Den Stars und Sternchen so nah mit Jana: Jan Krauter im Interview – Ein Schauspieler mit Tiefgang begeistert mit seinen neuen Charakteren in der ZDF-Komödie "Fang mich doch!" und in der Comedy-Serie "Das Manko"
Er liebt die Herausforderung
Ob als liebenswerter Ermittler mit Asperger-Syndrom in den Bestsellerverfilmungen „Lost in Fuseta“, in anspruchsvollen Krimiformaten wie „Oderbruch“ und „Solo für Weiss“ oder in zahlreichen weiteren Produktionen – Jan Krauter gehört zu den vielseitigsten Charakterdarstellern überhaupt. Mit feinem Gespür für Charaktere, großer Präzision und bemerkenswerter Wandlungsfähigkeit verleiht er seinen Figuren stets eine besondere Einzigartigkeit. Dabei bewegt er sich mühelos zwischen Drama, Krimi sowie Komödie und fesselt sein Publikum immer wieder mit neuen Facetten – was auch die ZDF-Komödie „Fang mich doch!“ und sein Herzensprojekt „Das Manko“ beweisen. Neben seiner Arbeit als Schauspieler widmet sich der gebürtige Wilhelmshavener leidenschaftlich verschiedenen Kampfkünsten. Im Gespräch mit unserer Redaktionsleitung Jana Dahnke plauderte Jan unter anderem darüber, warum gutes Schauspiel oft genau dort entsteht, wo Komik und Tragik aufeinandertreffen.
Das Schönste war, dass ich dort von Anfang an das Gefühl hatte, am richtigen Ort zu sein. Ich habe Gleichgesinnte getroffen, die ähnlich getickt haben wie ich – die gerne herumalbern, Dinge ausprobieren und sich eine gewisse Träumerei bewahrt haben. Zuvor hatte ich eher den Eindruck, von außen auf die Dinge zu schauen, statt wirklich dazuzugehören. Damals bin ich mit der Überzeugung in die Theater-AG gegangen, dass ich eigentlich nichts besonders gut kann. Dort habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass ich Menschen zum Lachen bringen, fesseln oder berühren kann. Das war ein sehr erhellender Moment.
Wie näherst Du Dich einer Figur – Was ist der allererste Schritt, wenn Du ein Drehbuch oder ein Skript aufschlägst?
Tatsächlich quatsche ich erst einmal vor mich hin und werde mit der Figur eins. Ich probiere aus, wie sie klingt, und taste mich Schritt für Schritt an sie heran. Das ist für mich ein bisschen wie das Stimmen einer Gitarre: Man hört sich selbst zu und sucht nach der Stimme der Figur, bis sie authentisch wirkt. Im Kern geht es für mich dabei immer um zwei Dinge – um Glaubwürdigkeit und Unterhaltsamkeit. Von dort aus entwickelt sich alles Weitere.
Krimi oder Komödie – Was sagt Dir mehr zu?
Das kann ich gar nicht so eindeutig beantworten. Krimis habe ich natürlich sehr viel gespielt, und mit „Lost in Fuseta“ begleitet mich eine Reihe, die ich besonders mag, weil dort die Figuren wichtiger sind als der eigentliche Fall. Grundsätzlich ist man in Deutschland mit Krimis ein bisschen überfrachtet, doch wenn sie gut geschrieben sind, bereiten sie natürlich großen Spaß. Aber wenn Du jetzt meinst, zwischen ernsten und lustigen Rollen, würde ich mich nicht zwischen Krimi und Komödie entscheiden wollen. Ich glaube sogar, dass beide Genres vor allem dann überzeugen, wenn sie etwas vom jeweils anderen enthalten. Ein rein dramatischer Film, in dem alle nur betroffen sind, fühlt sich für mich irgendwann nicht mehr besonders wirklich an. Selbst die tragischsten Momente können etwas Komisches haben und umgekehrt. Gutes Schauspiel entsteht gerade aus diesem Widerspruch. Ein Paradebeispiel ist für mich Bill Murray.
