Ferienauftakt bringt nur wenige Corona-Verstöße

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Blick auf den Möhnesee in Nordrhein-WestfalenBild: AFP / Ina FASSBENDER

Zu Ferienbeginn in einer Reihe von Bundesländern haben sich die Urlauber offenbar weitgehend an die wegen der Corona-Krise geltenden Abstandsregeln gehalten. An Nord- und Ostsee und in den Hauptreisegebieten Bayerns kam es laut Polizei am Wochenende trotz zahlreicher Touristen nur zu wenigen Problemen. Bayern will derweil seine Coronatests massiv ausbauen und allen Bürgern ermöglichen, sich auch ohne Symptome kostenlos testen zu lassen.

In fünf Bundesländern begannen am Wochenende die Sommerferien, darunter das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen. Trotz des damit verbundenen erhöhten Reiseaufkommens blieben große Staus aus. An der Ostsee meldete am Samstag die Gemeinde Scharbeutz in Schleswig-Holstein Überfüllung und sperrte den Ortskern. Bürgermeisterin Bettina Schäfer sagte im NDR, die Helfer hätten gar nicht so schnell gucken können, wie sich die Parkplätze füllten.

An der Nordsee war es etwa in Cuxhaven laut Polizei zwar voll, es habe aber keine Probleme bei den Corona-Abstandsregeln gegeben. Im Bereich der Polizeidirektion Flensburg, das mehrere touristische Gebiete inklusive der Nordseeinseln Sylt und Föhr verantwortet, gab es "überhaupt keine Auffälligkeiten", sagte eine Polizeisprecherin. Nur von Sylt sei ein einzelner Feiernder gemeldet worden, der sich nicht an Abstandsregeln halte.

In Bayern sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, die dortigen Ausflugsgebiete in den Alpen und rund um die großen bayerischen Seen seien "bis an den Rand voll. Aber scheinbar halten sich die Menschen an die Abstandsregeln."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte in ihrer wöchentlichen Videobotschaft, dass bei der Eindämmung des Virus neben der Politik weiterhin jeder Einzelne gefragt sei. "Nehmen Sie es ernst, denn es ist ernst", sagte sie. und erinnerte an Maßnahmen wie den Mindstabstand, Mund-Nasen-Schutz und Händewaschen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) warnte in seiner Videobotschaft vom Wochenende erneut vor der Gefahr einer zweiten Infektionswelle. Distanz, Hygienemaßnahmen und Masken blieben wichtige Vorsichtsmaßnahmen, sagte er. Bei neuen Ausbrüchen sei "schnelles Handeln" entscheidend.

Bayern will jedem Bürger ermöglichen, sich kostenlos und auch ohne Symptome auf das Coronavirus testen zu lassen. Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) kündigte an, den Bürgern "zeitnah" anzubieten, "sich bei einem niedergelassenen Vertragsarzt auch ohne Symptome testen zu lassen". Menschen mit einem Verdacht auf eine Covid-19-Erkrankung sollten aber wie bisher prioritär getestet werden.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nannte es in den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montagsausgaben) "grundsätzlich richtig", was Bayern mache. "Allerdings müssen wir dafür sorgen, dass die richtigen Leute getestet und die Tests selbst billiger werden."

Lauterbach warb dafür, dass Menschen und Beschäftigte aus Risikogruppen vorrangig auf Covid-19 getestet werden wie Mitarbeiter in der Gastronomie, dem Gesundheitswesen, in Schulen und Kitas. Wahllos alle Bürger zu testen, würde zu Milliardenkosten und verzerrten Ergebnissen führen. Corona-Tests würden in einer kleinen Zahl von Fällen fälschlicherweise anzeigen, dass jemand Covid-19 hat. Weite man die Tests in großem Maßstab aus, würden diese "Falsch-Positiv-Tests" die Statistik erheblich durcheinanderbringen.

Derweil verständigten sich Bund und Länder auf eine einheitliche Linie bei Reisen in Deutschland. Urlauber aus Gegenden mit hohen Infektionszahlen sollen demnach mit einem Attest nachweisen, dass sie Virus-frei sind.

In dem Bund-Länder-Beschluss heißt es, dass "gerade mit Blick auf die bevorstehende Urlaubssaison" die notwendigen Vorkehrungen getroffen werden müssten, "um eine Wiederausbreitung des Coronavirus durch innerdeutsche Reisetätigkeit zu verhindern". Gleichzeitig solle die Reisefreiheit der Bürger und deren Planungssicherheit "auch in den von lokalen Ausbruchsgeschehen betroffenen Gebieten soweit als möglich erhalten bleiben".