Jean-Remy v. Matt beim Marketing Club Ulm/Neu-Ulm

Erzählungen aus einem kreativen Leben

Dem Marketingclub Ulm/Neu-Ulm gelingt es immer wieder, für seine Mitglieder spannende und themenbezogene Vorträge zu organisieren. Für den 15.04.26 konnte mit Jean-Remy von Matt ein Gast gewonnen werden, der schon im Vorfeld die Kapazitäten an die Grenzen brachte und vor "vollem Haus" sprach.

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Bild: TRENDYone
Jean-Remy von Matt, der mit seinem Co-Partner Jung vor 35 Jahren die Agentur Jung v. Matt grundete, erzählte aus seinem kreativen Leben und er begeisterte damit. Die Zuhörer lernten den Mann kennen, dessen "Sprüche" sie immer schon hörten - oft ohne zu wissen, von wem sie kamen.

"Geiz ist geil" oder "3 2 1 meins" wurden zu geläufigen Floskeln der Alltagssprache, dahinter steckte er mit einer der größten Werbeagenturen Deutschlands. Heute ist er dort Aufsichtsrat und hat dort, wie er sagt nichts mehr zu sagen, ist nur noch "Bedenkenträger" Er hat seine Zeit danach auch damit genutzt, ein Buch zu schreiben, in dem er in sympathisch launig verfassten, 77 Kapiteln aus seinem kreativen Leben berichtet. Besonderheit in seinem Buch ist der Umstand, dass er schon auf dem Titel darauf hinweist, dass das Buch zum Ende hin immer schlechter wird. Er erläutert auch, warum das so ist, denn er selbst hat in seinem Leben Sachbücher immer nur zur Hälfte gelesen. Er ging davon aus, dass Autoren ihr Pulver bereits in der ersten Hälfte verschossen haben und dann nur noch Zusammenfassungen des bereits Gelesenen kommen. Er hat damit wohl doppelt so viele Bücher zur Hälfte gelesen wie andere ganze.

In seinem Vortrag erzählte er auch von drei Schlüsselerlebnissen, die ihn auf seinen späteren Weg brachten. Darunter ist eine Ohrfeige, ein Rauswurf und eine Begegnung. Auffallend ist dabei, auch negative Erlebnisse prägen.

Die Ohrfeige gab es dafür, weil Jean-Remy in der Grundschule ein blutendes Mädchen bat, seine Feder in das rote Blut eintauchen zu dürfen, um etwas damit zu kolorieren.
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Kreativität wird nicht immer gleich belohnt. 

An seinem vorletzten Tag in einer Klosterschule wurde er für eion Vergehen bestraft, er wusste es nicht mehr genau - wahrscheinblich war es Rauchen. Wie er sagte, hielt er die Strafe für gerechtfertigt udn auch für angemessen, 100mal "gelobt sei der Herr" zu schreiben. Einzig den Satz hielt er für zu langweilig, ihn 100mal aufzuschreiben und er änderte den einfach ab in "gelobt sei die Freiheit". Der Rauswurf aus der Klosterschule folgte direkt.

Das dritte Schlüsselerlebnis prägt sich besonders ein. Es war der Tag der Scheidung, von seiner ersten Frau. Sie brachte ihren neuen Lebensgefährten mit zum Gerichtstermin. (man konnte eine kurze Sprechpause wahrnehmen, ob er die bewusst einbaute?) Jedenfalls empfand Jean-Remy von Matt den sofort als sehr sympathisch und er verstand sich sofort mit ihm, Holger Jung. Mit ihm gründete er 1991 die Agentur Jung von Matt. Die spätere Erfolgsgeschichte ist bekannt.

Auffallend bei Jean-Remys Vortrag war die Unauffälligkeit dieses Mannes. Er hat in seinem Metier alles erreicht, könnte Starallüren zeigen, die man ihm verzeihen würde. Aber man lernt einen normalen Menschen kennen, der in einer ruhigen Art, mit feinem Humor, Andere für sich gewinnt und nachwirkt. Dies und seine Kreativität, die nie spontan auftrat, immer erarbeitet wurde, sind wohl die entscheidenen Erfolgsgeheimnisse seines Lebenswerks.