„Lost in Fuseta“ zeigt Dich als Ermittler mit Asperger-Autismus. Diese Menschen können Gefühle schlecht lesen oder zeigen. War das eine große Herausforderung für Dich?
Für mich war die Rolle ein absolutes Geschenk. Schon beim Lesen gab es einen lustigen Moment, weil Leander im Buch Insekten aus Gewässern rettet – ein Faible, das ich tatsächlich mit ihm teile. Außerdem ist er ein sehr feinsinniger Charakter: Sich in seine Wahrnehmung hineinzudenken und dabei gewissermaßen ein empathischer Botschafter für eine Bevölkerungsgruppe zu sein, war eine tolle schauspielerische Herausforderung. Bei der Vorbereitung hat mir dokumentarisches Material sehr geholfen – so setzt sich Leander aus vielen kleinen Beobachtungen zusammen. Im Buch tippt er beispielsweise ständig die Fingerspitzen aneinander, was für den Film visuell nicht besonders gut funktionierte. Ich habe einen Autisten gesehen, der sich in stressigen Situationen ein Ohr zuhielt, um Reize zu reduzieren und habe stattdessen diese Geste übernommen.
Wie haben Menschen mit Asperger-Syndrom auf Deine Darstellung reagiert?
Bei einer solchen Rolle fragt man sich natürlich, ob man dem Thema wirklich gerecht wird. Umso schöner war es, dass mir viele Betroffene geschrieben und erzählt haben, wie sehr sie sich in Leander wiedererkennen. Das war für mich eine große Bestätigung und wahrscheinlich das schönste Feedback, das man für eine solche Rolle bekommen kann.
Manche Szenen in „Lost in Fuseta“ sind von längeren Sprechpausen geprägt, weil der Fokus auf den Blicken liegen soll. Wie erarbeitet man sich die Sicherheit, eine Szene rein durch Präsenz zu tragen?
Präsenz entsteht für mich dadurch, dass man etwas Konkretes tut. Bei Leander ist das besonders spannend: Er läuft nach außen meist mit einem Poker Face herum, aber innerlich arbeitet es permanent. Das war für mich gar nicht so einfach, weil ich persönlich ein Mensch bin, der viel und gerne lacht. Ich habe versucht, eine Mischung aus Durchlässigkeit und Geheimnis zu finden. Man soll sehen, dass etwas in ihm vorgeht, ohne immer genau zu wissen, was. In den stillen Momenten beschäftige ich mich deshalb weniger mit Wirkung als mit seinem inneren Prozess. Leander muss ständig Mimik, Tonfall und Zwischentöne entschlüsseln. Selbst bei einer scheinbar einfachen Aussage fragt er sich: Ist das jetzt ernst gemeint oder ironisch? Genau dieses ständige Lesen, Dolmetschen und Tüfteln zeichnet ihn aus.
Kritiker loben Deine große Wandlungsfähigkeit. Was reizt Dich daran, in völlig unterschiedliche Figuren zu schlüpfen?
Daran gefällt mir vor allem, mich optisch, körperlich, gestisch und manchmal sogar über die Stimme in eine völlig andere Person zu verwandeln. Das bereitet mir einfach mehr Freude, als nur dem eigenen Gestus zu folgen. Wobei „sich selbst spielen“ ohnehin ein schwieriger Begriff ist: Am Set stehen 30 Leute oder mehr um einen herum, man muss technische Abläufe beachten und trotzdem in der Szene bleiben.
Du hast im Spielfilm „Grizimek“ bereits eine Persönlichkeit aus dem echten Leben verkörpert. Gibt es eine weitere Person aus der Geschichte oder Gegenwart, die Du irgendwann gerne einmal spielen würdest?
Das ist eine interessante Frage, über die ich mir tatsächlich noch gar nicht so viele Gedanken gemacht habe. Neben Michael Grizimek durfte ich bereits weitere reale Persönlichkeiten verkörpern, darunter Thomas Müntzer und Hans Beimler. Was ich dabei interessant finde: Solche Rollen werden heute nicht mehr nur nach äußerlicher Ähnlichkeit besetzt, sondern manchmal ganz bewusst konträr. Deshalb bin ich weniger auf eine bestimmte Person festgelegt, sondern eher gespannt darauf, welche Ideen Regisseure oder Casting-Verantwortliche künftig mit mir haben. Da lasse ich mich gerne überraschen.
