Ube statt Matcha? Was hinter dem violetten Food-Trend steckt

Süßes Violett

In Cafés, Bäckereien und auf Social Media taucht seit einiger Zeit immer häufiger ein auffälliger Lilaton auf. Oft zeigt er sich in einem Latte, manchmal aber auch in Donuts, Cheesecakes, Eis oder weichen Brötchen. Der Name dazu: Ube. Was auf den ersten Blick wie ein künstlich gefärbter Internet-Hype wirkt, ist eigentlich eine traditionelle Zutat mit langer Geschichte. Wie genau kam es also zu dem Trend?

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Bild: stock.adobe
Was ist Ube überhaupt?
Ube (sprich: „Oo-beh“) ist eine violette Yamswurzel. Botanisch gehört sie zur Art Dioscorea alata und ist auch unter den Namen Purple Yam oder Wasseryams bekannt. Besonders verbreitet ist Ube in der philippinischen Küche, wo die Knolle traditionell für Süßspeisen verwendet wird. Ihre Farbe reicht je nach Sorte von hellem Lavendel bis zu kräftigem Violett. Genau diese Farbe macht Ube heute so auffällig – vor allem in Getränken und Desserts.

Die violette Farbe kommt von sogenannten Anthocyanen, also natürlichen Pflanzenfarbstoffen, die auch in anderen violetten oder roten Lebensmitteln vorkommen. Je nach Verarbeitung wird die Farbe in Produkten zusätzlich durch Ube-Extrakt, Pulver oder Farbstoffe verstärkt.

Wichtig ist dabei die Abgrenzung zu ähnlichen Zutaten. Ube ist nicht dasselbe wie Taro und auch keine violette Süßkartoffel. Taro gehört botanisch zu einer anderen Pflanze und hat meist ein helleres, eher grau-weißes Fruchtfleisch. 

Violette Süßkartoffeln sehen Ube zwar ähnlich, gehören aber ebenfalls zu einer anderen Pflanzenfamilie. In Rezepten werden diese Zutaten manchmal verwechselt, geschmacklich und kulturell stehen sie aber nicht für dasselbe. 

Wie schmeckt Ube?
Der Geschmack von Ube wird häufig als mild süßlich, nussig und leicht erdig beschrieben. Manche vergleichen das Aroma mit einer Mischung aus Vanille, Kokos und Pistazie, wobei Ube selbst nicht so intensiv süß ist, wie viele fertige Ube-Desserts vermuten lassen. Die Süße entsteht oft erst durch Zucker, Milch, Kondensmilch oder Kokosmilch, die bei der Verarbeitung dazukommen.

Besonders bekannt ist Ube Halaya, eine Art süßer Aufstrich oder Pudding aus gekochter und zerdrückter Ube. Daraus entstehen wiederum Eis, Kuchen, Gebäck, Füllungen oder Toppings. Auch im philippinischen Dessert Halo-Halo, einer Mischung aus Crushed Ice, Milch, Früchten, Bohnen, Gelees und verschiedenen süßen Zutaten, kommt Ube häufig vor. In modernen Cafés wird Ube inzwischen auch als Sirup, Pulver oder Paste für Lattes, Milkshakes und Cremes verwendet.

Herkunft und kulturelle Bedeutung
Obwohl Ube gerade oft als neuer Food-Trend präsentiert wird, ist die Zutat keineswegs neu. Auf den Philippinen ist sie seit Langem Teil der Esskultur. Ube Halaya wird dort traditionell zu Festen, Familienfeiern und Feiertagen zubereitet. Die violette Farbe steht dabei nicht nur für einen schönen Effekt, sondern ist eng mit Erinnerungen, Rezepten und regionalen Essgewohnheiten verbunden.

Gerade deshalb wird der Trend auch kritisch gesehen: Wenn Ube nur als schöne Trendfarbe vermarktet wird, kann die kulturelle Bedeutung der Zutat in den Hintergrund rücken. Einige Stimmen betonen daher, dass Ube nicht nur als „neuer Matcha“ verstanden werden sollte, sondern als Teil philippinischer Esskultur.

Warum wird Ube gerade zum Trend?
Dass Ube gerade so viel Aufmerksamkeit bekommt, hat mehrere Gründe. Der offensichtlichste ist die Farbe. In unserer Esskultur, die mittlerweile nun mal stark von Bildern geprägt ist, funktionieren violette Getränke und Desserts besonders gut. Gerade der Ube Latte zeigt, warum die Zutat so gut in die aktuelle Café-Kultur passt: Er sieht auffällig aus, lässt sich gut mit Milch oder pflanzlichen Alternativen kombinieren und erinnert als farbiges Trendgetränk ein wenig an den Erfolg von Matcha. Ebenso wie dieser passt Ube auch perfekt in kurze Videos, Food-Fotos und Café-Posts.

Dazu kommt, dass viele Konsumenten nach neuen Geschmacksrichtungen suchen. Nach Matcha, Chai oder Pistazie wirkt Ube wie die nächste auffällige Zutat, die gleichzeitig exotisch und zugänglich erscheint. 

Internationale Medien berichten inzwischen verstärkt über Ube-Produkte in Cafés und großen Ketten. Darüber hinaus ist Ube an sich gesund, denn die Knolle enthält unter anderem die Vitamine A, C und E sowie viele Ballaststoffe und Antioxidantien. Allerdings enthalten viele Produkte mit Ube wiederum zusätzlich Zucker, Sirup oder Sahne – gesünder sind sie dadurch also nicht unbedingt.

Wie kann man Ube probieren?
Frische Ube ist in Europa nicht überall erhältlich. Häufiger findet man Produkte wie Ube-Pulver, Ube-Paste, Ube-Extrakt, gefrorene Ube oder fertige Ube Halaya in asiatischen Supermärkten und spezialisierten Onlineshops. In Cafés und Bäckereien begegnet Ube einem oft als Latte, Eis, Kuchen, Donut oder Cremefüllung.

Auch große Ketten haben Ube bereits aufgegriffen: Starbucks und Costa Coffee boten zeitweise Kaffeegetränke mit Ube-Geschmack an. Im deutschen Einzelhandel ist der Trend laut der Lebensmittel Zeitung dagegen noch kaum angekommen. Dort findet man Ube bislang vor allem in asiatischen Supermärkten – bei großen Supermärkten und Discountern spielt die Zutat bisher keine nennenswerte Rolle.

Grundsätzlich lohnt sich ein genauer Blick auf die Zutatenliste: Manche Produkte enthalten echte Ube, andere arbeiten vor allem mit Aroma, Zucker und Farbstoffen. Das muss nicht automatisch schlecht sein, sagt aber viel darüber aus, wie nah ein Produkt an der ursprünglichen Zutat ist.

FAZIT:
Ube ist mehr als ein lila Internet-Trend. Die violette Yamswurzel verbindet auffällige Optik mit mildem, nussigem Geschmack und einer langen Tradition in der philippinischen Küche. Gerade deshalb sollte Ube nicht nur als neues Matcha oder als hübsche Farbe für den nächsten Café-Post verstanden werden. Interessant wird der Trend vor allem dann, wenn neben dem Hype auch die Herkunft sichtbar bleibt.| Text: Vera Mergle