Lambo Luki im exklusiven Interview: Vollgas am Ballermann – Warum aus dem Song "Winterdienst" plötzlich ein Millionen-Hit wurde
Von Spotify zum Bierkönig
Ein viraler Song, über vier Millionen Streams, ein Major-Label-Vertrag und Auftritte im Bierkönig – für viele klingt das nach einem jahrelang geplanten Karriereschritt. Bei Lambo Luki war es eher eine Mischung aus Bauchgefühl, Timing und einer gehörigen Portion Mut. Mit seinem Song „Winterdienst“ traf der Newcomer aus Bayern völlig unerwartet den Nerv der Zeit und wurde innerhalb weniger Monate zu einem der spannendsten neuen Namen der Partyschlager-Szene. Im Interview mit unserer Redaktionsleitung Jana Dahnke spricht er über seinen rasanten Aufstieg, die Realität hinter den Ballermann-Klischees und über die Bedeutung von Nahbarkeit…
Lambo Luki: Nein, gar nicht. Das war eher so ein Social-Media-Ding. „Luki“ als niedliche Version von Lukas und dann dazu der Lamborghini – komplett drüber, aber genau deshalb fand ich’s lustig. Vor allem kann man sich den Namen gut merken. (Lacht)
Als du „Winterdienst“ hochgeladen hast – Was war der Plan?
Eigentlich hatte ich vor, mit einem anderen Song mein Debüt zu starten. Doch dann kam der Wintereinbruch. Überall war von Schneechaos und Winterdienst die Rede, und da wurde mir klar: Ich habe bereits einen fertigen Song namens „Winterdienst“ – besser könnte das Timing kaum sein. Deshalb habe ich mich spontan umentschieden und den Song veröffentlicht. Dass dann tatsächlich ein richtiger Winter kam und der Song so gut ankam, war natürlich die perfekte Ergänzung.
Heute wird Musik oft bis ins Detail geplant. Bei Dir klang das eher nach Bauchgefühl?
Definitiv! Heute weiß ich zum Beispiel, dass Songs immer freitags veröffentlicht werden – Das ist der große Release-Tag. Freitag null Uhr geht's los, damit Spotify den Song die ganze Woche im Algorithmus hat. Ich habe „Winterdienst“ einfach irgendwann Ende November hochgeladen. Nicht an einem Freitag. Ich kannte diese ganzen Regeln überhaupt nicht und bin da komplett unbedarft reingelaufen.
Gab es einen Moment, in dem Du realisiert hast: „Winterdienst“ ist mehr als nur ein spontaner Upload?
Ja, definitiv. Als wir gesehen haben, wie sich der Song auf Social Media verbreitet, wurde uns klar, dass da etwas Besonderes passiert. Gemeinsam mit Malle Marc habe ich „Winterdienst“ komplett organisch aufgebaut – ohne Support, ohne Vitamin B und ohne große Reichweite im Rücken. Uns kannte damals schließlich noch niemand. Umso beeindruckender war es zu sehen, wie immer mehr Menschen den Song für ihre Videos nutzten und ihn weiterverbreiteten. Aus dieser Eigendynamik entwickelte sich nach und nach ein echter Trend, der schließlich auch die Musikbranche aufmerksam machte.
Kurz darauf kam der Vertrag mit Electrola / Universal Music zustande…
Das war natürlich verrückt! Viele Künstler träumen jahrelang davon. Ich habe mir damals gesagt: Wenn jetzt eine Tür aufgeht, dann musst du durchgehen. Viele werden zum One-Hit-Wonder, weil sie zögern. Ich wollte lieber all-in gehen.
Dann meldete sich plötzlich HONK! ...
Ja, das kam ziemlich überraschend. HONK! fragte Malle Marc und mich, was wir mit „Winterdienst“ im Sommer vorhaben – schließlich lässt sich ein Song über Winterdienst bei 35 Grad nur schwer verkaufen. (Lacht) Damit hatte er natürlich einen Punkt. Aus diesem Gespräch entstand die Idee zu „Thekendienst“. Die Melodie wollten wir bewusst beibehalten, weil die Leute sie bereits kannten und gefeiert haben. Wenig später standen wir dann gemeinsam mit HONK! beim Mallorca-Opening im Bierkönig auf der Bühne. Ein voller Laden, unglaubliche Stimmung – ein Moment, den wir garantiert nie vergessen werden.
