John Müller radelt 8.000 Kilometer von Berlin bis Indien: Mit dem Fahrrad durch 10 Länder, um zu zeigen, dass Überleben nicht genug ist

Mehr als eine Strecke auf der Landkarte

Mit 25 Jahren steht John Müller vor einer außergewöhnlichen Reise: Rund 8.000 Kilometer wird er mit dem Fahrrad von Berlin bis zum Taj Mahal nach Indien zurücklegen. Ein Ziel, das körperlich herausfordernd ist – und gleichzeitig eine Botschaft trägt. Der gebürtige Allgäuer möchte damit Spenden für junge Krebspatienten sammeln und Betroffenen Mut machen. Dass ihm dieses Thema so am Herzen liegt, hat einen persönlichen Hintergrund: Vor wenigen Jahren erhielt er selbst die Diagnose Ewing-Sarkom, eine seltene und aggressive Krebsart. Heute ist er krebsfrei – und richtet den Blick konsequent nach vorne. Mit beeindruckender Disziplin, Optimismus und dem festen Wunsch, etwas zurückzugeben…

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"Für viele von uns ist es selbstverständlich, morgens gesund aufzuwachen. Doch das ist es keineswegs – jeder einzelne Tag ist ein Geschenk"Bild: Klinikum Stuttgart, Tobi Grosser
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John mit seiner Mutter Natalia und seinem Bruder JackBild: 8000km.live
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Sein Ziel: das Taj Mahal in Indien. Es ist eine Reise, die körperlich extrem ist – und gleichzeitig eine persönliche MissionBild: Screenshot
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"Ich plane rund 100 Kilometer pro Tag. Insgesamt etwa 80 Tage auf dem Fahrrad und werde mit Ruhetagen voraussichtlich 100 Tage unterwegs sein."Bild: Klinikum Stuttgart, Tobi Grosser
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Schon lange bevor John seine traurige Diagnose bekam, hat er immer wieder spannende Herausforderungen gesucht...Bild: 8000km.live
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...und ist unter anderem auf den Mont Blanc gestiegenBild: 8000km.live
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"Für mich bedeutet Leben, seine Träume wirklich in die Hand zu nehmen."Bild: 8000km.live
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"Dann kam 2022 plötzlich die Diagnose und nach zahlreichen Untersuchungen stand plötzlich fest: Krebs. Ewing-Sarkom"Bild: 8000km.live
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Johns Familie zu Besuch in StuttgartBild: 8000km.live
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"Ich habe mir immer wieder gesagt: Ich bin 22 Jahre alt. Das kann noch nicht das Ende sein! Es gibt noch unzählige Träume, die ich verwirklichen möchte"Bild: 8000km.live
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Familienwanderung: Vier Monate nach dem letzten ChemozyklusBild: 8000km.live
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"Ich glaube wirklich daran. Talent ist schön – aber Disziplin bringt einen ans Ziel"Bild: 8000km.live
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Am 8. Mai startet John mit dem Fahrrad nach Indien. Was er anderen Patienten beim Besuch in Krankenhäusern mitgeben möchte: "Vor allem Hoffnung"Bild: Susanne Materac, Hochschule Pforzheim
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"Mich treibt dabei vor allem der Wunsch an, etwas zurückzugeben!"Bild: 8000km.live
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John & Dr.Hahn auf dem Weg zur NachsorgebesprechungBild: Klinikum Stuttgart, Tobi Grosser
Die Idee zur Radreise begleitet John schon lange, doch nach seiner Erkrankung hat sie eine noch tiefere Bedeutung bekommen. Am 8. Mai 2026, genau drei Jahre nach einer entscheidenden Operation, möchte er aufbrechen. Auf seinem Weg wird er nicht nur tausende Kilometer zurücklegen, sondern auch Kliniken besuchen und mit Menschen sprechen, die gerade selbst gegen den Krebs kämpfen. Unsere Redaktionsleitung Jana Dahnke traf den sympathischen Allgäuer zum Interview und sprach mit ihm über seine Erfahrungen, die Kraft des Sports – und davon, warum für ihn klar ist: Nur überlebt zu haben, reicht nicht.

Jana: Wie hat sich Dein Blick auf das Leben seit Deiner Diagnose verändert?
John Müller: Für viele von uns ist es selbstverständlich, morgens gesund aufzuwachen. Doch das ist es keineswegs – jeder einzelne Tag ist ein Geschenk. Das habe ich besonders nach meiner letzten Chemotherapie gespürt: Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich zum ersten Mal seit Langem schmerzfrei war. Dieses Gefühl ist unbeschreiblich gewesen. Ich lag da, lächelte und dachte nur: Wahnsinn!
 
Schon lange bevor Du krank wurdest, hast Du immer wieder extreme Herausforderungen gesucht. Wo hat das eigentlich angefangen?
Mit 15 bin ich zum Beispiel mit einem Freund spontan einmal um den Bodensee geradelt. Ein Jahr später sind wir den Jakobsweg gelaufen – knapp 700 Kilometer quer durch Spanien. Danach sind die Vorhaben immer größer geworden: Ich habe einen Ultramarathon über 107 Kilometer gemeistert und bin schließlich auf den Mont Blanc gestiegen. Aber genau hier habe ich etwas Wichtiges gelernt: Wenn man jeden Tag einfach weitergeht, kommt man irgendwann ans Ziel. Dann kam 2022 plötzlich die Diagnose: Die ersten Schmerzen hatte ich beim Wandern in Schweden – und nach zahlreichen Untersuchungen stand plötzlich fest: Krebs. Ewing-Sarkom.
 
