Den Stars und Sternchen so nah mit Jana: Dominic Raacke im Interview – Der gefragte Schauspieler beweist sein vielseitiges Talent auch als Drehbuchautor, Produzent und Synchronsprecher sowie auf der Theaterbühne
Schauspielkunst made in New York
Seit mehr als vier Jahrzehnten zählt Dominic Raacke zu den bekanntesten deutschen Schauspielern seiner Generation. Nach seinem Studium in New York gelang ihm mit „Rote Erde“ der Durchbruch. Einem Millionenpublikum wurde er später als Berliner „Tatort“-Kommissar Till Ritter bekannt. Bis heute überzeugt er mit seiner Wandelbarkeit, seiner markanten Präsenz und einem feinen Gespür für unterschiedlichste Charaktere. Demnächst ist er in der ZDF-Komödie „Eine Wingwoman verliebt sich nicht“ zu sehen. Unserer Redaktionsleitung Jana Dahnke verriet er, wie seine Freude am Schauspiel erwachte, was ihn an internationalen Dreharbeiten fasziniert und noch vieles mehr...
Dominic Raacke: Ich komme aus einer Designerfamilie. Das hat mich geprägt, bis heute. Da geht es ja nicht nur darum sich mit schönen und praktischen Dingen zu umgeben, sondern auch darum das Leben selbst zu gestalten. Der Wunsch Schauspieler zu werden, kam aus mir selbst heraus und hat sich schon früh gebildet. Diesen Wunsch, sich zu zeigen, sich vor anderen zu produzieren, hatte ich schon als Kleinkind. Meine Mutter erzählte gerne die Geschichte, wie ich als Dreijähriger eine Party bei uns zuhause aufgemischt habe. Meine Eltern und ihre Freunde waren noch in ihren Dreißigern, die Bude war voll, es wurde geraucht und gequatscht und plötzlich tauchte ich auf. Stoisch und mit ernster Miene kam ich mit meinem quietschenden Dreirad ins Wohnzimmer gefahren, drehte fünf Runden und verschwand dann kommentarlos wieder in mein Kinderzimmer – dafür erntete ich Lacher und jubelnden Applaus. Der kleine Kerl hatte seinen ersten großen Auftritt und freute sich über die Anerkennung für seine kleine „Showeinlage“. Der Samen war gesetzt für alles was dann noch kam: Theatergruppe in der Schule, Hörspiele, selbstgedrehte Filmchen, die Richtung war klar und irgendwann wurde daraus mein Beruf.
Sie sind mit 19 Jahren nach New York gezogen. Wie haben Sie diese Zeit zwischen Heimweh und Aufbruch erlebt?
Es fing nicht wirklich gut an. Ich fühlte mich einsam, hatte Heimweh, es war ja doch ein Riesenschritt. Und im Rückblick ziemlich mutig. Wahrscheinlich war es diese jugendliche Unbeschwertheit, die mich in so jungen Jahren in ein fremdes Land gehen ließ. New York in den frühen 80ern war ein Moloch, so viele Menschen, so viel Einsamkeit, das war schon heftig. Anfangs zweifelte ich daran, damit fertig zu werden. Aber nach etwa drei Monaten fing ich an mich zurechtzufinden und meinen Weg zu gehen – das war ein echtes Erfolgserlebnis. Ich hatte New York „erobert“.
Sie haben in New York mit Christoph Waltz in einer WG gelebt. Was verbindet Sie heute noch?
Wir haben nicht mehr viel Kontakt – ab und zu läuft man sich über den Weg und freut sich darüber. Wir hatten eine gute Zeit damals, mit Anfang zwanzig. New York, Schauspielschule, das war ein großes Abenteuer, der Aufbruch ins Leben.
Sie verfügen über jahrzehntelange Erfahrung. Was zeichnet für Sie einen guten Schauspieler aus?