Bald bist Du als Georg in der ZDF-Komödie "Fang mich doch!" zu sehen. Was war für Dich an dieser Hauptrolle so verlockend?
Beeindruckend fand ich die Vielseitigkeit und die Talente dieser Figur: Georg ist im Grunde Politiker, Betrüger, Zauberkünstler und Verführer in einer Person. Trickbetrüger haben mich schon immer fasziniert, so auch die Dokumentation über Hochstapler, die es geschafft haben, Mondgrundstücke zu verkaufen – und sich im Gefängnis noch darüber totlachten. Solche Figuren spielen stets mit den „Kaisers neuen Kleidern“ unserer Gesellschaft. Sie verfügen meist über eine enorme Menschenkenntnis und wissen genau, wo sie ansetzen müssen, um andere hinter das Licht zu führen.
Der Film ist von wahren Begebenheiten inspiriert – Gibt es eine Message, die Dir besonders am Herzen liegt?
Ehrlich gesagt stecken mehrere Botschaften in der Komödie, weil viele Themen angerissen werden – von sozialen Unterschieden bis hin zur Sucht. Am spannendsten finde ich aber, dass der Film eigentlich weniger das Soziogramm eines Hochstaplers ist. Solche Figuren erzählen oft mehr über ihre Opfer als über sich selbst. Wir werfen hier einen Blick auf eine sehr privilegierte kleine Bubble. Und ich glaube, daran können wir als Zuschauer durchaus anknüpfen, weil wir uns vielleicht in dieser Selbstsicherheit oder Selbstgerechtigkeit wiedererkennen. Wir leben in einer Welt, in der uns ständig erzählt wird, was wir angeblich benötigen – durch Marketing, Produkte und die Vorstellung, dass der Kunde König ist. Wir sind inzwischen eine Gesellschaft aus Königen geworden, deshalb lohnt es sich, zwischen dem zu unterscheiden, was wir wirklich brauchen, und dem, was wir nur meinen zu brauchen. Vielleicht kann der Film genau das mitgeben – Frei nach dem Motto: Schau doch erst einmal, was du schon hast.
Hast Du auch schon einmal eine Rolle abgelehnt?
Ja, durchaus. Meistens war das aus zeittechnischen Gründen oder schlichtweg, wenn mich die Geschichte dahinter nicht überzeugte. Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich im selben Jahr für zwei sehr ähnliche Krimirollen angefragt wurde: Einmal als Sohn, der die Firma geerbt hatte und deshalb unter Verdacht geriet – und einmal als Sohn, der leer ausgegangen war und genau deshalb verdächtigt wurde. Da dies dieselbe Figur in zwei Paralleluniversen darstellt, war das nicht relevant für mich.
Du betreibst privat Kampfkunst – Inwieweit hilft Dir die Disziplin und dieses Körpergefühl dabei, die physische Präsenz Deiner Figuren zu entwickeln?
In vielerlei Hinsicht! Die Sportart schafft vor allem ein Selbstbewusstsein im eigentlichen Sinne des Wortes. Selbstbewusstsein wird oft mit Mut verwechselt, dabei geht es für mich eher darum, die eigenen Grenzen, Ängste und Stärken kennenzulernen. Man entwickelt ein anderes Körperbewusstsein und merkt plötzlich, wie viel Ausdruck in Haltung, Bewegung oder sogar in einem einzelnen Körperteil steckt. Man lernt, nicht nur im Kopf zu sein, sondern den ganzen Körper einzusetzen. Genauso wichtig ist für mich aber die mentale Stabilität: Gerade in einem Beruf, der von Unsicherheit geprägt ist – mit Castings, Absagen und ständig wechselnden Erwartungen – gibt mir die Kampfkunst eine gewisse innere Ruhe und Standfestigkeit.
Wie schaltest Du nach einer besonders intensiven oder emotionalen Rolle wieder ab?
