Den Stars und Sternchen so nah mit Jana: Tim Bergmann im exklusiven Interview – Ein erfolgreicher Schauspieler, der sich nicht auf ein bestimmtes Genre festlegt

Vom „Echten Kerl“ zum Kult-Ermittler

Tim Bergmann zählt seit mehr als drei Jahrzehnten zu den profiliertesten Schauspielern Deutschlands. Seinen Durchbruch feierte der gebürtige Düsseldorfer 1996 mit der Krimikomödie „Echte Kerle“, die ihm eine Nominierung für den Deutschen Filmpreis einbrachte. Seither überzeugt er in unterschiedlichsten Genres und verleiht den verschiedensten Figuren eine unverwechselbare Präsenz. Einem Millionenpublikum ist er vor allem als Kommissar Oliver von Bodenstein aus den erfolgreichen Taunuskrimis vertraut. In der ZDF-Komödie „Bloß nicht Liebe“ zeigt er nun erneut eine andere Facette seines Könnens. Der sympathische Schauspieler sprach mit unserer Redaktionsleitung Jana Dahnke über seine erfolgreiche Karriere und mehr...

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Nicht nur vor der Kamera ist seine Expertise gefragt: Als Mitglied der Deutschen Filmakademie wirkt der gefragte Schauspieler an der Wahl zum Deutschen Filmpreis mitBild: Maximilian Motel
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"Bloß nicht Liebe" am 13. September im ZDF: Unbedingt einschalten!Bild: ZDF, Hendrik Heiden
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"Das Interessante an Benno war für mich, dass er in seinem Lebensentwurf und auch charakterlich das absolute Gegenteil von mir ist"Bild: ZDF, Hendrik Heiden
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Sein feines Gespür für Figuren entwickelte Tim Bergmann bereits während seiner Ausbildung an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule in MünchenBild: ZDF, Hendrik Heiden
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Unsere Redaktionsleitung Jana Dahnke trifft "Stars und Sternchen" im exklusiven InterviewBild: Jana
Jana: Mit der Krimikomödie „Echte Kerle“ starteten Sie 1996 voll durch. Was verbinden Sie heute mit diesem Film?
Tim Bergmann: Anlässlich seines 30-jährigen Jubiläums gab es ein ganz tolles Wiedersehen: „Echte Kerle“ wurde noch einmal vor ausverkauftem Haus im Kino gezeigt – und zwar in Offenbach, weil Regisseur Rolf Silber einen starken Bezug zu dieser Stadt hat. Mich interessierte, ob der Film auch 30 Jahre später noch funktioniert und den Schritt ins Jahr 2026 schafft. Die Menschen haben tatsächlich noch genauso auf ihn reagiert – nicht nur auf die komischen, sondern ebenso auf die leisen, emotionalen Momente. Das war wunderbar mitzuerleben!
 
Wenn Sie heute auf diesen Film zurückblicken: Wie hat sich die deutsche Filmlandschaft seitdem verändert?
Sehr stark. „Echte Kerle“ war damals ein Überraschungserfolg und bereits nach der ersten Woche auf Platz eins. Als Mitglied der Deutschen Filmakademie beschäftige ich mich jedes Jahr intensiv mit den eingereichten Filmen und der Frage, welche Produktionen für den Deutschen Filmpreis, die Lola, nominierungswürdig sind. Bei der Auseinandersetzung mit den eingereichten Werken fällt leider auf, wie schwer es viele Filme inzwischen haben – Das gilt besonders für Genreproduktionen. Einige von ihnen laufen dann lediglich auf Festivals oder in wenigen Kinos und erreichen nur ein kleines Publikum. Die Produktionslandschaft hat sich ebenfalls stark verändert. Ich habe noch die Hochzeit der Privatsender erlebt, in der unglaublich viel produziert wurde. Eine ähnliche Phase gab es bei den Streaminganbietern, aber auch die ist bereits wieder vorbei. Gleichzeitig gibt es wesentlich weniger freie Stellen an den Theatern. Für junge Schauspielerinnen und Schauspieler ist es deshalb heute alles andere als einfach, in diesem Beruf Fuß zu fassen. Hinzu kommt der finanzielle Druck, da das Produzieren von Filmen in Deutschland immer kostspieliger wird.
 