Gab es während dieser Zeit einen Gedanken, der Dir besonders geholfen hat?
Ich habe mir immer wieder gesagt: Ich bin 22 Jahre alt. Das kann noch nicht das Ende sein! Es gibt noch unzählige Träume, die ich verwirklichen möchte. Für mich war klar: Ich habe schon einige Herausforderungen im Leben gemeistert. Das hier ist eine weitere – aber ich werde mich durchkämpfen.
 
Dich treibt der Gedanke an, dass Disziplin wichtiger als Talent ist…
Ich glaube wirklich daran. Talent ist schön – aber Disziplin bringt einen ans Ziel. Wenn man jeden Tag ein bisschen mehr gibt, dranbleibt und sich nicht entmutigen lässt, dann überholt man langfristig alle anderen. Diese Haltung hat mir schon früh geholfen und sie hat mich selbst durch schwierige Zeiten getragen.
 
Nun planst Du eine Radreise von Berlin nach Indien. Warum gerade dieses Ziel?
Die Idee gab es tatsächlich schon lange. Nach meinem Abitur habe ich ein Jahr lang in Ecuador gelebt. Diese Zeit hat mich unglaublich geprägt: Weit weg von der Heimat, eine völlig andere Kultur. Seitdem habe ich mich gefragt, welche Orte auf der Welt für mich genauso unbekannt und faszinierend sind. So kam ich auf Indien – Ein Land, von dem ich bisher kaum etwas weiß, welches aber unglaublich spannend wirkt.
 
Du startest am 8. Mai – ein Datum mit persönlicher Bedeutung…
Das ist ein Tag, den ich nie vergessen werde. Vor drei Jahren, am 8. Mai, wurde mir mein Tumor mit zwei Rippen operativ entfernt. Leider haben die Ärzte danach festgestellt, dass dieser noch deutlich lebendiger war als ursprünglich angenommen. 
 
Auf Deinem Weg nach Indien wirst Du bei verschiedenen Krankenhäusern stoppen. Was möchtest Du den Patienten dort mitgeben?
Vor allem Hoffnung. Wenn ich damals jemanden gesehen hätte, der kurz nach seiner Therapie wieder große Projekte angeht, hätte mir das jede Menge Mut gemacht. Außerdem möchte ich zeigen, dass niemand mit seiner Krankheit allein ist. Sie existiert überall auf der Welt!
 
Du sagst oft einen Satz, der fast wie ein Lebensmotto klingt: „Nur überlebt zu haben, reicht nicht"…
Für mich bedeutet Leben, seine Träume wirklich in die Hand zu nehmen. Ich bin zwar seit zweieinhalb Jahren krebsfrei, aber offiziell gilt man erst nach fünf Jahren als geheilt – Es besteht also immer noch ein Restrisiko. Deshalb versuche ich, bewusst jeden Tag zu leben, als wäre es mein letzter und Träume nicht auf die lange Bank zu schieben.
 
Du hast sogar Deinen Job gekündigt, um Dich auf die Reise vorzubereiten…
Ja, weil ich gemerkt habe, wie sehr mich dieses Thema beschäftigt. Ich hatte eine spannende Aufgabe – wir haben ein Startup aufgebaut und sind stark gewachsen. Einige haben mich gefragt, warum ich das aufgebe. Aber mein Projekt rund um die Radtour nach Indien fühlt sich einfach richtig an. Manchmal muss man seinem Herzen folgen – auch wenn es auf den ersten Blick verrückt wirkt.
 
Für wen sammelst Du Spenden?
Für junge Erwachsene, die an Sarkomen erkrankt sind. Diese Krebsarten sind sehr selten und oft schlecht erforscht. Gemeinsam mit Experten haben wir deshalb einen Notfallfonds aufgebaut, der Projekte, Forschung und direkte Unterstützung für Betroffene finanzieren soll. Gerade junge Erwachsene fallen im System oft durchs Raster – das habe ich selbst erlebt. Während der Therapie musste ich mich plötzlich mit vielen bürokratischen Fragen beschäftigen – Dabei geht es einem körperlich ohnehin schon schlecht. Genau in solchen Situationen soll der Fonds helfen und Betroffenen etwas Druck nehmen.
 
Wie wird Deine „Spendentour“ konkret aussehen?
Ich plane rund 100 Kilometer pro Tag. Insgesamt etwa 80 Tage auf dem Fahrrad und werde mit Ruhetagen voraussichtlich 100 Tage unterwegs sein. Für meine Reise habe ich das Glück, von Bergsport Maxi mit einem kompletten Schlaf-Setup unterstützt zu werden. Es ist ein schönes Gefühl, ein Stück Heimat im Gepäck zu haben – gerade auf einer so langen und herausfordernden Tour. Diese wird hart, vor allem am Anfang. Aber genau darin liegt die Idee: Wenn Menschen gerade im Krankenhaus unglaubliche Stärke zeigen, dann möchte ich meinen Teil dazu beitragen und mich ebenfalls durchbeißen. Mich treibt dabei vor allem der Wunsch an, etwas zurückzugeben!
 
Wer John Müller auf seiner Reise begleiten möchte, kann das über seinen Instagram-Account @8000km.live tun. Dort nimmt er seine Follower Schritt für Schritt mit auf den Weg nach Indien. Außerdem besteht über seine Website 8000km.live die Möglichkeit, das Projekt mit einer Spende zu fördern. Jeder Beitrag hilft dabei, junge Menschen zu unterstützen, die – so wie John damals – gerade ihren eigenen Kampf gegen den Krebs führen.