Der erste Auftritt im Bierkönig ist für viele Künstler wie eine Prüfung. Was war Dein erster Gedanke, als Du die Menge gesehen hast: „Ich reiße die Hütte ab“ oder „Mal schauen, ob das hier heute zündet“?
Natürlich war ich aufgeregt. Die entscheidende Erfahrung hatte ich allerdings schon bei meinem allerersten Auftritt im Winter gemacht. Als ich damals auf die Bühne gegangen bin und die Reaktion der Leute erlebt habe, ist bei mir sofort ein Feuer entfacht. In diesem Moment wusste ich ganz genau: Das ist es. Genau das möchte ich machen. Deshalb war die Aufregung zwar auch später noch da, aber nie im Sinne von „Mal schauen, ob das etwas für mich ist“. Diese Frage war für mich schon beantwortet. Ich liebe die Energie zwischen Bühne und Publikum. Die Leute merken sofort, ob jemand Spaß an dem hat, was er macht oder einfach nur sein Programm abspult. Mir ist diese Leichtigkeit wichtig – eine gute Zeit haben und die Menschen mitnehmen. Wenn das ehrlich rüberkommt, entsteht die beste Stimmung.
Was hat Dich am Ballermann am meisten überrascht?
Tatsächlich, wie wenig die typischen Klischees eigentlich mit der Realität zu tun haben. Von außen denken viele beim Ballermann nur an Alkohol und wilde Partys. Klar wird gefeiert, aber was viele nicht sehen: Die Stimmung ist unglaublich herzlich und die Menschen sind total offen. Da sitzen Familien, Freundesgruppen, Junggesellenabschiede und Menschen aus allen Altersklassen zusammen und haben einfach eine gute Zeit. Außerdem ist die Insel natürlich wunderschön. Diese Mischung aus Sonne, Meer, guter Laune und den vielen Urlaubern, die alle mit einem Lächeln unterwegs sind, macht schon etwas Besonderes aus. Das hatte ich so ehrlich gesagt nicht erwartet!
Was war das Verrückteste, was ein Fan bisher am Ballermann von Dir wollte – Autogramm auf die Stirn oder ein gemeinsames Wettsaufen?
In der kurzen Zeit habe ich noch keine richtig krassen Storys auf Lager. Im Bierkönig wollte eine ältere Dame unbedingt ein Autogramm auf ihrer Bluse und dafür bekam ich auch einen richtig dicken Schmatzer auf die Wange. (Lacht) Das fand ich total süß. Und dann gab es noch die Winterdienstler aus dem Schwarzwald, die ihren Junggesellenabschied im Bierkönig feierten und mir einen Liter Asbach-Cola zum exen hingestellt haben – als Beweis, dass ich wirklich Lambo Luki bin.
Hast Du Deinen Job an den Nagel gehängt, oder läuft das aktuell noch parallel?
In meinem Kopf bin ich zwar Vollblut-Ballermann-Künstler, aber ich halte bewusst an meinen Handwerksbetrieben fest, denn das gibt mir Freiheit! Wenn Musik mein einziges Standbein wäre, würde schnell Druck entstehen und das möchte ich nicht.
Pendeln zwischen Neusäß und Palma: Wie hart ist der Kulturschock, wenn Du morgens noch im beschaulichen Bayern bist und abends im Party-Mekka auf der Bühne stehst?
Eigentlich liebe ich beides. Vor ein paar Stunden bist du noch mitten im Trubel auf Mallorca – Vollgas, Bühne, Menschen, Adrenalin. Dann kommst du nach Hause und hörst nur noch die Vögel zwitschern. Das sind zwei komplett unterschiedliche Welten. Aber genau das gefällt mir.
Was ist das eine Teil, das in Deinem Koffer niemals fehlen darf?
