Wirtschaftsmacher Markus und Martin Greif

Greif Mietwäsche, Traditions- Familienunternehmen

Markus (geb. 1976) und Martin (geb. 1983) Greif sind heute, in der vierten Generation des Familienunternehmens Greif Mietwäsche, die vertretungsberechtigten Gesellschafter. Was vor mehr als 100 Jahren als Bügelstube der Urgroßmutter begann ist heute ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Augsburg und ganz Deutschland. Der Schwiegersohn der Urgroßmutter, der gebürtige Österreicher Walter Greif, gab dem Unternehmen seinen Namen und er war es auch, der das Geschäft um den Textilservice aufbaute. Heute ist daraus ein Unternehmen geworden, das deutschlandweit vertreten ist und mit Partnerunternehmen auch im deutschsprachigen Ausland Fuß fassen konnte. Es werden aktuell ca. 1.200 Mitarbeiter beschäftigt bei einem Gesamtumsatz von mehr als 100 Millionen Euro. Das Unternehmen ist dabei, den Stammsitz Augsburg erheblich zu vergrößern.

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markus und Martin GreifBild: Greif Mietwäsche
T1: Die vergangenen Jahre waren für viele Unternehmen herausfordernd. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Die Corona-Zeit war natürlich extrem intensiv. Für uns war es wichtig, nicht nur wirtschaftlich zu überleben, sondern auch unseren Mitarbeitern, Partnern und Kunden ein Signal zu geben: Wir sind weiterhin da – und sogar stärker und moderner als zuvor. Gerade unser neuer Markenauftritt war dabei enorm wichtig. Rückblickend hat das unsere Erwartungen sogar übertroffen. Ich glaube, wir konnten dem gesamten Unternehmen dadurch noch einmal einen richtigen Schub geben.

Wie stark hat Corona Ihr Geschäft konkret verändert?

Wir mussten einzelne Standorte zeitweise schließen, beispielsweise in Gundremmingen. Die Mitarbeiter hatten aber die Möglichkeit, an anderen Standorten weiterzuarbeiten. Das war organisatorisch eine große Herausforderung. Viele denken dabei zuerst an wirtschaftliche Themen wie Fixkosten oder fehlenden Umsatz – aber plötzlich beschäftigen einen auch ganz alltägliche Dinge, etwa wie man geschlossene Betriebe instand hält. Das waren Erfahrungen, die wir vorher so nicht kannten.
Gleichzeitig haben wir die Zeit genutzt, um uns neu aufzustellen. Wir haben Abläufe optimiert, Strukturen überarbeitet und intensiv an Themen wie Markenbild und Organisation gearbeitet. Deshalb würde ich heute sagen: In vielen Bereichen stehen wir sogar besser da als vor Corona.

Gibt es Bereiche, die sich bis heute noch nicht vollständig erholt haben?

Ja, besonders im Geschäftstourismus merken wir das deutlich. Hotels in Städten wie Berlin, Hamburg oder München leben stark von Messen, Tagungen und Geschäftsreisen. Dort ist das Niveau vielerorts noch nicht wieder auf dem Stand vor Corona. Anders sieht es in touristischen Regionen aus, etwa im Allgäu oder in den Bergen – dort läuft das Geschäft teilweise sogar besser als zuvor.

Ihr Unternehmen blickt auf eine lange Geschichte zurück. Wie hat alles begonnen?

Ursprünglich war das tatsächlich eher eine klassische Bügelstube. Unser Großvater beziehungsweise später unser Vater haben daraus Schritt für Schritt eine industrielle Wäscherei aufgebaut. Anfangs ging es vor allem um Privatkunden, später kamen Unternehmen und auch öffentliche Auftraggeber hinzu.
Unser Vater hat sich dann früh auf Mietwäsche spezialisiert – damals vor allem in Süddeutschland noch ein eher unbekanntes Modell. Gleichzeitig hat er sich konsequent auf Hotellerie sowie Industrie und Gewerbe konzentriert und den Privatkundenbereich aufgegeben.

Wann begann die Expansion über Bayern hinaus?

2005 haben wir mit der Übernahme eines Berliner Familienunternehmens einen großen Schritt gemacht. Das war damals der Marktführer im Gastronomie- und Hotelleriebereich in Berlin. Für uns war das ein wichtiger Meilenstein, weil wir damit begonnen haben, Kunden deutschlandweit zu betreuen – insbesondere große Hotelketten. Später kamen weitere Standorte, unter anderem in Nordrhein-Westfalen, hinzu. Dadurch mussten wir natürlich auch unsere gesamte Organisation neu strukturieren.

Heute sind Sie sogar international tätig?

Ja, wir beliefern inzwischen auch Teile Österreichs – insbesondere touristische Regionen in Tirol oder im Salzburger Raum. Gerade Skiregionen sind natürlich sehr spannende Märkte für uns.

Wo sehen Sie weiteres Wachstumspotenzial?

Der Markt ist nach wie vor sehr kleinteilig. Es gibt viele kleinere Wettbewerber, die oft Nachfolgeprobleme haben. Deshalb sehen wir noch enormes Potenzial – auch ohne aggressiv wachsen zu müssen. Zudem haben einige Unternehmen die Krisen der vergangenen Jahre nicht überstanden. Dadurch entstehen zusätzliche Chancen.

Wie wichtig sind dabei Partnerschaften?

