Wenn Limo politisch wird: Was hinter der geplanten Zuckersteuer steckt
Staffelungs-Modell?
Cola, Limo, Eistee oder Energy-Drinks gehören für viele Menschen selbstverständlich zum Alltag. Genau diese Getränke sind nun Teil einer politischen Debatte: Ab 2028 soll in Deutschland eine Zuckerabgabe kommen. Doch bringt das wirklich etwas und was spricht dafür beziehungsweise dagegen?
Andere Fakten sind allerdings eindeutig: Laut dem Max Rubner-Institut nehmen Frauen in Deutschland durchschnittlich 61 Gramm zugesetzten Zucker pro Tag auf, Männer sogar 78 Gramm. Die WHO empfiehlt jedoch, täglich weniger als 50 Gramm, besser sogar unter 25 Gramm „freien Zucker“ zu konsumieren. Darunter fallen alle Zuckerarten, die Hersteller oder Verbraucher den Lebensmitteln zusetzen – auch der natürlich in Honig, Sirup oder Fruchtsäften vorkommende Zucker zählt dazu.
Bislang setzte Deutschland vor allem auf freiwillige Vereinbarungen mit der Lebensmittelwirtschaft. Hersteller sollten den Zucker-, Fett- und Salzgehalt in ihren Produkten schrittweise senken. Kritiker halten diesen Ansatz jedoch für nicht ausreichend, weil die Fortschritte aus ihrer Sicht zu langsam und zu uneinheitlich ausfallen. Die geplante Zuckerabgabe wäre deshalb ein Wechsel hin zu verbindlicheren Vorgaben.
Warum greift die Politik ein?
Hinter der geplanten Zuckersteuer steht demnach vor allem ein gesundheitspolitisches Ziel. Die Bundesregierung will den Konsum von stark gezuckerten Getränken senken und damit Krankheiten vorbeugen, die mit zu viel Zucker zusammenhängen können. Dazu zählen unter anderem Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Karies. Softdrinks stehen dabei besonders im Fokus, weil sie oft viel Zucker enthalten, nebenbei getrunken werden und im Vergleich zu „festen“ Lebensmitteln auch kaum satt machen.
Außerdem geht es um die Kosten im Gesundheitssystem, denn ernährungsbedingte Krankheiten belasten langfristig auch die Krankenkassen. Die Abgabe soll deshalb nicht nur das Kaufverhalten beeinflussen, sondern auch zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung beitragen.
Wie soll die Zuckersteuer wirken?
Die Zuckersteuer soll vor allem über den Preis und über die Hersteller wirken. Wenn stark gezuckerte Getränke teurer werden, könnten sie seltener gekauft werden. Gleichzeitig hätten Unternehmen einen Anreiz, ihre Rezepturen zu verändern.
Ein Blick nach Großbritannien zeigt, wie stark die Wirkung sein kann. Dort wurde 2018 eine gestaffelte Abgabe auf zuckergesüßte Getränke eingeführt. Bis 2021 sank der durchschnittliche Zuckergehalt der betroffenen Produkte um ganze 29 Prozent. Als besonders wirksam gelten solche Modelle, wenn die Abgabe mit dem Zuckergehalt steigt: Je süßer ein Getränk ist, desto stärker wird es belastet.
Ein Blick nach Großbritannien zeigt, wie so ein Modell wirken kann. Dort wurde 2018 eine gestaffelte Abgabe eingeführt: Je mehr Zucker ein Getränk enthält, desto höher fällt die Abgabe aus. Für viele Hersteller entstand dadurch ein klarer Anreiz, ihre Rezepturen zu überarbeiten. In der Folge wurde der Zuckergehalt zahlreicher Getränke deutlich reduziert. Das Beispiel zeigt: Besonders wirksam sind Zuckerabgaben offenbar dann, wenn sie nicht pauschal erhoben werden, sondern sich am tatsächlichen Zuckergehalt orientieren. Auch in Frankreich, Mexiko oder Portugal gibt es bereits Abgaben auf zuckergesüßte Getränke. Obwohl die genaue Ausgestaltung je nach Land unterschiedlich ist, zeigen internationale Erfahrungen, dass solche Abgaben vor allem bei Kindern, Jugendlichen sowie ärmeren Bevölkerungsgruppen wirken können.
Auch für Deutschland gibt es Berechnungen, die mögliche gesundheitliche und finanzielle Effekte zeigen. Eine Studie der Technischen Universität München kam zu dem Ergebnis, dass eine Zuckersteuer langfristig Krankheiten verhindern und hohe Kosten im Gesundheitssystem einsparen könnte. Gleichzeitig gilt aber: Eine solche Steuer löst das Problem ungesunder Ernährung nicht allein. Sie wäre eher ein Baustein unter mehreren – etwa neben besserer Aufklärung, verständlicher Kennzeichnung und gesünderem Angebot in Schulen, Kantinen oder Supermärkten.
Die Kritik: Warum Getränke – aber keine Süßigkeiten?
So klar das Ziel der Zuckersteuer klingt, so umstritten ist ihre Umsetzung. Ein zentraler Kritikpunkt neben einer möglichen Bevormundung der Verbraucher lautet: Warum sollen gerade Getränke belastet werden, während andere zuckerreiche Produkte außen vor bleiben? Schließlich steckt Zucker nicht nur in Cola, Limo oder Eistee, sondern auch in Schokolade, Gummibärchen, Kuchen, Keksen oder Desserts.
Für Getränkehersteller ist das beispielsweise schwer nachvollziehbar. Wenn ihre Produkte stärker belastet werden, Süßigkeiten aber nicht, wirkt die Regelung aus ihrer Sicht unausgewogen. Kritiker befürchten demnach, dass einzelne Branchen besonders stark getroffen werden, etwa wenn Betriebe die zusätzlichen Kosten weitergeben müssen oder kleinere Unternehmen stärker unter Druck geraten. Zudem wird oft genannt, dass Langzeitdaten aus den Ländern fehlen, die bereits eine Zuckersteuer eingeführt haben.
Wird die Limo jetzt teurer?
Für Verbraucher könnte die Zuckersteuer vor allem an zwei Stellen spürbar werden: beim Preis und beim Geschmack. Wenn Unternehmen die Abgabe an Verbraucher weitergeben, kosten zuckrige Getränke ab 2028 möglicherweise mehr. Wie stark die Preise steigen würden, hängt aber davon ab, wie hoch die Abgabe am Ende ausfällt. Gleichzeitig könnten sich manche Getränke verändern: weniger süß im Geschmack oder häufiger als zuckerreduzierte Varianten, bei denen beispielsweise Süßstoffe zum Einsatz kommen.
Fazit
Bereits seit Jahren wird in Deutschland über eine Abgabe auf Zucker diskutiert, die ab dem Jahr 2028 tatsächlich Realität werden soll. Befürworter wie beispielsweise Ärzte und Verbraucherschützer sehen in der nun geplanten Zuckersteuer eine Chance, den Zuckerkonsum zu senken und Hersteller zu besseren Rezepturen zu bewegen. Kritiker finden die Regelung wiederum einseitig, weil etwa Süßigkeiten und andere zuckerreiche Lebensmittel nicht betroffen sind. |Text: Vera Mergle