Kampfkunst ist sicherlich der wichtigste Ausgleich. Ansonsten verbringe ich sehr gerne Zeit mit Freunden und natürlich mit meiner Freundin, spiele Klavier und selbst einfach mal ganz „stumpf“ am Computer zu zocken gehört auch dazu. Das Schwierige an der Schauspielerei ist, dass man viele Dinge, die für andere Hobbys wären, plötzlich beruflich ausübt. Deshalb finde ich es wichtig, mir immer wieder Räume zu schaffen, in denen ich selbst gestalten kann. Ein gutes Beispiel dafür ist „Das Manko“. Dafür haben wir uns als Schauspieler zusammengesetzt, um selbst etwas zu entwickeln und zu produzieren. Das Selbermachen ist für mich ein perfekter Ausgleich und eines der besten Ventile.
Worauf dürfen sich Deine Fans in nächster Zeit freuen?
Es lohnt sich auf jeden Fall, bei „Fang mich doch!“ einzuschalten. Außerdem startet im Juli mit „Das Manko“ ein weiteres Projekt, das mir wie gesagt sehr am Herzen liegt. Besonders schön ist, dass das ZDF sogar eine neue Rubrik für Komödien in der Mediathek eröffnet und wir dort direkt mit dabei sein dürfen.
Unbedingt einschalten!
"Fang mich doch!"Einem Hochstapler und Familienvater aus prekären Verhältnissen gelingt es, Finanzvorstand einer wohlhabenden Elterninitiative zu werden und diese um Hundertausende zu betrügen.
In der Leipziger Elterninitiative Regenbogen taucht Vater Georg (Jan Krauter) mit seiner Familie auf und bewirbt sich um den begehrten Inklusionsplatz für die gemeinsame Tochter, einem Kind mit Epilepsie. Die Welt in dem neureichen Leipziger Stadtviertel ist Georg so fremd wie verheißungsvoll und so beginnt er, sich ein Lügengerüst aufzubauen. Als sie den Platz erhalten, packt Georg an, wo es geht. Bald vertraut man ihm die Nachfolge des Finanzvorstands an und damit die Prokura über alle Gelder, und Georg genießt sein "neues" Leben in vollen Zügen, auch die Affäre mit einer der reichen Mütter (Friederike Kempter). Bis die Situation zu kippen beginnt und eine der Mütter sowie der Vater von Anton (Tobias Oertel) Verdacht schöpfen, was Georgs Biografie betrifft. Georg gerät gehörig unter Druck und setzt nicht nur seine eigene Existenz aufs Spiel, sondern bringt auch seine Tochter in Gefahr.
Die Komödie "Fang mich doch!" läuft im August 2026, 20:15 Uhr, im ZDF und voraussichtlich ab Juli in der ZDF-Mediathek
„Das Manko“
Bei der Physical Comedy Serie "Das Manko" steht das Ensemble ganz klar im Fokus! Die Schauspieler, auf deren Idee die Serie basiert, sind Jan Krauter, Bastian Reiber, Florian Anderer, Sarah Bauerrett, Jonas Hien, Christoph Jöde, Annika Meier, Julia Schubert, Carol Schuler, David Simon und Sebastian Grünewald. Regie führt Arne Feldhusen („Stromberg", Der Tatortreiniger").
Inhaltlich geht es in „Das Manko" um eine Gruppe von liebenswert-inkompetenten Angestellten, die in einer deutschen Behörde arbeitet. Aufgrund einer fatalen Verwechslung werden sie auf eine Fortbildungsreise für angehende Führungskräfte geschickt. Ein autonom fahrender Bus befördert die Gruppe dabei an willkürliche Arbeitsorte. Fest im Glauben, endlich Gewinnerinnen und Gewinner zu werden, nehmen sich die elf Sonderlinge aller Aufgaben engagiert an. Es beginnt eine Odyssee, in der „Das Manko" nicht nur eine Gefahr für perfektionierte Arbeitsprozesse ist, sondern immer auch für alle Beteiligten.
Coming soon!