Dass er oder sie eine Verbindung zwischen sich und der Rolle herstellen kann, diese überzeugend verkörpert und mit den anderen klug interagieren kann. Um daraus eine Karriere zu bauen, braucht es viel Durchhaltevermögen, das darf man nicht unterschätzen. Eine schauspielerische Laufbahn verläuft immer in Wellenbewegungen. Auch wenn es gut läuft und insgesamt nach oben geht, gibt es immer wieder Ups und Downs, wie im Leben auch. Man muss lernen, damit klarzukommen, weiterzumachen, durchzuhalten – aber natürlich auch mit Erfolg umzugehen. Du erlebst Wind und Wetter, aber auf dem Weg gibt es eine Menge schöne Dinge und interessante Begegnungen. Für mich ist es der schönste Beruf der Welt. Aber ich bewundere auch den Mut von denen, die irgendwann sagen: „Das war es jetzt nicht, ich probiere etwas anderes.“
Was fasziniert Sie daran, für Filmproduktionen im Ausland zu drehen?
International zu drehen hat mich schon immer gereizt. Georgien, Griechenland, zuletzt in Finnland. Ich arbeite gern im Ausland, weil man sich dort in einem ganz anderen Umfeld bewegt. Die Abläufe beim Film sind international weitgehend dieselben, aber die Mentalität der Teammitglieder ist anders und man lernt das Land und die Menschen von innen kennen, das finde ich unglaublich spannend.
Bevorzugen Sie die Kontinuität einer Serie oder die Abwechslung abgeschlossener Filmprojekte?
Ich schätze beides. Das Schöne bei einer Serie ist, dass man eine Figur über einen längeren Zeitraum erzählen und entwickeln kann. Aber gerade in den vergangenen Jahren hatte ich die Chance ganz unterschiedliche Rollen anzunehmen, Charaktere, die ich noch nicht gespielt hatte. Das ist für einen Schauspieler immer schön und erweitert den Horizont. In unserem Business weißt du ja nie was kommt, manche kommen mit dieser Unberechenbarkeit nicht zurecht, für mich ist das völlig normal und ganz ehrlich, gefällt es mir sogar, nicht zu wissen, was als Nächstes kommt.
15 Jahre lang verkörperten Sie den Berliner „Tatort“-Ermittler Till Ritter. Das Ende dieser Ära haben Sie später als Befreiung beschrieben. Welche schönen Erinnerungen sind Ihnen an den „Großstadtcowboy“ geblieben?
Das ist ja nun schon eine Weile her, aber es waren natürlich entscheidende Jahre. Der Tatort hatte und hat in Deutschland noch immer einen besonderen Stellenwert und als Tatort-Kommissar ist man plötzlich sehr exponiert und steht unter genauer Beobachtung. Dein Bekanntheitsgrad schießt nach oben und gleichzeitig wirst du auf ein Rollenbild festlegt. Ich habe während der Tatort Jahre immer versucht zwischendurch noch ganz andere Rollen zu spielen, das hat auch gut geklappt. Es waren goldene Jahre. Noch heute komme ich an Ecken in Berlin vorbei, die sich eingebrannt haben, weil wir dort bestimmte Szenen für den Tatort gedreht haben. Und ab und an werde ich noch mit „Hallo, Herr Kommissar“ angequatscht. Da merkt man, wie sehr sich die Rolle bei den Leuten eingeprägt hat, das freut mich. Aber es war auch gut, dass irgendwann Schluss war und ich wieder zu neuen Ufern aufbrechen konnte.
Sie haben schon früh sehr erfolgreich Drehbücher geschrieben. Möchten Sie künftig wieder einmal federführend agieren?
Aktuell arbeite ich an einem Projekt, das ich angestoßen habe. Wir entwickeln gerade eine erste Folge für eine mögliche Serie. Das sind meist langwierige Abläufe, mal schauen wo wir am Ende landen. Es macht in jedem Fall Spaß kreativ zu arbeiten und Schreiben und Entwickeln ist eine schöne Abwechslung zum Drehen. Ich genieße das.
Was verschafft dem Theater Ihrer Meinung nach seinen besonderen Reiz – und worin unterscheidet es sich von einem Filmdreh?
Der direkte Kontakt mit den Zuschauern. Aber auch die Probenzeit. Da hat man sechs Wochen Zeit Dinge auszuprobieren, das gibt es beim Film nicht. Im Theater, hast du die Zügel in der Hand und spürst sofort, ob etwas funktioniert. Theater passiert in Echtzeit, entweder sitzt die Pointe, oder eben nicht. Es gibt nichts Schöneres als das Publikum mitzunehmen und quasi diesen einen Abend gemeinsam zu erleben. Theater spielen gibt mir Kraft und hilft mir auch beim Filme drehen.
