Magie, Mut und Muskelkraft
Cavalluna „Tor zur Anderswelt“ begeistert in der Olympiahalle mit großer Erzählkunst und eindrucksvoller Reitkunst
Wenn sich die Lichter in der Olympiahalle senken und ein leises Raunen durch die Ränge geht, spürt man sofort: Hier passiert etwas Besonderes. Am 21. und 22. Februar gastierte Europas größte Pferdeshow mit „Tor zur Anderswelt“ in München – und verwandelte die gut gefüllte Halle in eine Bühne zwischen Märchen, Mythos und moderner Live-Inszenierung. Viele Familien waren gekommen, zahlreiche Kinder mit funkelnden Augen, Pferdefans ebenso wie neugierige Pferde-Laien. Auch wir gehörten zur zweiten Gruppe – ohne besondere Reit-Expertise, dafür mit Offenheit für das, was ein solches Format erzählen kann.
Im Zentrum der Inszenierung steht Meerin, eine junge Zauberin, die von ihrem Volk verstoßen wird. Auf ihrer Flucht gerät sie in die Fänge des Hexenmeisters Rönndrop und dessen ebenso machtbewusster Nichte. Was folgt, ist eine klassische Heldenreise – geprägt von Bedrohung, Selbstzweifeln und der Suche nach innerer Stärke.
Die Geschichte ist klar strukturiert, für Kinder nachvollziehbar, zugleich aber mit Themen unterlegt, die auch Erwachsene berühren: Ausgrenzung, Selbstvertrauen, Verantwortung.
„Ich fand gut, dass sie erst Angst hatte und dann trotzdem mutig war“, sagt unsere Kinderreporterin Lilli (9) nach der Vorstellung. „Manchmal denkt man ja auch selber, dass man etwas nicht kann.“
Gerade diese emotionale Ebene hebt die Show über ein reines Spektakel hinaus. Die Dramaturgie ist sichtbar durchdacht, die Szenenwechsel fließend, das Zusammenspiel von Erzählung und Reitkunst eng verzahnt.
Reitkunst auf internationalem Niveau
56 Pferde und Reiterinnen und Reiter aus neun Nationen stehen für „Tor zur Anderswelt“ in der Arena. Geboten werden rasante Trickreit-Elemente, klassische Dressuren, Freiheitsarbeit und choreografierte Gruppenszenen.
Besonders beeindruckend sind die Momente, in denen Pferd und Mensch scheinbar mühelos miteinander kommunizieren – ohne sichtbare Hilfsmittel, nur über Körpersprache und Vertrauen. Das verlangt höchste Präzision und jahrelanges Training.
Daneben sorgen humorvolle Szenen – etwa mit kleineren Ponys – für auflockernde Akzente. „Die waren richtig süß, aber trotzdem voll gut trainiert“, beobachtet Lilli sachlich.
Die Mischung aus Spannung, Tempo und ruhigeren, poetischen Bildern hält die Aufmerksamkeit auch über die gesamte Spieldauer hinweg. Das ist bei einer Familienshow keine Selbstverständlichkeit.
Inszenierung mit filmischer Qualität
Auffällig ist die technische Umsetzung. Projektionen, Lichtdesign und Musik schaffen atmosphärische Räume, die die Arena visuell erweitern. Mal wirkt die Bühne wie ein düsterer Wald, dann wieder wie ein heller, hoffnungsvoller Neubeginn.
Ein Besucher hinter uns formuliert es so: „Man vergisst irgendwann, dass man in einer Halle sitzt.“
Tatsächlich entsteht über weite Strecken eine fast cineastische Wirkung – nur eben live, mit echter Muskelkraft, echten Pferden, echtem Risiko.
Mehr als ein regionales Ereignis
„Tor zur Anderswelt“ ist Teil einer groß angelegten Europa-Tournee, die seit Oktober 2025 läuft und noch bis Juni 2026 in über 30 Städten Station macht. In der Region sind unter anderem Stuttgart, Salzburg und Wien angekündigt. In München gehört Cavalluna längst zum festen Bestandteil des Veranstaltungsjahres – insbesondere auch mit eigenen Formaten rund um die Weihnachtszeit.
Dass die Olympiahalle an beiden Tagen sehr gut gefüllt war, unterstreicht die konstante Nachfrage. Das Format spricht ein breites Publikum an: klassische Pferdeliebhaber ebenso wie Familien, Eventbesucher oder Kulturinteressierte, die sich auf ein visuelles Gesamterlebnis einlassen möchten.
Persönliche Einordnung
Als Mutter beobachtet man während einer solchen Show nicht nur das Geschehen in der Arena, sondern auch die Reaktionen neben sich. Staunen. Mitfiebern. Leises Mitsprechen.
„Ich hab richtig gehofft, dass sie gewinnt“, sagt Lilli beim Schlussapplaus.
Als Redakteurin wiederum bleibt der Blick analytischer: Die Produktion ist professionell, die Abläufe eingespielt, das Niveau hoch. Gleichzeitig bewahrt sich das Format eine emotionale Zugänglichkeit, die es auch für Nicht-Pferdekenner attraktiv macht.
Fazit
Cavalluna „Tor zur Anderswelt“ ist eine aufwendig produzierte Live-Show, die klassische Reitkunst mit moderner Inszenierung und einer klar erzählten Geschichte verbindet. Sie setzt auf Emotion, ohne kitschig zu werden, und auf Spektakel, ohne die erzählerische Linie zu verlieren.
Oder, um es mit Lillis Worten zusammenzufassen:
„Es war spannend und ein bisschen magisch. Und man wollte wissen, wie es ausgeht.“
Ein Abend zwischen Fantasie und Präzision – der zeigt, wie kraftvoll Live-Unterhaltung sein kann, wenn Technik, Talent und Erzählung stimmig ineinandergreifen.















