Zentralbanker: Digitaler Euro und Bezahldienst Wero stehen nicht in Konkurrenz

Dem obersten französischen Zentralbanker zufolge stehen das Vorhaben eines digitalen Euro sowie private Bezahldienste wie Wero nicht in Konkurrenz zueinander. Der in einer öffentlich-privaten Kooperation konzipierte digitale Euro "wird keine Bedrohung für private europäische Zahlungslösungen darstellen, sondern vielmehr als Katalysator wirken", sagte der Gouverneur der Banque de France, François Villeroy de Galhau am Dienstag in Paris.

Der digitale Euro soll zukünftig als zusätzliche Bezahloption neben Bargeld in der Eurozone eingesetzt werden. Er soll allen Menschen kostenlos in einer digitalen Geldbörse, einer sogenannten Wallet, zur Verfügung stehen, eins zu eins ans Bargeld gekoppelt sein und von der Europäischen Zentralbank ausgegeben werden. Grundgedanke ist, sich von großen US-Zahlungsdienstleistern unabhängig zu machen.

Die European Payment Initiative (EPI), ein Zusammenschluss europäischer Banken und Zahlungdienstleister, arbeitet ihrerseits an einem europäischen Bezahldienst namens Wero, um US-Größen wie Visa, Mastercard und Paypal Konkurrenz zu machen. EPI hatte Anfang November eine Überarbeitung der Pläne des digitalen Euros gefordert, weil dieser andernfalls den Erfolg von Wero schmälern könnte.

"Wir dürfen uns nicht im Kampf irren", sagte dazu Villeroy de Galhau. "Es geht nicht um öffentlich gegen privat in Europa, sondern vielmehr um Europa gegenüber den Vereinigten Staaten." Die großen US-Zahlungdienstanbieter dominieren in der EU den Markt und kassieren von den Händlern dafür hohe Gebühren. Der digitale Euro soll laut dem französischen Zentralbankchef "ein Schlüssel zur Lösung" dieses Problems sein.

Wero bot seinen Nutzern zunächst lediglich die Möglichkeit, sich gegenseitig Geld in Echtzeit und ohne Austausch von Kontodaten zu schicken. In den vergangenen Wochen starteten in Deutschland einzelne Händler erste Kooperationen, um Wero auch als Bezahlmethode zu etablieren. Bislang steht Wero den Kunden von 16 französischen, deutschen, belgischen und niederländischen Banken zur Verfügung, darunter etwa die Postbank, die ING oder die Volksbanken.