Sie haben einmal gesagt, dass man ab 60 entspannter wird. In welchen Lebensbereichen spüren Sie das besonders?
In Liebesdingen. Das Suchen und Finden in den jungen Jahren ist doch ziemlich anstrengend und oftmals überwältigend und chaotisch. Im Alter bist du da gelassener und weißt einfach besser was du willst und was du nicht willst. Erfahrung ist das Zauberwort. Das fühlt sich gut an und macht auch mehr Spaß.
Sie sind demnächst im ZDF in „Eine Wingwoman verliebt sich nicht“ zu sehen. Sind Komödien tatsächlich anspruchsvoller zu spielen als Dramen?
Es kommt auf das Material an. Je besser eine Komödie gebaut ist, je genauer und wahrhaftiger die Situation und die Dialoge geschrieben sind, desto besser kann man sie auch spielen. Das ist wie im Design, wenn etwas gut durchdacht ist, dann funktioniert es auch besser, ob das nun ein Korkenzieher ist, ein Bürostuhl oder eben ein Film. Bei einer Komödie darf man mehr Gas geben, solange die Situation und der Moment glaubwürdig bleiben. Das ist oft eine Gratwanderung. Und eine Geschmackssache, denn jeder hat eine andere Idee, von dem, was lustig ist. Im besten Fall ist man sich einig und man liegt auf der gleichen Wellenlänge, im schlimmsten Fall, geht’s in die Hose. Komödie ist die Königsdisziplin.
…Warum sollte man unbedingt einschalten?
Unbedingt einschalten muss da niemand. Aber wer ein Faible für Romantic Comedies hat, kann sich bei Wingwoman entspannt zurücklehnen und sich gut unterhalten lassen. Natürlich geht es um die Liebe und die Suche nach dem, was einem fehlt. Der Konflikt ist klassisch: Eine Frau, deren Beruf es ist, andere Menschen miteinander zu verkuppeln, verliebt sich ausgerechnet selbst in den Mann, der eigentlich für eine andere vorgesehen war. Es ist also eine Verwechslungskomödie mit viel Gefühl und Humor und einem gut aufgelegten Ensemble. Ich spiele den Onkel der Hauptfigur, eine Art Mentor, der ihr väterlich zur Seite steht. Man könnte auch sagen, ich bin der Wing-Onkel der Wingwoman.
Hat sich die Liebe verändert – oder nur die Art, wie man miteinander in Kontakt kommt?
Die Liebe ist und bleibt unbeschreiblich. Sie ist ein Ereignis, eine Sensation, eine Naturgewalt, wie der Frühling, der jedes Jahr aufs Neue die Natur mit neuer Kraft erweckt und auch die menschlichen Gefühle immer wieder durcheinanderwirbelt. Die Liebe und alles, was damit zusammenhängt, hat sich im Laufe der Jahrhunderte nur wenig geändert, wenn überhaupt. Die Partnersuche gibt es inzwischen auch digitalisiert, aber das pochende Herz, die ganze Aufregung, das wird bleiben und hoffentlich für immer geheimnisvoll sein.
Herzkino: "Eine Wingwoman verliebt sich nicht"
Als professionelle Wingwoman hilft Caro Sander (Chiara Schoras) Menschen beim Dating. Ihr Erfolgsgeheimnis? Sie modelt niemanden um, sondern hat ein Auge für das Beste im Menschen. Doch ihre neue Klientin, Starpianistin Anya Urbanski (Sarah Bauerett), ist eine harte Nuss - sowohl für Caro als auch für ihren Onkel Heiner (Dominic Raacke), der sie als Assistent unterstützt. Nicht nur Anyas herausfordernde Persönlichkeit macht den Job schwer, sondern auch die Zielperson: Anya will mit Caros Hilfe ausgerechnet dem Musiklehrer Marc (Tom Beck) näherkommen. Dabei himmelt Caro selbst Marc schon seit Wochen aus sicherer Distanz an. Nun versucht Caro, ihre Gefühle zu ignorieren, schließlich gilt: "Eine Wingwoman verliebt sich nicht".Sonntag, 30. August 2026 um 20:15 Uhr im ZDF
Im Streaming ab 21. August 2026