1998 kam der Psychothriller „Solo für Klarinette“ ins Kino. Wie blicken Sie auf die Dreharbeiten zurück?
Hierbei habe ich als erstes Götz George und natürlich auch Corinna Harfouch vor Augen. Vor allem aber hatte ich in meinen Szenen mit Götz zu tun, und es war meine erste Begegnung mit ihm. Als junger Schauspieler konnte ich nicht selbstverständlich davon ausgehen, dass bei der Zusammenarbeit mit einer Institution wie ihm sofort alles funktioniert und man menschlich wie schauspielerisch so gut miteinander klarkommt. Bei uns war das vom ersten Moment an ganz wunderbar. Später haben wir für ProSieben mit „Racheengel – Stimme aus dem Dunkeln“ noch einen weiteren Thriller gedreht – zu einer Zeit, als der Sender viel Geld investierte, um gewissermaßen Kino für’s Fernsehen zu machen. Da Götz leider nicht mehr unter uns weilt, denke ich bei „Solo für Klarinette“ an die unzähligen schönen Momente zurück, die ich mit ihm erlebt habe. Eine weitere besondere Erinnerung verbinde ich mit Nico Hofmann. „Solo für Klarinette“ war seine letzte Regiearbeit, bevor er als Produzent weit über Deutschland hinaus bekannt wurde und zahlreiche große deutsche Produktionen verwirklichte. Dass ich bei diesem Film noch unter seiner Regie arbeiten durfte, werde ich nie vergessen.
 
Sie haben bereits viele unterschiedliche Charaktere verkörpert. Nehmen Sie manche anspruchsvollen Rollen mit nach Hause – und wie gelingt es Ihnen, einen Ausgleich zu finden und neue Energie zu tanken?
Das kommt tatsächlich auf die jeweilige Rolle an. Ich habe schon früh gemerkt, wie wichtig es für mich ist, einen Film nach seinem Abschluss loszulassen. Das gelingt mir, weil ich seit sehr langer Zeit einen Ort außerhalb der Arbeit habe, an den ich gerne zurückkehre und der mich genauso oder sogar noch mehr erfüllt als mein Beruf: mein Zuhause. Deshalb ist es für mich immer ein riesiges Geschenk, in meiner Heimatstadt München zu drehen. Für die Miniserie „Monster“, von Disney+ und dem ZDF produziert, war ich Anfang des Jahres vier Monate lang durchgehend unterwegs. Nach einer solchen Zeit wieder nach Hause zu kommen, ist einfach herrlich, obwohl das Team so wunderbar funktioniert hat und wir alle noch gerne weitergemacht hätten.
 
Bleiben wir bei „Monster“, dem neuen Fall der Taunuskrimi-Reihe: Sie verkörpern seit 2013 den Kommissar Oliver von Bodenstein. Wie hat sich Ihre Beziehung zu dieser Figur über die Jahre verändert?
Sie hat sich natürlich allein dadurch gewandelt, dass Oliver mich so lange begleitet. Auch in den Romanen wird er älter, und durch die Dinge, die er erlebt, verändert sich seine Sicht auf das Leben und auf seinen Beruf. Mit „Monster“ haben wir nun einen ganz neuen Schritt gewagt. Erstmals wurde aus dem elften Fall von Nele Neuhaus eine Miniserie. Darüber hatten wir schon häufig gesprochen, denn nur in diesem Format kann man einer mehr als 500 Seiten umfassenden Buchvorlage wirklich gerecht werden. Wir haben mit Adolfo J. Kolmerer einen großartigen Regisseur, mit Christian Huck einen fantastischen Kameramann und zudem ein neues Ensemble. Dadurch ist ein echter Relaunch entstanden, worauf sich sowohl die langjährigen Fans und gleichermaßen diejenigen freuen dürfen, die bisher noch keine Verfilmung von Nele Neuhaus gesehen haben.
 
Sie haben privat immer wieder Hunde als treue Begleiter. Würde es Ihnen Freude bereiten, Teil eines Films zu sein, in dem Sie intensiv mit Tieren arbeiten?
Oh ja, jederzeit! Ich habe einmal eine Komödie für das ZDF gedreht, in der ich täglich einen Hund namens Bruno an meiner Seite hatte. Er kam aus Rumänien, hatte einen unglaublichen Charakter und eine enorme Spielfreude. Bruno war ein echtes Gegenüber, mit dem ich spielen konnte. Wir mussten nicht ständig alles um ihn herum bauen, Einstellungen unterbrechen oder mit Leckerlis nachhelfen. In einer längeren Dialogszene sollte er mir zum Beispiel im richtigen Moment durchs Gesicht schlecken. Im ersten Durchgang haben wir mit Leberwurst getrickst, doch schon in einer weiteren Einstellung funktionierte es ohne Hilfsmittel genau zum richtigen Zeitpunkt. Wir waren alle völlig baff. Man hört oft, man solle nicht mit Tieren oder Kindern drehen, weil sich bei ihnen nichts erzwingen lässt. Ich habe mit Bruno und bei Filmen mit Kindern großartige Erfahrungen gemacht. Gerade diese besondere Art der Arbeit finde ich absolut spannend und inspirierend.
 
