Erstes Erinnerungslabor Allgäuhalle 2026

Kempten gestaltet gemeinsam Erinnerung

Das Kulturamt der Stadt Kempten (Allgäu) präsentiert vom 20. Juni bis 2. August 2026 am historischen Ort das erste „Erinnerungslabor Allgäu-halle“. In der Halle II wird eine Plattform geschaffen, auf der vier individuelle Ausstellungsbeiträge zusammenkommen, die sich mit der jüngeren Vergangenheit von Kempten und dem Allgäu beschäftigen.

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Das Kulturamt der Stadt Kempten (Allgäu) präsentiert vom 20. Juni bis 2. August 2026 am historischen Ort das erste „Erinnerungslabor Allgäu-halle“Bild: Stadt Kempten
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Die Allgäuhalle war von 1944 bis 1945 ein Außenlager des KZ Dachau. Auf dem Außen-gelände stand in dieser Zeit das „Ostarbeiter-Lager“, ein Arbeitslager für Zwangsarbeite-rinnen und Zwangsarbeiter. Nachdem im Jahr 2025 mit dem Projekt „Butter, Vieh, Ver-nichtung – Nationalsozialismus und Landwirtschaft im Allgäu“ die Allgäuhalle erstmals auch als Ort der Erinnerung sichtbar gemacht und gewürdigt wurde, sollen die beiden Hallen und das Gelände auch zukünftig ein lebendiger Ort in Kempten sein, der Ge-schichte, Gegenwart und Zukunft verbindet.
"Eine lebendige, verantwortungsbewusste Stadt wie Kempten erzählt auch ihre Geschichte lebendig, schonungslos und partizipativ,“ so Oberbürgermeister Christian Schoch. „Für das beschämende, schwere Kapitel der NS-Geschichte und dessen Folgen finden wir mit dem ersten Erinnerungslabor in der Allgäuhalle eine geeignete Form, um an einem historischen und markanten Ort die Perspektive der Stadtgesellschaft aufzuzeigen und jedermann zugänglich zu machen."

Vier Ausstellungsbeiträge – vier Perspektiven auf Geschichte
Die Beiträge der Ausstellungen sind von einem Künstler, einem Fotografen, einer Schul-klasse und dem Kulturamt der Stadt gestaltet und zeigen die jeweiligen Aspekte, die den einzelnen Beteiligten wichtig sind. Das Kulturamt der Stadt mit der Ausstellungsleiterin Dr. Christine Müller Horn schafft damit einen Rahmen, um künstlerische Positionen und partizipativ Zugänge zur NS-Geschichte sichtbar zu machen.

„Ein Erinnerungslabor ist mehr als eine Ausstellung. Es ist die Möglichkeit, über historische Inhalte heute ins Gespräch zu kommen. Gerade in der Allgäuhalle, die als Viehauktionshalle und KZ-Außenlager ganz unterschiedliche Teile der Allgäuer Ge-schichte vereint, finden wir einen wirkungsvollen Raum für die partizipative Geschichts-arbeit in unserer Stadt,“ sagt Dr. Veronika Heilmannseder, Stabsstelle Stadtgeschichte & Public History des Kulturamts Kempten. „Um ihrer komplexen Vergangenheit und einer verantwortungsvollen Erinnerungskultur gerecht zu werden, haben wir die Teilausstel-lungen sorgfältig fachlich beraten und begleitet.“

Die Beteiligten am Erinnerungslabor 2026 sind:

• Das Kulturamt der Stadt Kempten (Allgäu) mit der Ausstellung „Straßennamen auf dem Prüfstand: Nazi-Spuren – nein, danke"
Um auszuschließen, dass es in Kempten Straßen gibt, die nach NS-Unterstützern heißen, hat die Stadt Kempten im Auftrag des Stadtrats ihre Straßennamen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern überprüfen lassen. Die Ausstellung informiert, welche Straßennamen in Kempten auf dem Prüfstand stehen.

• Der Fotograf Fabio Scaturro mit der Ausstellung: „Produkte der Vergangenheit. NS-Tatorte im Allgäu“
Das Fotoprojekt fokussiert auf ehemalige NS-Tatorte, die heute das gängige Stadtbild und die Region Allgäu prägen. Besonderes Augenmerk erhielten jene Orte, die einen Wandel vollzogen haben – vom ehemaligen Tatort hin zu einem Ort der Vielfalt, Freiheit oder Begegnung.

• Der Künstler Christian Hof mit der Ausstellung „Dateneinsicht [1937]“ und „Datensammlung [1937]“
Der Kemptener Künstler zeigt zwei Werke, die sich mit Erinnerungen beschäftigen und sich über verschiedene Zugänge dem Alltag in der Zeit des Nationalsozia-lismus nähern. Originalgegenstände und NS-Zeitdokumente machen das Leben in Kempten um 1937 erfahrbar.

• Ein P-Seminar des Allgäu-Gymnasiums mit der Ausstellung „80 Jahre Flucht, Vertreibung, Neuanfang in Kempten“
Die Ausstellung der Schülerinnen und Schüler des Allgäu-Gymnasiums informiert über die Aufnahme von 10.000 Geflüchteten und Heimatvertriebenen in Kempten nach dem 2. Weltkrieg und deren Erfahrungen beim Neuanfang.