Schäffler, Schaumkronen und schallendes Gelächter
Wenn sich nur alle sieben Jahre die Reifen drehen – großer Brauchtumsauftakt bei der Brauerei Ustersbach
Es ist ein Schauspiel, das man nicht jedes Jahr erlebt. Nur alle sieben Jahre ziehen die Schäffler aus Dinkelscherben wieder durch die Region – und am Freitag, den 13. Februar, machten sie Halt bei der Brauerei Ustersbach. Schon von Weitem war zu erkennen: Hier passiert etwas Besonderes. Der Platz war gefüllt, Familien standen dicht gedrängt, Kinder reckten neugierig die Hälse – und selbst aus den Fenstern der Brauerei verfolgten Mitarbeiter und der Brauer das Geschehen mit sichtlicher Freude. Der Schäfflertanz ist gelebte Tradition – und Dinkelscherben besitzt neben Nonnenhorn am Bodensee die älteste Schäfflertanztradition in Schwaben. Bereits 1893 wurde hier erstmals nach Münchner Vorbild getanzt. Daraus entwickelte sich eine eigene, bis heute bestehende Tradition, die im Sieben-Jahres-Rhythmus gepflegt wird.
Als die Schäffler in ihrer an die Münchner Standestracht angelehnten Kleidung einmarschierten wurde es still. Dann setzte Musik ein, die Reifen schwangen, und die Tänzer formierten sich zu kunstvollen Figuren. Das ungeschriebene Recht der Schäfflervereinigung gilt auch heute noch: Mindestens 18 Jahre alt müssen die Mitwirkenden sein, ihren Wohnsitz in Dinkelscherben haben – und unverheiratet sein. Ursprünglich stammten sie aus Handwerker- und Bauernfamilien. Dieser bodenständige Charakter ist geblieben.
„Wenn man hier in die Menge schaut, sieht man, wie sehr das noch ankommt“, sagte ein Tänzer nach dem Auftritt sichtlich bewegt. „So viele Menschen – das macht uns stolz.“ Und tatsächlich: Der Applaus war laut, die Stimmung ausgelassen.
Für zusätzliche Heiterkeit sorgten die traditionellen Einlagen der Clowns. Mit fliegendem Bier, spitzen Kommentaren und augenzwinkernden Seitenhieben auf andere Brauereien, Nachbarorte – und auch die Politik – trafen sie genau den Nerv des Publikums. Die Lacher hallten über den Platz. Besonders eine scherzhafte Bemerkung über die Inhaberin Stephanie Schmid, die „beinahe Schwiegermutter geworden wäre“, sorgte für schallendes Gelächter.
Solche humorvollen Spitzen gehören dazu. Der Schäfflertanz war schon immer mehr als Tanz – er ist auch Spiegel der Zeit. Gesellschaftliche Themen, regionale Eigenheiten und kleine Neckereien werden charmant verpackt und sorgen dafür, dass Tradition lebendig bleibt.
Dass der Auftritt ausgerechnet bei der Brauerei Ustersbach stattfand, ist kein Zufall. Das Traditionsunternehmen ist bekannt für seine enge Verbundenheit mit der Region. Ob Vereine, Veranstaltungen oder Brauchtum – die Brauerei unterstützt seit Jahren das lokale Miteinander und steht für Geselligkeit, Zusammenhalt und Heimatverbundenheit. Auch die Schäffler werden aktiv gefördert. Man spürte an diesem Nachmittag deutlich: Hier passt zusammen, was zusammengehört.
Ein Besucher brachte es auf den Punkt: „So etwas ist unbezahlbar. Das ist nicht nur ein Tanz – das ist Gemeinschaft.“ Eine junge Familie meinte begeistert: „Unsere Kinder reden noch in Jahren davon.“
Nach dem offiziellen Teil verlagerte sich das Geschehen in den Werksverkauf. Bei Würstchen und Bier wurde weiter gefeiert, diskutiert und gelacht. Die Schäffler mischten sich unter die Gäste, Fotos wurden gemacht, Erinnerungen geschaffen.
Fazit
Der Schäfflertanz in Ustersbach hat eindrucksvoll gezeigt, wie stark Tradition verbindet. Er vereint Generationen, bringt Menschen zusammen und schafft Momente, die bleiben.
Und wenn Humor, Heimatstolz und gelebtes Brauchtum aufeinandertreffen – dann entsteht genau das, was man an diesem Freitag spüren konnte: ehrliche Freude.
In sieben Jahren drehen sich die Reifen wieder.
Und ganz sicher wird es dann wieder genauso voll.




