Die fünfte Jahreszeit lässt grüßen! Wissenswertes, Kurioses und alte Bräuche rund um das närrische Treiben

Zwischen Konfetti, Krapfen und Karneval

Wenn im Februar Konfetti durch die Straßen wirbelt, fantasievolle Kostüme Blicke auf sich ziehen und der hektische Alltag für einen Moment pausiert, ist klar: Fasching ist da! Die närrische Zeit lebt von Ausgelassenheit, Humor und Gemeinschaft – doch hinter dem bunten Treiben steckt weit mehr als Party und Umzug. Jahrhundertealte Traditionen, regionale Unterschiede und so manches kuriose Detail gestalten den Fasching zu einem kultur´ellen Phänomen, das jedes Jahr aufs Neue begeistert...

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Bild: stock.adobe

Wo alles seinen Anfang nahm
Die Ursprünge des Faschings reichen weit zurück und sind eng mit dem Lauf der Jahreszeiten verbunden. Bereits in vorchristlicher Zeit feierten Menschen Feste, um den Winter zu vertreiben und den Frühling willkommen zu heißen. Lärm, Verkleidungen und ausgelassene Tänze sollten böse Geister fernhalten und neues Leben begrüßen. 

Der Begriff „Karneval“ wird häufig vom lateinischen „carne vale“ abgeleitet, was sinngemäß „Fleisch, leb wohl“ bedeutet. Gemeint ist der Abschied von üppigen Speisen und weltlichen Genüssen vor der Fastenzeit. Die Tage davor entwickelten sich zu einer bewusst intensiven Phase des Feierns – ein letztes Auskosten vor der Enthaltsamkeit. Dieser Spannungsbogen zwischen Genuss und Verzicht prägt den Fasching bis heute.

Warum Fasching jedes Jahr anders fällt
Ein oft unterschätzter Fakt: Fasching hat kein festes Datum. Sein Ende ist untrennbar mit dem Aschermittwoch verbunden, der wiederum vom Ostertermin abhängt. Ostern richtet sich nach dem ersten Vollmond im Frühling, weshalb sich der gesamte Kalender verschiebt. Dadurch kann die närrische Zeit bereits im Januar Fahrt aufnehmen oder sich bis in den März hineinziehen.

Karneval, Fasching oder Fastnacht – mehr als nur Namen
Die Bezeichnung der närrischen Zeit ist stark regional geprägt. Im Rheinland spricht man selbstverständlich vom Karneval, in Bayern, Österreich sowie Sachsen vom Fasching, während im Südwesten Deutschlands und in der Schweiz die Fastnacht dominiert. 

Die Figur des Narren und ihre Bedeutung
Der Narr gehört seit Jahrhunderten fest zur europäischen Kulturgeschichte. Bereits im Mittelalter trat er in unterschiedlichen Formen auf – als Unterhalter an Fürstenhöfen, als Figur in Theater und Literatur oder als feste Größe der Fastnacht. 

Besonders die Hofnarren nahmen eine außergewöhnliche Stellung ein: Sie durften Herrschern mit Spott und Witz begegnen und Dinge aussprechen, die für andere undenkbar gewesen wären.

Im Fasching verkörpert der Narr bis heute genau diesen Ausnahmezustand. Er bewegt sich bewusst außerhalb gewöhnlicher Regeln, stellt Autoritäten infrage und hält der Gesellschaft auf humorvolle Weise den Spiegel vor. Kritik wird dabei nicht offen konfrontativ, sondern spielerisch verpackt – in Reden, Liedern oder satirischen Darstellungen auf Umzugswagen. Gerade diese Mischung aus Witz und Wahrheit lässt den Narren zu einer zentralen Figur der närrischen Zeit werden und erklärt, warum seine Funktion bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat.

Weiberfastnacht und der spielerische Machtwechsel
Ein besonders sichtbarer Ausdruck des faschingstypischen Rollentauschs ist die Weiberfastnacht. Am Donnerstag vor Rosenmontag übernehmen Frauen traditionell das Kommando – zumindest symbolisch und für einen Tag. 

Die Ursprünge dieses Brauchs reichen nach heutiger Kenntnis weit zurück und werden häufig im Mittelalter verortet. Gleichzeitig gilt der Karneval in seinen frühen Formen lange Zeit als überwiegend männlich geprägt.

In karnevalistischen Überlieferungen wird berichtet, dass im 19. Jahrhundert – teils mit Verweisen auf das Jahr 1824 – bestehende Machtverhältnisse zumindest zeitweise bewusst auf den Kopf gestellt werden sollten. In diesem Zusammenhang entwickelten sich feste Rituale, die Frauen sichtbar in den Mittelpunkt rückten. Eine einheitliche historische Datierung gibt es dabei nicht, wohl aber eine lange gelebte Tradition.

Bis heute zeigt sich dieser Rollenwechsel unter anderem im bekannten Abschneiden der Krawatten. Das Kleidungsstück gilt als Sinnbild männlicher Seriosität und Autorität und wird an diesem Tag ohne Pardon gekürzt. 

Der verbleibende Rest ist weniger Verlust als Zeichen des Mitmachens, das übliche Küsschen als Ausgleich unterstreicht den spielerischen Charakter des Brauchs. Für einen Moment gelten andere Regeln, Hierarchien werden humorvoll aufgehoben.

Untrennbar mit dem Karneval verbunden sind auch die Tanzgruppen mit ihren Funkenmariechen. Sie gehören ebenso selbstverständlich zum närrischen Treiben wie Kostüme, Kamelle und Musik. Weniger verbreitet ist jedoch, dass diese Rollen ursprünglich von Männern übernommen wurden. Der Name „Funken“ geht auf die früheren Kölner Stadtsoldaten zurück, die wegen ihrer auffälligen roten Uniformen so genannt wurden. 

Aus dieser militärischen Anspielung entwickelte sich im Laufe der Zeit eine der bekanntesten Figuren des Karnevals, die heute aus Umzügen und Sitzungen nicht mehr wegzudenken sind.

Warum Krapfen zur Faschingszeit gehören
Ein Fasching ohne Krapfen ist kaum vorstellbar. Der Ursprung dieser Tradition liegt im Mittelalter, als die Fastenzeit einen strengen Verzicht auf tierische Produkte bedeutete. Die Kirche empfahl daher, sich vorab noch einmal zu stärken.

Krapfen waren dafür ideal: energiereich und sättigend. Fett, Zucker und Mehl lieferten die nötige Kraft für die entbehrungsreiche Zeit danach. So wurde aus einer praktischen Empfehlung ein kulinarischer Brauch, der sich bis heute gehalten hat.

FAZIT:
Fasching ist weit mehr als ein buntes Spektakel. Er ist ein kulturelles Ventil, ein Spiegel der Gesellschaft und ein Stück gelebter Geschichte. Wer die Hintergründe kennt, sieht hinter dem Konfetti mehr als nur Dekoration. Vielleicht liegt genau darin der Zauber der närrischen Zeit: Sie verbindet Wissen mit Vergnügen und zeigt, dass Ausgelassenheit und Tradition kein Widerspruch sein müssen. 

*Alle Angaben ohne Gewähr