Plácido Domingo sagt auch Auftritt anlässlich der Olympischen Spiele in Tokio ab

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Plácido Domingo tritt nicht in Tokio aufBild: AFP/Archiv / Dimitar DILKOFF

Nach den Belästigungsvorwürfen gegen Plácido Domingo hat der spanische Opernstar auch seine Beteiligung an einer Aufführung anlässlich der Olympischen Sommerspiele in Tokio abgesagt. Nach "reiflicher Überlegung" habe er sich entschieden, nicht an der Inszenierung einer traditionellen japanischen Kabuki-Oper teilzunehmen, hieß es am Freitag in einer Mitteilung der Organisatoren der Olympischen Spiele. In den vergangenen Monaten wurden bereits eine Reihe von Konzerten des Sängers in den USA abgesagt.

Die Kabuki-Inszenierung mit dem Spanier sollte im April als Event im Vorfeld der Olympischen Spiele aufgeführt werden, die rund drei Monate später in der japanischen Hauptstadt stattfinden. Domingo begründete seine Absage mit der "Komplexität des Projekts". Auf die gegen ihn erhobenen Belästigungsvorwürfe ging der Sänger und Dirigent nicht ein.

Die US-Nachrichtenagentur Associated Press hatte im August Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen den gefeierten Opernsänger publik gemacht. Mittlerweile haben 20 Frauen Domingo vorgeworfen, ihnen Küsse aufgezwungen, sie begrapscht oder ohne ihr Einverständnis gestreichelt zu haben.

Die Fälle reichen bis in die 80er Jahre zurück. Medienberichten zufolge blieb Domingos Verhalten lange folgenlos, weil er als einer der größten Opernstars der Welt unantastbar schien. Der 78-Jährige weist die Vorwürfe zurück und versicherte, dass all seine sexuellen Beziehungen und Handlungen "immer willkommen und einvernehmlich" gewesen seien.

Die Vorwürfe haben insbesondere Domingos Karriere in den USA geschadet. So sah er sich gezwungen, all seine Auftritte an der New Yorker Met abzusagen. Auch Konzerte des Spaniers in Philadelphia, San Francisco und Dallas wurden abgesagt.

Anfang Oktober trat Domingo als Generaldirektor der Oper von Los Angeles zurück. "Jüngste Anschuldigungen, die gegen mich in der Presse vorgebracht wurden, haben eine Atmosphäre geschaffen, in der meine Fähigkeit beeinträchtigt wurde, dieser Kompanie, die ich so sehr liebe, zu dienen", erklärte er zur Begründung.

In Europa trat Domingo in den vergangenen Monaten hingegen weiterhin auf. Bei den Salzburger Festspielen erntete der Sänger, der früher Tenor war und mittlerweile Bariton singt, Ende August großen Jubel und viel Applaus. Es folgten Auftritte im ungarischen Szeged und im Oktober in Zürich und Moskau.