Kleine Dinge, großer Trend: Warum Produkte immer kompakter werden
Technik hatte früher die Angewohnheit, ziemlich viel Platz zu brauchen. Mobiltelefone waren klobig, Kopfhörer kamen mit Kabelsalat und wer unterwegs gute Fotos machen wollte, schleppte eine separate Kamera mit sich herum. Heute passt vieles davon in eine Jackentasche.
Dabei werden nicht nur die Gegenstände kleiner, die wir öffentlich benutzen. Auch Produkte aus sehr persönlichen Lebensbereichen folgen inzwischen diesem Prinzip. Selbst im Schlafzimmer zeigt sich, dass modernes Design zunehmend auf kompakte Formen, Diskretion und unkomplizierte Nutzung setzt.
Auch Intimität wird mobiler
Dass sich dieser Trend bis in unser Privatleben fortsetzt, ist eigentlich ziemlich logisch. Wer für ein Wochenende verreist oder häufiger unterwegs ist, hört schließlich nicht plötzlich auf, persönliche Routinen zu haben. Hautpflege kommt mit, die Lieblingsmusik steckt im Smartphone und Dinge, die zum eigenen Wohlbefinden gehören, bleiben ebenfalls nicht zwangsläufig zu Hause.Das gilt auch für Sexual Wellness. Sextoys waren lange nicht gerade für zurückhaltendes Produktdesign bekannt. Mittlerweile hat sich die Kategorie jedoch sichtbar verändert. Viele neuere Modelle sehen weniger auffällig aus, sind leichter und lassen sich unkomplizierter verstauen. Hersteller reagieren damit auf eine ziemlich praktische Frage: Warum sollte ein intimes Produkt unnötig groß sein, wenn die Technik auch in einem kleineren Gehäuse funktioniert?
Besonders für Menschen, die regelmäßig reisen, kann genau das interessant sein. Ein kompakter Mini Vibrator nimmt im Kulturbeutel oder Gepäck kaum Raum ein und lässt sich dadurch wesentlich einfacher mitnehmen als ein größeres Modell. Das macht ihn nicht nur zu einer kleineren Version eines bekannten Produkts. Das Format passt zu einer Vorstellung von Intimität, bei der Selbstbestimmung und persönliches Wohlbefinden nicht an die eigenen vier Wände gebunden sein müssen.
Ob jemand auf Geschäftsreise ist, ein Wochenende allein verbringt oder mit dem Partner verreist, spielt dabei kaum eine Rolle. Intimität ist schließlich ein persönlicher Teil des Lebens und verschwindet nicht, nur weil man gerade in einem Hotel statt im eigenen Schlafzimmer schläft.
Interessant ist auch, wie selbstverständlich sich das Design solcher Produkte verändert hat. Statt möglichst auffälliger Formen setzen viele Hersteller auf eine Optik, die sich problemlos zwischen Kosmetik, Pflegeprodukten und anderen persönlichen Gegenständen verstauen lässt. Gerade bei intimen Dingen kann diese Zurückhaltung ein echter Vorteil sein.
Warum klein heute mehr können muss
Ein Produkt einfach zu verkleinern reicht allerdings nicht. Je kompakter ein Gerät wird, desto schwieriger wird es, Leistung, Akkulaufzeit und angenehme Bedienung miteinander zu verbinden. Das gilt für Kopfhörer genauso wie für Beauty-Gadgets oder intime Produkte.Genau darin steckt ein großer Teil der Entwicklung. Moderne Akkus benötigen weniger Platz, Motoren werden effizienter und Bedienelemente lassen sich reduzieren, ohne dass ein Gerät komplizierter werden muss. Was früher ein größeres Gehäuse erforderte, kann heute teilweise auf erstaunlich wenig Raum untergebracht werden.
Reisen macht den Vorteil besonders offensichtlich. Wer schon einmal nur mit Handgepäck unterwegs war, kennt die plötzlich sehr ernsthafte Diskussion mit sich selbst darüber, was wirklich mitmuss. Kosmetik wandert in kleinere Behälter, ein E-Reader ersetzt mehrere Bücher und ein kompaktes Ladegerät versorgt gleich mehrere Geräte.
Warum sollte ausgerechnet bei persönlichem Wohlbefinden eine andere Regel gelten?
Gleichzeitig hat sich auch die Einstellung zu intimen Produkten verändert. Sie werden häufiger als Teil von Sexual Wellness und der Beschäftigung mit dem eigenen Körper betrachtet, statt ausschließlich mit einem bestimmten Beziehungsstatus verbunden zu werden. Dadurch verändern sich auch die Erwartungen an das Design. Produkte sollen praktisch sein, gut aussehen und zum tatsächlichen Alltag ihrer Nutzer passen.
Vielleicht erklärt das den Mini-Trend besser als jede technische Spezifikation. Wir wollen nicht unbedingt weniger Dinge benutzen. Wir möchten nur nicht mehr, dass jedes einzelne davon unnötig viel Platz beansprucht.
Und so schrumpft nach Kopfhörern, Kameras und Kosmetik eben auch so manches, das früher hauptsächlich in der Nachttischschublade geblieben wäre. Der Koffer freut sich vermutlich darüber.




