100 Tage neue Stadtregierung - OB Florian Freund zieht erste Bilanz

Es wurde schon sehr viel angestoßen - die Arbeit folgt in weiteren 2100 Tagen

100 Tage sind in der Politik eine beliebte Wegmarke. Lang genug, um erste Entscheidungen zu treffen, aber deutlich zu kurz, um eine Stadt grundlegend zu verändern. Augsburgs Oberbürgermeister Dr. Florian Freund nutzte die traditionelle Zwischenbilanz deshalb weniger für einen Blick zurück als für einen Ausblick auf das, was die neue Stadtregierung in den kommenden Monaten und Jahren beschäftigen wird. Gemeinsam mit dem Zweiten Bürgermeister und seinem Referententeam stellte er sich am Donnerstag den Fragen der Medien. Die Themen reichten vom milliardenschweren Neubau des Universitätsklinikums über bezahlbaren Wohnraum und die Zukunft der Innenstadt bis hin zu Schulen, Haushalt und Staatstheater.

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OB Florian Fraund und sein 2. BGN Dirk Wurm präseentierten ihre Bilanz sichtlich gut gelauntBild: TRENDYone
Fünf Milliarden für Augsburgs „Medical City“

Kaum ein Projekt verdeutlicht die Dimension der kommenden Jahre so eindrucksvoll wie das Universitätsklinikum. Ende Juni gab der Freistaat grünes Licht für den Neubau und stellte für Augsburg Investitionen von rund fünf Milliarden Euro in Aussicht. Für Freund ist das weit mehr als der Neubau eines Krankenhauses. Augsburg soll sich mit Klinikum, Medizinischer Fakultät, Forschung und Unternehmen zu einer „Medical City“ entwickeln. Bereits zu Beginn seiner Amtszeit brachte der neue Oberbürgermeister dafür Vertreter von Universitätsklinikum, IHK Schwaben und Staatlichem Bauamt an einen Tisch. Für die Stadt bedeutet das Großprojekt allerdings auch eine gewaltige planerische Aufgabe.

Olympia könnte wieder nach Augsburg kommen

Auch ein anderes Großereignis könnte Augsburg Jahrzehnte nach 1972 wieder auf die internationale Sportbühne bringen. Die Stadt ist Teil der Münchner Pläne für eine deutsche Bewerbung um Olympische und Paralympische Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Als mögliche Wettkampfstätten stehen der traditionsreiche Eiskanal und die WWK ARENA im Raum. Noch ist allerdings offen, ob München überhaupt deutscher Bewerber wird. Die Entscheidung darüber soll der Deutsche Olympische Sportbund im Herbst 2026 treffen.

Für Augsburg wäre Olympia nicht nur eine sportliche Angelegenheit. Infrastruktur, Finanzierung und die Zukunftsfähigkeit des Eiskanals gehören ebenso zur Diskussion. Aus dem olympischen Erbe von 1972 könnte damit mehr als ein halbes Jahrhundert später erneut olympische Zukunft werden

Wohnen bleibt eine der großen Aufgaben

Weniger spektakulär, für viele Augsburger aber unmittelbar wichtiger ist die Frage, ob Wohnen in der Stadt bezahlbar bleibt. Die Schaffung von zusätzlichem und bezahlbarem Wohnraum gehört deshalb zu den zentralen Aufgaben der neuen Stadtregierung. Dabei geht es nicht allein darum, neue Flächen auszuweisen. Gefragt sind Lösungen, mit denen tatsächlich Wohnungen entstehen können, die auch für Menschen mit normalen und kleineren Einkommen erschwinglich bleiben.

Mehr Grün für die Fuggerstraße

Sichtbar verändern soll sich auch Augsburgs Innenstadt. Die Fuggerstraße gehört zu den Projekten, die Freund bereits im Wahlkampf besonders hervorgehoben hatte. Aus der heute stark vom Verkehr geprägten Straße soll langfristig eine deutlich grünere Achse werden. Vorgesehen sind unter anderem zusätzliche Baumreihen und mehr Aufenthaltsqualität.

