Fische in Hitze-Not: Die LEW reaktiviert mit Fischerei Karstquelle an der Donau und schafft kühlen Rückzugsraum

cropped-1787132983-pressefoto
Gemeinsam für den Fischschutz (v.l.): Stefan Zott, Fischereiverband Schwaben, Günther Ruck, Fischereigenossenschaft Schwäbische Donau, Arthur Weißenburger, LEW, Dr. Olive...Bild: LEW/Jonas Ziegler

Wenig Niederschläge im vergangenen Winter und Frühling sowie die anhaltende Hitze in diesem Sommer wirken sich zunehmend auf die Flüsse aus. Die Wassertemperaturen liegen derzeit auf einem für viele Fischarten kritischen Niveau. Viele heimische Fische wie Barbe, Huche und Nase geraten dadurch unter erheblichen Stress, Jungfische reagieren besonders empfindlich. Sie sind auf kühle, sauerstoffreiche Rückzugsräume angewiesen, um Hitzephasen unbeschadet zu überstehen.

Um Fischen auch unter diesen Bedingungen diese geeigneten Rückzugsräume zu bieten, hat der örtliche Fischereirechtsinhaber und Vorsitzende der Fischereigenossenschaft Schwäbische Donau Günther Ruck nun gemeinsam mit der LEW einen natürlichen Kaltwasserzulauf zu einem Nebengewässer der Donau bei Gundelfingen wiederhergestellt. Große Unterstützung erhielt das bisher erste Kältepool-Projekt in Schwaben von der Fischereifachberatung und vom Fischereiverband Schwaben.

Reaktivierung einer Karstquelle
Ziel der Maßnahme war die Reaktivierung einer Karstquelle, aus der kühles Wasser aus dem Karstgrundwasserleiter natürlicherweise an die Erdoberfläche drückt. Diese speist einen Graben, der bereits 2017 so umgestaltet wurde, dass er ein großräumiges Verbundsystem zwischen Donau und Brenz bildet und heute einen regional einzigartigen Biodiversitäts-Hotspot darstellt. Insbesondere das Hochwassers 2024 und die damit verbundenen Sedimentablagerungen hatten den Austritt der Karstquelle erheblich beeinträchtigt, sodass im aktuellen Hitzesommer kaum noch kühles Wasser in den Graben floss.

Günther Ruck machte im Rahmen seiner Hegeverpflichtung auf den Handlungsbedarf aufmerksam, die Fischereifachberatung begleitete das Vorhaben fachlich und die LEW setzte als Unterhaltungspflichtige des Gewässers die erforderlichen Maßnahmen im Rahmen des Gewässerunterhalts unbürokratisch um.

Dafür wurde die Karstquelle von LEW-Mitarbeitern mit einem Bagger freigelegt, Sediment aus dem Gewässer entfernt und der zugewachsene Bereich von Gehölzen und Verbuschungen befreit. Seither kann das kühle Grundwasser den Graben wieder zuverlässig kühlen. Lt. Stefan Zott, dem Geschäftsführer des Fischereiverbandes Schwaben können aktuell bereits zwei Grad Abkühlung bei einigen Fischarten über Leben und Tod entscheiden.

Anpassung der Gewässer an den Klimawandel nötig

Die Vernetzung von Gewässersystemen und die Wiederherstellung von Kaltwasserrückzugsräumen ist Teil eines umfassenderen Ansatzes zur Anpassung der Gewässer an den Klimawandel. Je nach Standort kommen unterschiedliche Maßnahmen zum Einsatz: Von Quellsanierungen wie hier an der Donau über den verschatteten Fischunterstand an der Iller bis zur Revitalisierung von Auwäldern wie am Lech, wo die LEW gezielt kaltes Wasser in die Auebäche leitet.

Gemeinsam verfolgen die Projektpartner das Ziel, Flüsse und Nebengewässer langfristig widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen und die biologische Vielfalt auch unter sich verändernden klimatischen Bedingungen zu erhalten. Kaltwasserrückzugsräume sind dabei ein wichtiger Baustein, um Fischen auch in Zeiten extremer Hitze und ungewöhnlich hoher Wassertemperaturen das Überleben zu sichern.

Zitate:

„Kaltwasserrückzugsräume werden für viele heimische Fischarten zu einem Schlüsselfaktor bei der Anpassung an den Klimawandel. Das Beispiel in Gundelfingen zeigt, dass bereits die Reaktivierung eines natürlichen Kaltwasserzuflusses einen wertvollen Rückzugsraum schaffen kann. Solche Strukturen sind jedoch selten und regional sehr unterschiedlich verteilt. Deshalb müssen wir heute die Grundlagen dafür schaffen, diese Kältepools systematisch zu kartieren und zu schützen. Dieses Wissen wird entscheidend sein, um Fischen in künftigen Hitze- und Niedrigwasserperioden schnell geeignete Überlebensräume zur Verfügung zu stellen“, sagt Dr. Oliver Born, Fischereifachberater des Bezirks Schwaben.

„Wir brauchen noch viele weiterer solcher Maßnahmen in Schwaben wie dieses Musterbeispiel zeigt. Wenn Bürokratie und andere Hindernisse solche wichtigen Notmaßnahmen ausbremsen, müssen wir sie schnell aus dem Weg räumen. Denn die Zeit drängt. Die Klimakrise wartet nicht, und wir können es uns nicht leisten, beim Schutz unserer heimischen Gewässer länger zu zögern,“ so Stefan Zott, Geschäftsführer des Fischereiverband Schwaben e.V.

„Mit der Freilegung der Karstquelle konnten wir dazu beitragen, dass wieder mehr kaltes Grundwasser in den Altarm der Donau in Gundelfingen gelangt. Für uns ist das ein gutes Beispiel, wie wir gemeinsam mit der Fischerei mit gezielten Maßnahmen die heimischen Fische in Hitzeperioden unterstützen können“, sagt Oliver Thalmeir, Leiter Wasserbaubetrieb bei der LEW."