Den Stars und Sternchen so nah mit Jana: Schauspieler Klaus Steinbacher im Interview – Paraderollen in den Erfolgsserien "Das Boot", "Sisi", "Oktoberfest", "München Beats" und vielen weiteren Produktionen
Alles begann auf dem Schulhof
Mal kämpft er in den engen Stahlwänden eines U-Boots ums Überleben, mal taucht er in die düsteren Machtspiele der Münchner Bierbarone um 1900 ein. Dann schlüpft er wiederum in die Rolle einer der größten deutschen Sportikonen oder sorgt in romantischen Weihnachtsgeschichten für Herzklopfen. Mit jeder neuen Rolle beweist Klaus Steinbacher eindrucksvoll, warum er zu den gefragtesten Schauspielern zählt. Kaum zu glauben, dass alles einst auf einem Pausenhof in Bad Tölz begann, wo der damals Zehnjährige für den Kultfilm „Wer früher stirbt ist länger tot“ entdeckt wurde. Unsere Redaktionsleitung Jana Dahnke traf Klaus zum Interview...
Klaus Steinbacher: Nein, das war absolut der richtige Weg. Ich liebe es total, in unterschiedliche Welten einzutauchen und mich immer mit neuen Figuren und Themen zu beschäftigen. So war es schon während meiner vierjährigen Studienzeit an der Bayerischen Theaterakademie August Everding. Dort durften wir singen und tanzen lernen, verschiedene Stücke spielen und uns ständig weiterentwickeln. Zu diesem Beruf gehört allerdings auch das Scheitern, etwa wenn man eine Rolle nicht bekommt.
Welche Deiner vielen Rollen hat Dich bisher am meisten herausgefordert?
Ich hatte das Glück, dass viele Rollen genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen sind. Direkt nach dem Schauspielstudium wollte ich eigentlich zum Theater, doch dann wurde ich für die große internationale Produktion „Das Boot“ engagiert. Dabei durfte ich unglaublich viel sehen und erleben, denn wir haben monatelang in Prag, in der französischen Stadt La Rochelle sowie auf Malta gedreht. Meine Figur, ein aggressiver und radikaler Torpedomechanikermaat, war für mich eine echte Herausforderung, weil sie mir persönlich völlig fremd war. Diese Erfahrung hat mir viel Selbstvertrauen für spätere Projekte gegeben. Danach kam mit „Oktoberfest“ eine tragende Rolle in einer Zeit, die mich sehr interessiert hat – nämlich um die 1900 herum. Diese mafiöse Bierbrauerwelt hat mich total fasziniert. Und natürlich war es etwas Besonderes, den „Kaiser“ Franz Beckenbauer zu verkörpern – Da ich selbst gerne Fußball spiele, ist das auf jeden Fall eine Traumrolle gewesen. Das waren jetzt drei Beispiele, aber grundsätzlich blicke ich doch eher seltener zurück und lieber nach vorn. Generell ist die Figur, die ich aktuell darstelle, immer am wichtigsten. Ich hoffe, dass mir diese Eigenschaft niemals flöten geht!
Apropos „Das Boot“ – War Platzangst hierbei ein großes Thema?
Definitiv! Wir waren da wirklich viele Stunden am Tag mit 30 Mann in diesem U-Boot und das wochenlang. Da bekommt man teilweise schon eine Art Lagerkoller – vor allem bei so heftigen Kriegsszenen mit Angriffen. Das nimmt man dann ein Stück weit mit nach Hause, denn dieses beklemmende Gefühl lässt sich nicht so leicht abschütteln.
Die Serie „Oktoberfest 1900“ und die zweite Staffel zeigen die düsteren und beinahe mafiösen Strukturen hinter der Traditionswiesn. Wie hast Du Dich auf diese Rolle vorbereitet?
Ich habe viel Zeit im Bier- und Oktoberfestmuseum in München verbracht. Dort findet man zahlreiche Bilder, Dokumente und Geschichten aus dieser Epoche. Außerdem habe ich mich intensiv mit den Menschen ausgetauscht, die dort Führungen anbieten. Das war für das Verständnis der Zeit und des historischen Hintergrunds sehr hilfreich. Eine wichtige Rolle spielte ebenfalls die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Regisseuren. Darüber hinaus entwickelt sich eine Figur natürlich auch während der Proben und der gemeinsamen Arbeit am Set weiter. Einen großen Beitrag leisten dabei die Kostüme und Kulissen.
Gab es bei historischen Produktionen Klamotten, die schlichtweg unbequem für Dich waren?
(Lacht) Ja, vor allem diese hohen Krägen in Kombination mit den Krawatten. Das war ziemlich anstrengend, weil diese ständig auf den Kehlkopf gedrückt haben und ich musste sie deswegen bei den Proben immer abnehmen. Sowas bin ich einfach überhaupt nicht gewohnt, da ich privat nie Krawatten trage – nicht einmal auf Hochzeiten.
