Generation Y: Generation Beziehungsunfähig?

Was diese Generation ausmacht

Der Wind weht uns sanft über das Gesicht, während wir nur mit unserem Rucksack bepackt durch die Wälder streifen, auf dem Weg zur Selbstfindung. Einen Partner brauchen wir nicht – ach was: wollen wir nicht! Wir lieben uns selbst und pflegen diese eigene Beziehung mit einer noch nie dagewesenen Leidenschaft. Der Mate-Tee-Durst überkommt uns und wir suchen im nächsten Dorf nach einem WLAN-fähigem Café, dass auf nachhaltige Produkte spezialisiert ist. Dieser kulinarische Schatz wird sofort im eigenen Blog gepostet und mit kunstvoll belichteten Bildern verziert. So oder so ähnlich könnte das Bild eines Menschen aus der Generation Y aussehen… oder nicht?

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Wer zählt zu der Generation Y?

Menschen, die etwa zwischen 1980 und 2000 geboren wurden, dürfen sich zu den Mitgliedern der Generation Y zählen. Je nach Quelle hat dieses Jahrgangspublikum eine Vielzahl von Namen: Millennials (dt.: „Jahrtausender“), „Generation Me“ oder auch „Generation Why“ (dt.: warum). Daneben ist sie die erste der Digital Natives – heißt: Die erste Generation, die in der digitalen Welt großgeworden ist. 

Was diese Generation ausmacht

Generation Y ist dafür bekannt, Althergebrachtes in Frage zu stellen - sozusagen die Revolutionäre der bequemen Gewohnheit. Die Gen Y stellt damit die Arbeitswelt auf den Kopf und ist auf selbigen nicht gefallen, denn sie hat größtenteils einen akademischen Hintergrund. Menschen dieser Jahrgänge streben nach Selbstbestimmung. Die junge, motivierte und technikaffine Altersgruppe will selbst denken und handeln und zudem eigenverantwortlich, mobil und flexibel arbeiten. Es klingt fast so, als hätten diese Jahrgänge Superkräfte, mit denen sie nach Sinnhaftigkeit, Transparenz und Nachhaltigkeit streben. Glück geht vor Geld. Leistung und Lebensgenuss gehören für die Ypsiloner untrennbar zusammen. Sie haushalten mit ihren Kräften und achten penibel auf ihre eigenen Bedürfnisse und gehen dabei weniger Kompromisse ein als vorherige Generationen – so auch in Beziehungen. 

Generation Y und die Liebe

Die Egotaktiker gelten als höchst beziehungsunfähig. Wir fragen uns: Von wem kommt diese wagemutige These? Laut der Shell Jugendstudie 2015 stehen Werte wie Freundschaft, Partnerschaft und Familie bei den Millenials an erster Stelle. Von einer generellen Beziehungsunwilligkeit kann bei dieser Generation, die so sehr nach ewiger Liebe strebt, nicht die Rede sein. Vielleicht können wir ihr zumindest eines attestieren: Leichte Startschwierigkeiten. Frei nach dem Motto „Binden lieber unverbindlich“ ist der Unabhängigkeitswunsch sehr ausgeprägt. 65 Prozent der Generation-Y-Singles meinen, sie treffen häufiger auf Männer und Frauen, die sich nicht festlegen wollen. Sie fordern neue Familienmodelle, setzen auf Gleichberechtigung und brechen bisherige Tabus. 

Laut Wissenschaftlern gibt es eine große Sehnsucht nach der klassischen stabilen, tragfähigen Partnerschaft. Nur die Ansprüche an eine Beziehung, sowohl an das, was sie leisten soll als auch die Art, sie zu führen, hat sich deutlich verändert. Der Partner soll das eigene Ich beflügeln, zunehmend perfekt sein und möglichst gut ins Lebenskonzept passen. Das Gefühl, dass es immer noch etwas geben könnte, was das Leben besser macht, ist präsent wie noch nie. Partnerschaften sind Teil des Optimierungswahns geworden. 

Summa summarum ist allerdings zu bezweifeln, dass die Generation „Aufbruch“ beziehungsunfähig ist, denn jeder braucht in irgendeiner Form menschliche Nähe und einen emotionalen Anker. Nur der Bindungsstil hat sich durch die übertriebenen Ansprüche verändert.  | Text: Stefanie Steinbach