dem Motto „Mörderischer Mai“ geht das Allgäuer Krimifestival 2026 in seine erste Runde – und Memmingen wird zum Tatort!
Internationale und deutsche Spitzenautorinnen und -autoren verwandeln das Allgäu in ein Paradies für Krimifreunde. Mit dabei sind unter anderem Martin Walker, Thomas Raab und Martina Parker, die ihre neuesten Fälle präsentieren und exklusive Einblicke in ihre Arbeit geben.
Auch Peter Probst, Volker Klüpfel, Sarah-Lavinia Schmidbauer, Sia Piontek, Fabio Nola und Sabine Rogg sorgen für spannende, humorvolle und mörderisch gute Lesungen.
Ein besonderes Highlight wird der Besuch von Schlagerkultstar Dieter Thomas Kuhn, der zusammen mit seinem langjährigem Freund, dem Ausnahmegitarristen Philipp Feldtkeller und Krimiautor Michael Kobr mit einer Mischung aus Texten und Songs den Rex Palast zum Beben bringt.
Freuen Sie sich auf ein Festival voller Nervenkitzel, Geheimnisse und literarischer Begegnungen – wenn Memmingen vom 8. bis zum 13. Mai 2026 zum Zentrum des Verbrechens wird.
Hinter diesem neuen Highlight im Kulturkalender stehen zwei Menschen, die das Allgäu und die Kriminalliteratur bestens kennen:
Michael und Silke Kobr. Die beiden Veranstalter sind seit langem ein eingespieltes Team – beruflich wie privat, schließlich haben sie sich bereits im Referendariat kennen und lieben gelernt.
Michael Kobr schreibt seit über 20 Jahren erfolgreich Kriminalromane, darunter die Bestseller rund um Kommissar Kluftinger. Mittlerweile hat Silke dem Lehrerzimmer den Rücken gekehrt, um ihn tatkräftig zu unterstützen: Sie arbeitet eng mit ihm zusammen, bringt kreative Ideen ein und organisiert vieles im Hintergrund.
Gemeinsam widmen sie sich nun mit Leidenschaft und Herzblut der Organisation des Allgäuer Krimifestivals. Ihr Ziel: ein einzigartiges Event zu schaffen, das Krimifans aus nah und fern begeistert und das Allgäu als lebendige Krimiregion deutschlandweit noch bekannter macht.
Weitere Informationen finden Sie unter www.krimimai.de









