Veggie-Branche rechnet bei Namensverbot mit 250 Millionen Euro Kosten
Bei einem EU-Verbot von Namen wie Veggie-Burger, Seitan-Schnitzel oder Soja-Würstchen für Fleischersatzprodukte rechnet die Branche in Deutschland mit Kosten von mindestens 250 Millionen Euro. "Allein für die Hersteller von Fleisch- und Wurstalternativen sprechen wir über rund 250 Millionen Euro Schaden", sagte die Vize-Vorsitzende des Bundesverbands für Alternative Proteinquellen, Claudia Hauschild, dem "Spiegel".
Kosten entstünden unter anderem durch die Umstellung auf neue Produktnamen, neue Verpackungen müssten produziert und alte entsorgt werden. Noch schwerer dürften laut Verband entgangene Umsätze wiegen – etwa weil Verbraucher die Produkte nicht mehr sofort erkennen und seltener kaufen. Insbesondere werde es schwerer, neue Kunden zu gewinnen. "Langfristig bedeutet ein Bezeichnungsverbot daher eine strukturelle Wachstumsbremse bis hin zur Gefährdung der gesamten Kategorie", sagte Hauschild dem "Spiegel".
Für viele Unternehmen machten die betroffenen Produkte mehr als 50 bis teilweise 100 Prozent des Gesamtumsatzes aus. "Ein Bezeichnungsverbot würde damit also nicht nur einzelne Produkte, sondern ganze Geschäftsmodelle gefährden", sagte die Verbandsvertreterin weiter.
Hauschild forderte die Bundesregierung auf, einem EU-Bezeichnungsverbot nicht zustimmen. "Wir erwarten, dass Deutschland in Brüssel rote Linien zieht und sich für Rechtssicherheit, Verbraucherorientierung und eine faktenbasierte Regulierung einsetzt."
Ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums teilte dem "Spiegel" mit, Deutschland sehe ein mögliches Namensverbot kritisch. "Anlass unserer Kritik sind zum einen die mit einem Fleischbezeichnungsschutz verbundenen bürokratischen Lasten sowie die hierzulande bereits gut etablierten Leitsätze."
Die Entscheidung über ein Namensverbot für Fleischersatzprodukte war Mitte Dezember in Brüssel vertagt worden. Vertreter aus dem Europaparlament und dem Rat der 27 EU-Länder konnten sich nicht auf einen Kompromiss einigen. Die Beratungen über die entsprechende Gesetzesreform sollen in den kommenden Wochen weitergehen.
© 2026 AFP