Ein Projekt, das allerdings Geduld verlangt. Nach bisheriger Planung sollen zunächst Gutachten, Überarbeitungen und Bürgerbeteiligung folgen. Der eigentliche Baubeginn wäre frühestens 2029 möglich, unter anderem weil zuvor die Regionalbusse an den neuen Busterminal am Hauptbahnhof verlegt werden müssen. Aus einer Idee für eine grünere Innenstadt wird damit ein Projekt, das die Stadt noch über Jahre beschäftigen dürfte.

Hallstraße soll zur „Radlstraße“ werden

Deutlich schneller könnte es an anderer Stelle gehen. Die Hallstraße soll umgestaltet werden und künftig stärker Radfahrern und Fußgängern gehören. Freund hatte bereits vor seinem Amtsantritt angekündigt, dort einen fußgängerfreundlicheren Campusbereich schaffen zu wollen. Bei einer Veranstaltung Ende Juli bezeichnete er die Lösung für den Übergang im Bereich der Hallstraße bereits als ausgearbeitet

Damit steht die Hallstraße beispielhaft für einen Anspruch der neuen Stadtregierung: Nicht jedes Projekt muss gleich ein Jahrhundertprojekt sein. Manchmal können vergleichsweise überschaubare Veränderungen im Alltag einer Stadt besonders schnell wahrgenommen werden

Römisches Erbe wartet auf eine Heimat

Weniger schnell lässt sich eine andere Augsburger Daueraufgabe lösen: das Römische Museum. Augsburg kann auf eine rund 2.000-jährige Geschichte zurückblicken, doch ein angemessener dauerhafter Ort für die Präsentation dieses bedeutenden römischen Erbes fehlt seit Jahren. Auch dieses Thema steht deshalb auf der Agenda der neuen Stadtspitze.

Zwischen Wunschliste und Haushaltsrealität

Wie viel von all diesen Plänen tatsächlich und vor allem wie schnell umgesetzt werden kann, entscheidet sich letztlich auch beim Geld. Mit dem Nachtragshaushalt für 2026 und dem Doppelhaushalt 2027/28 muss die neue Stadtregierung ihre politischen Vorstellungen in Zahlen übersetzen. Dabei konkurrieren große Zukunftsprojekte mit Aufgaben, die wesentlich weniger glamourös, aber kaum weniger dringend sind.

Dazu gehören Augsburgs Schulen. Bei deren Sanierung geht es nicht nur um große Gebäudemaßnahmen. Ein Thema, das Eltern und Schüler unmittelbar betrifft, sind beispielsweise die Schultoiletten. Ihr Zustand ist an verschiedenen Standorten seit Jahren Gegenstand von Beschwerden. Die neue Stadtregierung will deshalb auch hier einen Schwerpunkt setzen.

Und dann ist da noch das Staatstheater

Bei der Fragerunde durfte schließlich ein Thema nicht fehlen, das Augsburg seit Jahren begleitet: die Sanierung des Staatstheaters. Freund hatte bereits Ende Juli deutlich gemacht, dass er bei dem Projekt mehr Tempo erreichen möchte. Seine damalige Botschaft: Nach jahrelangen Diskussionen müsse nun der „Zug zum Tor“ gelingen.

Damit schließt sich nach den ersten 100 Tagen vielleicht auch der Kreis. Die neue Stadtregierung hat viele Vorhaben auf dem Tisch, manche selbst angestoßen, andere von ihren Vorgängern übernommen. Universitätsklinikum, Olympia, Wohnungsbau, Innenstadt, Schulen, Museum, Haushalt und Theater zeigen zugleich, wie unterschiedlich die Herausforderungen sind.

Nach 100 Tagen lässt sich deshalb kaum beurteilen, wie Augsburg am Ende der Amtsperiode von Florian Freund aussehen wird. Eines lässt sich jedoch bereits feststellen: An Projekten, mit denen die neue Stadtregierung ihren Gestaltungswillen beweisen kann – und muss –, herrscht kein Mangel.