Lichtblicke, aber keine Entwarnung - Bayerisch-schwäbischer Tourismus sendet positive Signale
Vom Stimmungstief zur Stabilisierung
Im Frühjahr war die Stimmung in der Branche noch deutlich schlechter. Der IHK- Konjunkturindex für das Reise- und Gastgewerbe war deutlich unter die Wachstumsschwelle von 100 Punkten gefallen. Lediglich 20 Prozent der befragten Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage als gut. Gleichzeitig rechneten 27 Prozent mit einer Verschlechterung über den Sommer hinweg. Die aktuellen Zahlen sind deshalb ein Lichtblick, aber noch keine Entwarnung. Konjunkturumfrage, Übernachtungsstatistik und Ausbildungszahlen messen unterschiedliche Aspekte der wirtschaftlichen Entwicklung. Zusammengenommen zeigen sie jedoch: Die Nachfrage ist vorhanden, die Unternehmen investieren in ihre Zukunft – zugleich bleiben Kosten, Bürokratie und Personalfragen eine erhebliche Belastung.
Allgäu gibt Rückenwind – die Vielfalt macht den Standort stark
Eine besondere Rolle spielt das Allgäu. Mit mehr als 1,8 Millionen Gästeankünften im ersten Halbjahr verzeichnete die Destination ein Plus von 1,4 Prozent. Die Zahl der Übernachtungen stieg um ein Prozent auf mehr als sechs Millionen. Damit ist das Allgäu der Wachstumstreiber der Region. Im restlichen Bayerisch-Schwaben lagen Ankünfte und Übernachtungen dagegen noch unter dem Vorjahresniveau. In Summe erreichte die Gesamtregion dennoch ein leichtes Übernachtungsplus. „Das Allgäu ist unser touristisches Schwergewicht und hat eine enorme Strahlkraft. Der Tourismusstandort Bayerisch-Schwaben lebt aber gerade von seiner Vielfalt“, betont Eggensberger. Neben Natur- und Urlaubstourismus gehören Stadt- und Kulturreisen, Geschäfts- und Veranstaltungstourismus sowie zahlreiche Freizeitangebote zum Gesamtbild. Diese Vielfalt zeigt sich auch in den Unternehmen: Sie reicht vom Spitzenhotel bis zur familiengeführten Pension, vom Sternerestaurant bis zur Eisdiele und vom Minigolfplatz bis zum international bekannten Freizeitpark. Die Bedeutung der Branche reicht dabei weit über Hotels und Gastronomie hinaus. Gäste kaufen im Einzelhandel ein, nutzen Verkehrsangebote, besuchen kulturelle Einrichtungen und Freizeitangebote und sorgen für Nachfrage bei regionalen Dienstleistern und Zulieferern. Ein attraktiver Tourismusstandort erhöht damit zugleich Lebensqualität, Bekanntheit und Attraktivität einer Region als Wirtschafts- und Arbeitsstandort.
Fast 17 Prozent mehr Ausbildungsverträge in Hotellerie und Gastronomie
Ein besonders positives Signal kommt vom Ausbildungsmarkt. Während aktuell die Zahl der neu abgeschlossenen IHK-Ausbildungsverträge in Bayerisch-Schwaben insgesamt unter dem Vorjahreswert liegt, entwickelt sich das Hotel- und Gaststättengewerbe gegen den Trend: Hier wurden bislang fast 17 Prozent mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen als im vergangenen Jahr. „Die Ausbildungszahlen zeigen, dass die Betriebe in ihre Zukunft investieren. Sie wissen, dass sie ihre Fachkräfte von morgen selbst ausbilden müssen – und genau das tun sie“, sagt Eggensberger. „Eine Ausbildung im Tourismus bietet jungen Menschen abwechslungsreiche Aufgaben, viel Kontakt mit Menschen, frühe Verantwortung und zahlreiche Entwicklungsmöglichkeiten. Wer gerne im Team arbeitet und Service nicht als Floskel, sondern als Beruf versteht, sollte sich diese Branche genauer anschauen.“ Auch kurz vor dem offiziellen Ausbildungsstart am 1. September ist es dafür nicht zu spät. Wer noch keinen Ausbildungsplatz hat, kann sich jetzt bewerben und vielfach noch in das Ausbildungsjahr starten. Auch in den Wochen danach werden erfahrungsgemäß weitere Ausbildungsverhältnisse geschlossen. Informationen zu Ausbildungsberufen und freien Stellen gibt es unter ihk.de/schwaben/ausbildung.
Drei Hebel: Gute und verlässliche Rahmenbedingungen
Damit aus der aktuellen Stabilisierung eine nachhaltige positive Entwicklung wird, sieht die IHK Schwaben vor allem die Politik in der Pflicht. Zusätzliche Förderprogramme sind aus Sicht der Wirtschaft nicht der entscheidende Hebel. Gefragt sind verlässliche und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen. Die IHK benennt drei zentrale Handlungsfelder:
Wettbewerbsfähigkeit und Infrastruktur sichern. Die Kostenbelastung der Unternehmen darf nicht weiter steigen. Gleichzeitig brauchen Tourismusstandorte eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur sowie zuverlässige digitale Netze. Gäste, Beschäftigte und Betriebe müssen gleichermaßen gut erreichbar und digital angebunden sein.
Bürokratie konsequent abbauen. Melde-, Dokumentations- und Berichtspflichten müssen einfacher, digitaler und praxistauglicher werden. Gerade kleinere, inhabergeführte Unternehmen brauchen ihre Zeit für Gäste und Beschäftigte – nicht für vermeidbare administrative Prozesse.
Mehr Flexibilität bei Arbeit und Fachkräftegewinnung ermöglichen. Tourismus und Gastronomie sind auf Arbeitszeiten angewiesen, die sich an der Nachfrage der Gäste und an saisonalen Spitzen orientieren können. Dazu braucht es ein modernes Arbeitszeitrecht, einfachere und schnellere Verfahren bei der Zuwanderung von Arbeitskräften und beim Übergang von der Ausbildung in Beschäftigung sowie starke Rahmenbedingungen für die duale Ausbildung.
„Unsere Unternehmen verlangen nicht, dass die Politik ihnen das unternehmerische Risiko abnimmt“, sagt Eggensberger. „Sie brauchen Regeln, mit denen sie vernünftig wirtschaften können: weniger Hürden, eine funktionierende Infrastruktur und genügend Flexibilität bei Arbeit und Personal. Wenn diese Bedingungen stimmen, investieren die Betriebe aus eigener Kraft, bilden aus und entwickeln den Tourismusstandort Bayerisch- Schwaben weiter.“





