Von der Übergangslösung zur drittbesten Bundesliga-Platzierung der FCA-Geschichte
Manuel Baum bleibt Trainer des FCA
Fast hätte der FC Augsburg sogar noch den Sprung nach Europa geschafft – am letzten Spieltag wäre Platz 7 und damit die Teilnahme an der Conference League für Manuel Baum und sein Team noch möglich gewesen. Umso bemerkenswerter, wenn man einen Blick zurück auf den Saisonstart wirft.
Viele Sprüche, wenig Punkte
Der Auftaktsieg in Freiburg weckte Hoffnung, doch schnell folgte Ernüchterung: Niederlagen gegen Bayern, St. Pauli und Mainz sowie Wagners polarisierende Außendarstellung brachten Unruhe. Zwar sorgten der Heimsieg gegen Wolfsburg und ein Punkt in Köln kurz für Entlastung, doch Nebengeräusche wie die „Bla-bla-bla-Geste“ in Richtung Tribüne, das Pokal-Aus gegen Bochum und immer mehr Fan-Proteste prägten weiter das Bild. Anfang Dezember endete das Projekt schließlich: Wagner und der FCA trennten sich einvernehmlich. Was als mutiger Aufbruch begonnen hatte, war zu einem Experiment geworden, das sportlich zu wenig Stabilität brachte und kommunikativ immer mehr Reibung erzeugte.
Baum bringt Ruhe und Struktur
Dann kam Manuel Baum – kein großer Neustart, kein neues Versprechen, keine lauten Slogans. Baum kannte den Klub, hatte Augsburg schon von 2016 bis 2019 trainiert und war inzwischen als „Leiter Entwicklung und Fußballinnovation“ im Verein tätig. Eigentlich sollte er nur bis Weihnachten übernehmen, drei Spiele lang, als Übergangslösung. Spätestens im Laufe der Rückrunde wurde daraus aber weit mehr. Baum gab der Mannschaft zurück, was ihr unter Wagner immer öfter fehlte: Struktur und Glaubwürdigkeit. Der FCA verteidigte kompakter, spielte pragmatischer, wirkte weniger getrieben. Nicht alles war schön, aber vieles war stabiler und vor allem stimmten auch endlich die Ergebnisse.
„A day to remember“ in München
Schließlich kam jener 19. Spieltag, der die Saison endgültig veränderte. Am 24. Januar 2026 gewann der FC Augsburg in München gegen den FC Bayern. Nach 322 Tagen und 27 Spielen ohne Niederlage verloren die Bayern ausgerechnet gegen den bayerischen Nachbarn. Baum hatte seiner Mannschaft vor dem Spiel eine Überschrift mitgegeben: „A day to remember“, ein Tag zum Erinnern. Danach wirkte selbst er überwältigt. Der Sieg war mehr als nur ein Überraschungserfolg – er war ein emotionaler Gegenentwurf zur Wagner-Zeit. Dort hatte der Satz, Augsburg sei qualitativ nicht schlechter als Bayern, noch für Spott gesorgt. Unter Baum lieferte der FCA plötzlich auf dem Platz die Antwort. Für die Fuggerstädter kam der Erfolg genau im richtigen Moment, denn der Start ins neue Jahr war schwierig gewesen: ein 0:4 gegen Gladbach, danach gab es zwei Unentschieden gegen Union und Freiburg.Von da an bekam die Saison eine andere Dynamik. Augsburg punktete regelmäßig, trat geschlossener auf und wurde immer mehr zu einem Team, gegen das niemand gern spielte.
Plötzlich war Europa möglich
Und tatsächlich: Vor dem letzten Spieltag durfte der FCA noch von Platz 7 und der Conference League träumen. Dass überhaupt darüber gesprochen wurde, zeigt, welche Entwicklung Baum in Augsburg angestoßen hatte. Einen Platz im gesicherten Mittelfeld hätten die bayerischen Schwaben vor der Saison wahrscheinlich sofort unterschrieben. Nach dem schwierigen Herbst rechneten wohl die wenigsten damit, dass Augsburg am letzten Spieltag noch europäische Chancen haben würde. Aufgrund der deutlichen 0:4-Niederlage gegen Union Berlin wurde es schließlich Rang 9, auch ein Dreier hätte aber wegen des Freiburger Siegs nicht für die Conference League gereicht.
Manuel Baum bleibt langfristig Cheftrainer
Nichtsdestotrotz: Der Wunsch nach Baums Verbleib bei Fans und Spielern war auch nach der enttäuschenden Pleite gegen die Eisernen weiterhin da. Michael Gregoritsch bezeichnete den ausgebildeten Realschullehrer nach dem Saisonfinale als „ganz feinen Menschen“ und „sehr guten Trainer“. Bereits nach dem 3:1 gegen Borussia Mönchengladbach hatten sich Mert Kömür und Anton Kade für Baum ausgesprochen, der eigentlich im Sommer wieder in seine alte Funktion zurückkehren sollte. Doch nach dieser Rückrunde war nichts mehr selbstverständlich – das zeigte sich auch in der 20-minütigen Rede von Geschäftsführer Michael Ströll bei der Saisonabschlussfeier, bei der er die Entwicklung des Klubs lobte und das Erreichen aller Ziele betonte. Gemeinsam mit Weber und Baum hatte er sich gleich in der Woche danach zusammengesetzt und direkt am Mittwoch stand fest: Der 46-Jährige war nicht nur der richtige Mann für eine komplizierte Übergangsphase, sondern wird weiterhin Cheftrainer des FC Augsburg bleiben.
Baum sagte dazu: „Auch wenn die Planungen bei meiner Rückkehr als Leiter Entwicklung und Innovation andere waren, so hat mir die tägliche Arbeit mit der Mannschaft, dem Staff und Trainerteam in den vergangenen Monaten so viel Spaß gemacht, dass ich den eingeschlagenen Weg im Team gerne fortsetzen möchte. Daher freue mich auf die kommenden Aufgaben nach der Sommerpause.“
Auch Sportdirektor Benni Weber war mit der Entscheidung sehr glücklich: „Manuel hat im Herbst 2025 in einer schwierigen Phase gemeinsam mit dem Trainerteam den Turnaround geschafft. Mit einer starken Rückrunde haben wir zudem die drittbeste Bundesliga-Platzierung der FCA-Geschichte erreicht. Wir sind überzeugt, dass wir in dieser Konstellation eine sehr gute Basis für eine gemeinsame erfolgreiche Zukunft haben.“
Manuel Baums Vertrag wird demnach um zwei Jahre bis zum 30. Juni 2028 verlängert, auch das restliche Trainer-Team bleibt bestehen, während für die aktuell noch freie, frühere Position von Baum in Ruhe Gespräche geführt werden. Text: Vera Mergle
*Stand 21. Mai 2026