In der neuen ZDF-Komödie „Bloß nicht Liebe“ spielen Sie den Hotelmanager Benno. Was hat Sie an der Rolle besonders angesprochen?
Das Interessante an Benno war für mich, dass er in seinem Lebensentwurf und auch charakterlich das absolute Gegenteil von mir ist. Zwar befindet er sich alterstechnisch in einer ähnlichen Lebensphase, ist jedoch schon lange alleinstehend. Er hat ein etwas nerdiges, ein seltsames Hobby und vor allem seinen Beruf. Die Leidenschaft für den Beruf kann ich nachvollziehen, ansonsten aber ist er mir sehr fremd, was großartig ist. Ich kenn zum Beispiel das Leben als Single gar nicht. Benno war für mich ein wunderbarer Gegenentwurf zu meinem eigenen Leben.
 
Gemeinsam mit Ihrer Frau engagieren Sie sich schon lange als Paten für Plan International. Gab es einen bestimmten Schlüsselmoment, der in Ihnen den Wunsch nach sozialem Engagement ausgelöst hat?
Ja, das war der Film „About Schmidt“ mit Jack Nicholson. Darin geht es unter anderem um eine Patenschaft. Das hat uns so inspiriert, dass wir, nachdem wir die Tragikomödie im Kino gesehen hatten, gleich am nächsten Tag selbst Paten geworden sind.
 
Sie wohnen in München, und bald heißt es wieder „O’zapft is!“: Gehen Sie gerne auf die Wiesn?
Ich bin viele Jahre hingegangen, inzwischen war ich lange nicht mehr dort – vielleicht wird es wieder Zeit. Die Wiesn hat sich allerdings verändert: Als ich 1991 zum ersten Mal vor Ort war, sind die Menschen viel weniger in Tracht gekommen, während das inzwischen selbstverständlich beziehungsweise fast ein Zwang ist und teilweise an Fasching erinnert – Das sollte aber jeder so genießen, wie er möchte. Hinzu kommen die sozialen Medien: Früher nahm niemand eine Videokamera mit ins Festzelt, heute wird alles mit dem Handy gefilmt und auf Instagram und TikTok geteilt. Dadurch ist es für mich als öffentliche Person schwieriger geworden, dort einen unbeobachteten privaten Moment zu genießen. Das hat die Wiesn mit der Zeit einfach zu einem anderen Erlebnis werden lassen.

Unbedingt einschalten!

"Bloß nicht Liebe"

Nachdem schon wieder eine Beziehung gescheitert ist, setzt die verwitwete Innenarchitektin Viola Berger (Christina Große) endgültig einen dicken Schlussstrich unter ihr Liebesleben. Allerdings hat sie die Rechnung nicht mit dem Univer­sum gemacht. Dieses scheint wild entschlossen, sie von der Möglichkeit der Liebe zu überzeugen, indem es ihr charmante Männer zufliegen lässt. Aber nicht mit Viola! Wild entschlossen, Single zu bleiben, wittert sie überall Bedrohungen für ihr Herz – beispielsweise bei Hotelmanager und Geschäftspartner Benno (Tim Bergmann). Nur einer kann ihr sicher nicht gefährlich werden: ihr arroganter und unverschämter Nachbar, der Psychiater Dr. Justus Förster (Heino Ferch). Weil sie an dessen gebrochenem Knöchel nicht unbeteiligt ist, muss sich Viola zu allem Überfluss nun auch noch um ihn kümmern. Die romantische Komödie "Bloß nicht Liebe" ist ab September 2026 im ZDF und bereits vorab im ZDF-Streaming-Portal zu sehen.

Ein Jahr lang in der ZDF-Mediathek streamen

Sonntag, 13. September um 20:15 Uhr im ZDF