Weiße Tennissocken und natürlich die „schnelle Brille“. (Lacht) Die war am Anfang tatsächlich mein Markenzeichen, aber sie ist auch ein bisschen ein Schutzschild gewesen. Wenn man plötzlich in die Öffentlichkeit geht, gibt einem das Sicherheit. Irgendwann habe ich aber gemerkt: Die Brille schafft Distanz. Und mir ist Nahbarkeit extrem wichtig. Deshalb trage ich sie heute viel seltener auf der Bühne. Aber im Koffer ist sie trotzdem immer dabei.
Du sprichst oft davon, dass sich Musik verändert hat…
Absolut! Früher hat ein Song oft ruhig angefangen, sich aufgebaut und irgendwann kam dann der Refrain. Heute funktioniert das ganz anders. Die Leute scrollen durch TikTok oder Instagram. Du hast vielleicht zwei Sekunden Zeit. Deshalb beginnt ein Song heute oft direkt mit dem stärksten Part – Die Aufmerksamkeitsspanne ist einfach deutlich kürzer geworden.
Wohin soll die Reise jetzt gehen und worauf dürfen wir uns freuen?
Es geht einfach weiter. Neue Songs, neue Features, neue Auftritte. Ich habe das Gefühl, dass gerade erst alles anfängt. Kommenden Freitag erscheint meine gemeinsame Nummer mit Jenny Wendelberger aus ‚Berlin – Tag & Nacht‘. Langweilig wird’s auf jeden Fall nicht!
Mit wem möchtest Du in Zukunft gerne einmal zusammenarbeiten?
Ich will auf die große Bühne – das ist kein Geheimnis. Deshalb arbeite ich daran, weitere Features mit ganz großen Künstlern zu bekommen. Aber wenn ich einen Namen nenne, den ich für ein Feature richtig spannend fände: Breitner (Baby Bell). Der Typ hat einfach seinen eigenen Stil, ist so authentisch lustig und sorgt wo er auftaucht für Stimmung – das passt zu mir. Außerhalb der Ballermann-Szene feiere ich total Tream. Er verbindet moderne Musik mit diesem Heimatgefühl und der dörflichen Mentalität – und das spricht mich an, weil ich selbst sehr heimatverbunden bin. So eine Kombination wäre mal was.
Wie wichtig ist Dir der direkte Kontakt zu Deinen Fans?
Viele Leute denken irgendwann, man wäre nicht mehr „erreichbar“, aber genau das möchte ich nicht. Ich sage immer: Schreib mir einfach auf Instagram. Gerade wenn Kinder nach einem Grußvideo fragen, oder jemand eine nette Nachricht schickt, freue ich mich sehr darüber. Die meisten verbinden Erfolg nur noch mit großen Bühnen, aber ich liebe Dorffeste. Wenn mich jemand für einen Geburtstag, ein Vereinsfest oder eine Dorfparty buchen möchte, dann soll er mir einfach schreiben. Jeder darf etwas davon haben. Ich möchte mir diese Nahbarkeit auf jeden Fall erhalten.
Neben den großen Bühnen engagierst Du Dich für soziale Projekte…
Man darf nie vergessen, wie gut es einem eigentlich geht. Wenn man die Möglichkeit hat zu helfen, dann sollte man das definitiv tun. Deshalb bin ich zum Beispiel beim Lumpi-Fest im Allgäu mit dabei. Die Geschichte dahinter finde ich unglaublich berührend: Ein kleiner Junge hat vom Schicksal eines schwer kranken Kindes erfahren und wollte unbedingt helfen. Daraus ist ein großes Charity-Event entstanden. Alle Einnahmen werden an schwer kranke Kinder gespendet und es treten Künstler aus den unterschiedlichsten Bereichen auf. Da sind große DJs dabei, Ballermann-Künstler, Volksmusiker – alles Mögliche. Für mich sind solche Veranstaltungen etwas ganz Besonderes. Da verzichte ich auch gerne mal auf eine Gage. Am Ende geht es darum, gemeinsam etwas Gutes zu tun. Solche Momente geben mir persönlich unglaublich viel zurück. (https://www.instagram.com/reel/DWUDl2WArTC/?igsh=YWQ5ajhjazFlNXZw)