Extrem wichtig. Deutschland ist groß, und irgendwann stößt man logistisch an natürliche Grenzen. Deshalb arbeiten wir in manchen Regionen mit langjährigen Partnerbetrieben zusammen. Uns ist dabei wichtig, dass diese Zusammenarbeit auf Augenhöhe stattfindet und nicht über Druck funktioniert. Nur wenn Partner fair behandelt werden, können sie auch dauerhaft gute Qualität liefern.

Sie waren zeitweise auch im Gesundheitswesen aktiv. Warum haben Sie sich daraus zurückgezogen?

Das Gesundheitswesen funktioniert komplett anders als die Hotellerie. Dort geht es oft um Ausschreibungen und den letzten Cent. Außerdem braucht man dafür eine sehr starke Spezialisierung. Wir haben gemerkt, dass unser Fokus klar auf Hotel, Gastronomie sowie Industrie und Gewerbe liegt. Deshalb haben wir diesen Bereich wieder abgegeben.

Viele Hotels betreiben noch eigene Wäschereien. Ist das aus Ihrer Sicht noch zeitgemäß?

Aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht eigentlich nicht. Wir arbeiten wesentlich effizienter – sowohl beim Energie- als auch beim Wasserverbrauch. Gleichzeitig kämpfen Hotels selbst massiv mit Personalmangel. Eine eigene Wäscherei bedeutet zusätzlichen organisatorischen Aufwand, den viele unterschätzen.

Wie ist Ihr Unternehmen heute aufgestellt?

Im Hotel- und Gastronomiebereich sind wir mit 13 Prozent Marktanteil Marktführer in Deutschland. Insgesamt beschäftigen wir uns aber nicht nur mit klassischer Hotelwäsche, sondern auch mit Mietwäsche für Industrie und Gewerbe.

Wie erleben Sie den Generationswechsel im Familienunternehmen?

Wir hatten großes Glück. Unsere Eltern haben die Übergabe der Verantwortung wirklich vorbildlich gestaltet. Natürlich diskutiert man auch mal, aber sie haben uns immer den Rücken gestärkt. Das ist keineswegs selbstverständlich.

Hat sich auch der Führungsstil verändert?

Definitiv. Früher war vieles patriarchalischer geprägt. Heute versuchen wir, möglichst viele Mitarbeiter in Entscheidungen einzubinden. Wir haben dafür einen großen Führungskreis aufgebaut – vom Personalwesen bis zu den Betriebsleitern. Uns ist wichtig, die unterschiedlichen Perspektiven zusammenzubringen.

Nachhaltigkeit spielt bei Ihnen eine große Rolle. Warum?

Wir beschäftigen uns damit schon seit vielen Jahren – lange bevor das Thema gesellschaftlich so präsent war. Wir messen unseren CO₂-Fußabdruck bereits seit über zehn Jahren und haben uns an den Science Based Targets orientiert. Gleichzeitig investieren wir stark in Photovoltaik, Elektromobilität und effizientere Prozesse. Natürlich stoßen wir dabei auch an wirtschaftliche Grenzen. Aber wir sind überzeugt, dass Nachhaltigkeit langfristig nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll ist.

Wie bewerten Sie die aktuelle politische Diskussion rund um Energie und Klimaschutz?

Wir glauben, dass man mit Anreizen oft mehr erreicht als mit Verboten. Vor einigen Jahren war die gesellschaftliche Dynamik in Richtung Klimaschutz aus unserer Sicht größer als heute. Viele Menschen waren motiviert, selbst etwas zu verändern. Dieses Momentum ist teilweise verloren gegangen. Gleichzeitig erleben wir aber auch, wie wichtig Energieunabhängigkeit geworden ist. Deshalb halten wir Investitionen in erneuerbare Energien und Effizienz weiterhin für absolut richtig.

Ihr Unternehmen engagiert sich auch stark regional?

Ja, das ist uns wichtig. Wir unterstützen Schulen, Vereine und verschiedene Projekte in den Regionen unserer Standorte. Gleichzeitig hilft uns das natürlich auch dabei, als Arbeitgeber sichtbar zu bleiben.

Wie schwierig ist es heute, Nachwuchs zu finden?

Der erste Eindruck einer Wäscherei wirkt vielleicht nicht besonders glamourös. Tatsächlich steckt dahinter aber eine unglaublich moderne Branche – mit Themen wie Digitalisierung, KI, Maschinenbau, Chemie oder IT. Unsere Übernahmequote bei Azubis liegt bei fast 100 Prozent. Das zeigt, dass viele junge Menschen überrascht sind, wie vielfältig unsere Arbeit tatsächlich ist. Jetzt mit dem Ausbau des Stammsitzes, werden wir unseren Personalstamm weiter vergrößern in den Bereichen Verwaltung und Technik. Wir bieten Stellen für Elektroniker für Betriebselektrik und interessante Modelle als duales Studium in BWL, in Zusammenarbeit mit der Uni Augsburg im Bereich Finance- und Riskmanagement und mit der Uni Mannheim im Bereich Marketing in der Textilwirtschaft.

Und wenn einmal Freizeit bleibt – wie verbringen Sie diese?

Am liebsten mit der Familie. Außerdem sind wir große Augsburg-Fans. Einfach mit der Familie durch die Stadt zu gehen, das genießen wir beide sehr. Augsburg ist und bleibt einfach unsere Heimat.