Spatenstich für das Brückenhaus in Stadtbergen - ein Ort der Geborgenheit für Familien mit schwerstkranken Kindern entsteht

Zwischen Hoffnung, Entlastung und Menschlichkeit: Ein bewegender Meilenstein für Bayerisch-Schwaben

Mit dem symbolischen ersten Spatenstich wurde am 18. Mai in Stadtbergen ein Projekt gestartet, das weit mehr ist als nur ein Neubau. Das „Brückenhaus“ – ein teilstationäres Kinderhospiz des Bunten Kreises – soll künftig Familien mit schwerstkranken Kindern einen geschützten Ort schenken: einen Ort der Ruhe, der Geborgenheit, der Entlastung und des würdevollen Miteinanders. Wo heute noch Wiese und Erde zu sehen sind, entsteht bis Ende 2027 ein Haus voller Menschlichkeit. Ein Ort, an dem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre mit lebensverkürzenden oder lebensbedrohlichen Erkrankungen gemeinsam mit ihren Familien begleitet werden. Ein Ort, an dem nicht die Krankheit im Mittelpunkt steht, sondern die Menschen dahinter.

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Beim offiziellen Spatenstich für das Brückenhaus in Stadtbergen setzten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Pflege, Medizin und dem Bunten Kreis gemeinsam ein stark...Bild: Nina Königs

Das Brückenhaus wird das erste und bislang einzige teilstationäre Angebot dieser Art in Bayerisch-Schwaben sein. Direkt neben dem Therapiezentrum Ziegelhof in Stadtbergen gelegen, eingebettet in die idyllische Natur am Rand des Naturparks Westliche Wälder, verbindet das Projekt medizinische Kompetenz mit einem liebevollen, familiennahen Umfeld.

Die unmittelbare Nähe zum Nachsorgezentrum des Bunten Kreises und zu den Kinderkliniken Augsburg ermöglicht schnelle Hilfe und eine enge Zusammenarbeit. Gleichzeitig schafft die naturnahe Umgebung einen Raum zum Durchatmen – gerade für Familien, deren Alltag oft von Therapien, Klinikaufenthalten und existenziellen Sorgen geprägt ist.

Im Brückenhaus sollen acht Gästezimmer sowie Familienapartments entstehen. In besonderen Belastungssituationen kann damit die gesamte Familie aufgenommen werden. Ziel ist es, jungen Menschen trotz schwerster Erkrankung Lebensqualität, Selbstbestimmung und soziale Teilhabe zu ermöglichen.

„Ein Ort, der trägt“ - Bereits die Eröffnungsworte machten deutlich, wie emotional und bedeutend dieser Tag für alle Beteiligten war. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Medizin, Pflege, Architektur und Förderwesen kamen zusammen, um den offiziellen Baubeginn zu feiern.

Besonders bewegend sprach Projektverantwortliche Susanne Wild über die vergangenen vier Jahre, in denen das Vorhaben entwickelt wurde:

„Es galt nicht nur, die äußere Form des Hauses zu finden, sondern auch die innere. Ein Haus, das nicht nur funktioniert, sondern ein Haus, das trägt – emotional, räumlich und organisatorisch.“

Das Projekt sei echte Pionierarbeit gewesen. Konzepte mussten entwickelt, Ideen verworfen, Vorgaben geprüft und Lösungen gefunden werden. Der heutige Spatenstich sei deshalb weit mehr als ein symbolischer Akt – er sei der sichtbare Beginn eines lange gewachsenen Herzensprojekts.

Unterstützung auf allen Ebenen

Zahlreiche Gäste unterstrichen mit ihrer Anwesenheit die enorme Bedeutung des Projekts für die Region. Vor Ort waren unter anderem die Schirmherrin Carolina Trautner, Landrat Martin Sailer, Bürgermeister Paulus Metz, Architektin Susanne Braun sowie zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer aus Pflege, Medizin, Politik und Stiftungswesen.

Trautner würdigte den Bunten Kreis als „sozialpolitischen Wegbereiter von unschätzbarem Wert“ und sprach über die enorme Belastung betroffener Familien:

„Wenn der ambulante Pflegedienst ausfällt oder unvorhergesehene Situationen eintreten, bricht für diese Familien die Welt zusammen.

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Genau dann brauchen sie schnell und zuverlässig Unterstützung.“

Auch Landrat Martin Sailer hob hervor, dass mit dem Brückenhaus eine „schmerzhafte Versorgungslücke“ geschlossen werde. Es entstehe ein Angebot, „das zutiefst menschlich ist“.

Ein Haus für das Leben – und für den Abschied

Besonders emotional wurde die Rede von Bürgermeister Paulus Metz. Er sprach offen darüber, dass das Brückenhaus nicht nur ein Ort der Entlastung, sondern oft auch ein Ort des Abschiednehmens sein werde:

„Hier können Herzen heilen und sich verabschieden. Hier entsteht ein Ort, der wieder Begegnung und Menschenwürde ermöglicht.“

Diese Worte machten deutlich, worum es bei diesem Projekt wirklich geht: um Würde, Nähe und Menschlichkeit in den schwersten Momenten des Lebens.

Denn wenn Familien bereits mit der Diagnose einer unheilbaren Erkrankung ihres Kindes leben müssen, braucht es Orte, die Sicherheit geben. Orte, an denen nicht Hektik und Klinikalltag dominieren, sondern Wärme, Verständnis und gemeinsame Zeit.

Das Brückenhaus möchte genau das ermöglichen.

Regionale Unterstützung und große Solidarität

Finanziert wird das Projekt maßgeblich durch Spenden und Fördermittel. Unterstützt wird das Vorhaben unter anderem von der Stiftung Kartei der Not, Sternstunden, der Bayerischen Landesstiftung sowie weiteren regionalen Partnern.

Auch bei der Umsetzung setzt der Bunte Kreis bewusst auf regionale Unternehmen. Die beteiligten Handwerksbetriebe stammen aus der Region und begleiten das Projekt mit großem Engagement und persönlicher Überzeugung.

Geschäftsführer Markus Pfeffinger betonte dabei besonders die Solidarität der heimischen Betriebe: „Das schafft unsere Region. Und darauf bin ich wirklich stolz.“

Ein Spatenstich voller Symbolik

Zum Abschluss wurde es noch einmal besonders emotional: Für den offiziellen Spatenstich kamen tatsächlich dieselben Spaten zum Einsatz, die bereits beim ersten Bauabschnitt am Ziegelhof verwendet worden waren – eine symbolische Übergabe „vom großen Bruder an die kleine Schwester“, wie es augenzwinkernd hieß.

Gemeinsam stellten sich Unterstützerinnen, Unterstützer, Politikerinnen und Politiker sowie Vertreter des Bunten Kreises zum Gruppenfoto auf. Danach wurde mit einem Glas Sekt auf das Projekt angestoßen. Ein Nachmittag voller Hoffnung, Zusammenhalt und Menschlichkeit.

Fazit

Mit dem Brückenhaus entsteht in Stadtbergen weit mehr als ein Gebäude. Es entsteht ein Zufluchtsort für Familien, die täglich Außergewöhnliches leisten müssen. Ein Ort, an dem schwerkranke Kinder Freude, Nähe und Geborgenheit erfahren dürfen. Und ein Ort, an dem Familien Kraft schöpfen können – selbst dann, wenn das Leben schwer wird.

Der Spatenstich war deshalb nicht nur der Beginn eines Bauprojekts. Er war ein Zeichen dafür, dass Menschlichkeit, Mitgefühl und Solidarität in unserer Gesellschaft ihren festen Platz haben.