Stillstand unter freiem Himmel: Freilichtbühne Augsburg vor ungewisser Zukunft
Es sind Nachrichten, die in Augsburg nachhallen. Gestern, am 27. Januar, wurde öffentlich, was sich hinter den Kulissen bereits angedeutet hatte – heute folgte die Pressekonferenz und damit die bittere Gewissheit: Die Freilichtbühne des Staatstheaters Augsburg bleibt erstmal geschlossen. Der sichere Betrieb ist nicht mehr gewährleistet, eine umfassende Sanierung unumgänglich. Besonders schmerzhaft für viele Musikfans: Das geplante Konzert der Sportfreunde Stiller ist offiziell abgesagt. Und mit ihm ein Stück Augsburger Sommergefühl.
Wie die Stadt Augsburg mitteilt, wurde die Freilichtbühne in den vergangenen Jahren vor jeder Spielzeit engmaschig baulich überprüft. Entsprechend konnten durch gezielte Ertüchtigungsmaßnahmen Aufführungen weiterhin ermöglicht werden. Die jüngste Bauwerksuntersuchung der Tribüne, mit Fokus auf die Statik, brachte jedoch gravierende Schäden zutage: Mehr als die Hälfte der tragenden Balken unter der Tribüne ist sanierungsbedürftig. Ein durchgängiger Nachweis der uneingeschränkten Standsicherheit ist nicht mehr möglich. Auch die Techniktürme weisen Schäden auf, die ihre Tragfähigkeit beeinträchtigen.
Um eine Bespielung der Saison 2026 dennoch zu ermöglichen, wurden zeitlich begrenzte Notabstützungen geprüft. Die Untersuchungen durch ein Statikbüro und die Bauverwaltung kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass keine Lösung innerhalb der vorgegebenen Fristen sicher realisierbar gewesen wäre. Da Sicherheit nicht verhandelbar ist, entschied die Stadt Augsburg, die Freilichtbühne für die Spielzeit 2026 und darüber hinaus zu schließen.
Statt auf riskante Übergangslösungen zu setzen, wird nun eine Machbarkeitsstudie für die Sanierung des gesamten Areals erstellt. Ein Teil der bereits eingeplanten Mittel für die künftige Sanierung wird genutzt, um zeitnah Klarheit über Kosten, Umfang und Bauzeiten zu gewinnen. Ziel ist es, eine langfristige Perspektive für eine moderne und sichere Freilichtbühne im Herzen der Stadt zu entwickeln.
Kulturreferent Jürgen K. Enninger betont die Tragweite der Entscheidung: Die Ergebnisse der statischen Untersuchung seien ein harter Einschnitt, da fest mit einer Bespielung gerechnet worden sei. Umso wichtiger sei es nun, Planungssicherheit für Veranstaltende und Publikum zu schaffen. Mit dem Gaswerk-Areal habe man eine leistungsfähige Ersatzspielstätte gefunden, die Kontinuität ermöglicht. „Nach dem Grundsatz, dass die Kultur dieser Stadt größer ist als ein Ort, machen wir das Gaswerk-Areal zu unserer Freilichtbühne auf Zeit“, so Enninger.
Ersatzspielstätte und Ticketregelungen
In Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Augsburg wird das Gaswerk-Gelände zur zentralen Ersatzspielstätte. Dort stehen mit dem Ofenhaus alle notwendigen Funktionsräume zur Verfügung, die Veranstaltungsfläche neben dem Scheibengasbehälter ermöglicht zudem die Durchführung der Stadtsommer-Konzerte. Das Areal ist gut erreichbar und barrierefrei erschlossen.
Bereits verkaufte Tickets behalten bei Verlegungen ihre Gültigkeit. Schiller sowie Gerhard Polt & die Well-Brüder werden sicher an das Gaswerk verlegt. Das Konzert der Sportfreunde Stiller am 15. August 2026 entfällt. Rückerstattungen erfolgen automatisch. Für das Staatstheater gilt: „Monty Python’s Spamalot“ wird open air am Gaswerk gespielt, „Turandot“ entfällt ersatzlos. Sämtliche bereits verkauften Tickets für die Freilichtbühnensaison 2026 werden automatisch erstattet.
Fazit
Die Schließung der Freilichtbühne ist ein schmerzhafter, aber notwendiger Schritt. Sie zeigt, wie sensibel historische Kulturorte sind – und wie wichtig verantwortungsvolles Handeln ist, wenn Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden kann. Gleichzeitig beweist Augsburg Handlungsfähigkeit: Mit dem Gaswerk-Areal bleibt der Kultursommer lebendig. Die anstehende Machbarkeitsstudie soll den Weg ebnen, damit die Freilichtbühne künftig wieder das werden kann, was sie fast ein Jahrhundert lang war – ein zentraler Ort für Kunst, Kultur und gemeinsames Stadterleben.