In „Turmschatten“ spielst Du Karl Rieger. Der Stoff basiert auf einem sehr düsteren und politischen Roman. Wie schwer ist es Dir gefallen, nach emotional fordernden Drehtagen wieder in den Alltag zurückzufinden?
Bei dieser Produktion habe ich mir die Frage gestellt, ob ich mich überhaupt so intensiv mit diesem Thema und Gedankengut auseinandersetzen möchte. Gleichzeitig fand ich die Geschichte sehr erzählenswert und wollte unbedingt mit den Menschen an diesem Projekt arbeiten. Mir war aber schnell klar, dass ich während der Dreharbeiten etwas brauche, das mich komplett rauszieht. Deshalb habe ich die drehfreien Tage für Tauchstunden genutzt und einen Tauchschein absolviert. Dort konnte ich im wahrsten Sinne des Wortes abtauchen und alles andere für eine Zeit vergessen. Das hat mir sehr geholfen, einen Ausgleich zu schaffen.
Ein Zitat von Franz Beckenbauer hat Dich besonders geleitet. Inwiefern gilt dieses auch heute noch für Dich?
An sein Motto „Schau‘n mer mal, dann sehn mer scho“ muss ich mich immer wieder erinnern. Es gibt durchaus Momente, in denen ich verbissen bin und etwas unbedingt haben möchte. Tatsächlich fahre ich direkt nach unserem Gespräch zu einem Casting nach Berlin. Ich bin aufgeregt und finde das Projekt absolut spannend. Gerade in solchen Situationen hilft mir dieser Satz. Wenn ich mit Beckenbauers Leichtigkeit an Dinge herangehe, kann ich viel freier spielen und mein Bestes geben. Und wenn es am Ende nicht klappt, dann ist das eben so. Wichtig ist, dass ich es versucht und alles gegeben habe.
Warum sollte man die neue ZDF-Serie „München Beats“, die in den 90er Jahren spielt, unbedingt anschauen?
Vor allem wegen der unterschiedlichen, so liebevoll gestalteten Figuren. Im Mittelpunkt stehen zwei Familiengeschichten, und ich finde, dass die Spannungen und Konflikte eindrucksvoll erzählt werden. Außerdem zeigt „München Beats“, wie eine Vision verwirklicht werden kann, indem Menschen gemeinschaftlich etwas schaffen – Gerade die jungen Charaktere verkörpern dies sehr gut.
Was waren für Dich persönlich die Highlights bei den Dreharbeiten zu „München Beats“?
Ziemlich viel Spaß gemacht haben mir die Szenen mit Harald Brell, gespielt vom wunderbaren Tim Seyfi, und Linda Bierwirth, die von Jule Hermann verkörpert wird – Wir waren einfach ein ganz cooles Team. Spannend war dabei auch die Geschichte hinter dem Kunstpark Ost. Die Idee allein ist schon beeindruckend: Mitten in München wird aus einer ehemaligen Knödelfabrik ein riesiges Techno-Areal, das später sogar zum größten seiner Art in Europa geworden ist.
Vom Weihnachtsfilm „Alle Jahre wieder“ gibt es eine Fortsetzung. Bist Du ein großer Weihnachtsfan?
Absolut! In Weihnachtsstimmung bin ich meistens schon Ende Oktober. (Lacht) Dann laufen bei mir die ersten Weihnachtsfilme und Weihnachtsmusik. Deshalb ist es diesmal auch ganz lustig gewesen, dass wir „Wieder alle Jahre wieder“ erst im Januar gedreht haben und ich somit noch länger mit Weihnachten beschäftigt war. Reizvoll finde ich es, wenn man eine Geschichte weitererzählen und dabei erneut in eine Figur schlüpfen darf, die man bereits kennt. Und wer weiß – vielleicht wird ja sogar noch ein dritter Teil daraus. Um nochmal auf die Frage zurückzukommen: Ganz allgemein liebe ich die besinnliche Zeit, wenn alles ein bisschen ruhiger wird. Ich habe das Gefühl, dass die Menschen dann oft freundlicher miteinander umgehen und weniger streiten.
Mal düsterer Krimi, mal historische Serie, mal Comedy oder Romanze: Was gefällt Dir daran, immer wieder zwischen so unterschiedlichen Genres zu wechseln?
Nach einem ernsten Stoff in eine Comedy-Welt einzutauchen, ist etwas völlig anderes. Dort geht es plötzlich um Rhythmus, Timing und darum, Menschen zum Lachen zu bringen. Diese Abwechslung finde ich unglaublich spannend. Jedes Genre bringt andere Herausforderungen mit sich und eröffnet neue Möglichkeiten!
Gibt es einen Figurentyp, den Du bisher noch nicht spielen durftest, der für Dich aber wahnsinnig verlockend wäre?
Demnächst würde ich gerne mal wieder eine Person spielen, die auf der dunklen Seite unterwegs ist. Das habe ich zwar schon öfter umsetzen dürfen, beispielsweise bei „BlindSpot“, aber daran reizt mich jedes Mal die Geschichte dahinter – zu graben und zu verstehen, warum ein Mensch schlussendlich zum „Bösewicht“ wird und wie er sich dahin entwickelt. Dabei ist schon die Vorbereitung schauspielerisch super interessant, weshalb ich unglaublich große Lust darauf hätte!
Jeder Schauspieler hat eine andere Methode – bist Du eher jemand, der eine Rolle intuitiv aus dem Buch heraus angeht, oder arbeitest Du eher verkopft oder analytisch?
Zunächst einmal lese ich einfach das Drehbuch – möglichst ohne mich dabei schon damit zu befassen, wie ich die Rolle schlussendlich spielen würde. Da geht es für mich erst einmal um die Geschichte. Meistens lege ich das Skript danach einen Tag zur Seite und betrachte es später noch einmal mit Blick auf die Figur – Je öfter man sich mit einem Stoff beschäftigt, desto mehr entdeckt man darin.
Angenommen, Du müsstest eine WG mit Schauspielkollegen gründen – wen würdest Du sofort mit ins Boot holen?
Ich hatte so einen wahnsinnig tollen Schauspielschuljahrgang: Wir waren zehn Leute und haben uns in der gemeinsamen Zeit irre gut kennengelernt und selbst privat wahnsinnig gut verstanden. Wir sind nach wie vor einfach ein total cooler Haufen und sehen uns relativ häufig. Mit denen könnte ich auf jeden Fall sehr gut in einer WG wohnen, weil wir einfach schon so viel miteinander erlebt haben.
Was bedeutet Heimat für Dich – ein Ort, ein Gefühl oder bestimmte Menschen?
Für mich sind es vor allem die Menschen. Bei meiner Familie und meinen Freunden kann ich sofort abschalten und runterkommen. Wenn ich meine Leute sehe und Zeit am See oder in den Bergen verbringen kann, merke ich, wie schnell ich wieder zur Ruhe komme. Das erdet mich und hilft mir, den Beruf und alles, was gerade ansteht, auch mal hinter mir zu lassen.
Du engagierst Dich sozial – beispielsweise für Missio München – Welche Erfahrungen abseits des Roten Teppichs hast Du von dort mitgenommen und wie prägt das Deine Weltsicht?
Gemeinsam mit einer befreundeten Tänzerin habe ich in Kenia einen Tanz- und Theaterworkshop für Kinder gegeben. Beim Tanzen war ich mir manchmal gar nicht so sicher, ob wir den Kindern etwas beigebracht haben oder eher sie uns. (Lacht) Das war eine wahnsinnig schöne und besondere Erfahrung, aus der ich menschlich sehr viel mitgenommen habe und was ich jederzeit unglaublich gerne wiederholen würde.
Unbedingt einschalten!
Vierteilige Serie "München Beats"München in den 90er-Jahren: Die Welt ist im Umschwung, und es herrscht Aufbruchstimmung. Als Linda (Jule Hermann) mit der aufblühenden Techno-Bewegung in Berührung kommt, eröffnet sich ihr eine neue Welt fernab des elterlichen Bauernhofs. Begeistert vom pulsierenden Sound zieht sie nach München, um ihren Traum zu verwirklichen: DJ zu werden. Währenddessen kämpfen ihre Eltern mit einer existenzbedrohenden Nachricht: Der Unternehmer Theo Meinhardt (Tobias Moretti) sieht sich gezwungen, sein Werk für Kartoffelprodukte zu schließen.
Als langjährige Kartoffellieferanten stehen viele Bauern der Region plötzlich vor dem wirtschaftlichen Aus. Theo plant, das Gelände in ein modernes Stadtviertel zu verwandeln, doch sein Sohn Marius (Klaus Steinbacher) verfolgt eine andere Vision: Er setzt alles daran, die alte Fabrik in einen Ort für Raves sowie alternative Kunst- und Kulturprojekte zu verwandeln. Seine Mutter Alicia Meinhardt (Sophie von Kessel) steht an seiner Seite und stellt sich damit zunehmend gegen Theo, was die ohnehin angespannte Ehe zusätzlich verschärft. In der Clubszene wird ausgerechnet Linda zu Marius' engsten Verbündeten. Doch es sind nicht nur gemeinsame Träume, die die beiden verbinden. Ihre aufkeimende Liebe bringt Spannungen zwischen die Familien und ein lang gehütetes Geheimnis ans Licht.
Ab Freitag, 7. August 2026, ein Jahr lang in der ZDF-Mediathek streamen
Mittwoch, 26.8. und Donnerstag, 27.8.2026, ab 20:15 Uhr, in Doppelfolge
















