Vom Acker zum Vorzeigeprojekt: 25 Jahre Bauernmarkt Dasing – ein Vierteljahrhundert voller Mut, Herzblut und Heimat
Elf Landwirte wagten vor 25 Jahren den Schritt ins Ungewisse. Heute gilt der Bauernmarkt Dasing als Vorzeigeprojekt für Regionalität, Direktvermarktung und gelebten Zusammenhalt.
Beim großen Jubiläumsfest wurde deutlich: Hinter dem Erfolg stehen nicht Gebäude oder Produkte, sondern Menschen, Familien und eine Vision, die Generationen verbindet.
Wenn Kinder ihre Eltern auf einer Bühne interviewen und sich am Ende mit den Worten „Danke, dass ihr mit euren Familien ins Risiko gegangen seid“ bedanken, dann wird schnell klar: Dieser Abend war weit mehr als eine Jubiläumsfeier. Zum 25-jährigen Bestehen des Bauernmarkts Dasing blickten die heutigen Geschäftsführer Franziska Meitinger, Umberto von Beck-Peccoz und Veronika Asam-Zigahl gemeinsam mit ihren Vätern auf die bewegenden Anfänge zurück. Die drei Gründerväter standen stellvertretend für jene elf Landwirte, die vor einem Vierteljahrhundert den Mut hatten, etwas völlig Neues zu wagen. Die Emotionen waren spürbar – auf der Bühne ebenso wie im Publikum. Immer wieder wurde gelacht, erinnert und auch gerührt applaudiert.
Die Geschichte des Bauernmarkts beginnt bereits im Jahr 1997. Der damalige Landrat Dr. Theo Körner kehrte von einer Reise nach Südtirol zurück, wo ihn ein erfolgreiches Direktvermarktungsprojekt begeisterte. Seine Überzeugung war klar: Ein solches Konzept müsse auch im Wittelsbacher Land funktionieren. Rund 70 Landwirte folgten seiner Einladung ins Landwirtschaftsamt Friedberg und begannen gemeinsam, Ideen für eine zentrale Vermarktung regionaler Produkte zu entwickeln. Unterstützt vom Bauernverband und dem Landkreis entstanden erste Konzepte und Exkursionen zu bestehenden Projekten. Aus den 70 Interessierten wurden schließlich 17 Landwirte, die die Interessengemeinschaft Dasinger Bauernmarkt gründeten. Als aus der Idee jedoch ein konkretes Bauvorhaben wurde und jeder entscheiden musste, ob er das finanzielle Risiko mitträgt, blieben elf Landwirte übrig. Sie brachten Eigenkapital ein und legten damit den Grundstein für das heutige Erfolgsmodell.
Nach drei Jahren Planung erfolgte am 15. Juli 2000 der Spatenstich. Wo heute täglich Besucher einkaufen, frühstücken und regionale Spezialitäten genießen, gab es damals lediglich Wiese, Wald und einen Bagger. Die Bauphase verlangte den Familien alles ab. Unzählige Stunden Eigenleistung sorgten dafür, dass die veranschlagten Baukosten von rund 1,5 Millionen Euro eingehalten werden konnten. Die Gründer arbeiteten nach Feierabend, an Wochenenden und in jeder freien Minute auf der Baustelle. So viele Menschen packten mit an, dass sogar der Zoll vorbeischaute und Schwarzarbeit vermutete – bis sich herausstellte, dass dort lediglich die Bauherren, Familienmitglieder und Freunde freiwillig gemeinsam anpackten.
Dass nicht alles reibungslos verlief, erzählten die Gründer mit viel Humor. Im Archiv tauchte sogar ein altes Fax auf, in dem stand: „Es ist kurz vor elf und wir wursteln immer noch herum.“ Die Verfasserin des Schreibens saß an diesem Abend selbst im Publikum, meldete sich lachend zu Wort und sagte: „Ich war übrigens die Frau mit dem Fax.“ Heute kommt sie noch immer regelmäßig in den Bauernmarkt – inzwischen gemeinsam mit der nächsten Generation ihrer Familie.
Auch an die Eröffnung am 15. Juli 2001 erinnerten sich die Gründer lebhaft. Eigentlich war noch längst nicht alles fertig, Handwerker arbeiteten bis kurz vor der Eröffnung. Trotzdem wurden die Verantwortlichen vom Besucheransturm regelrecht überrannt. Mit einem solchen Erfolg hatte niemand gerechnet. Nicht jede Idee funktionierte allerdings sofort. Besonders schmunzelten die Gründer über ihre damalige Bezahlkarten-Lösung. Besucher sollten an jedem Stand ihre Einkäufe auf einer Karte eintragen lassen und erst am Ausgang bezahlen. Viele Karten verschwanden jedoch mitsamt der offenen Rechnung. „Unsere größte Schnapsidee“, hieß es heute lachend.
Doch auch daraus habe man gelernt. „Aus Schaden wird man klug. Wer macht schon keine Fehler?“Immer wieder wurde deutlich, wie viel Idealismus hinter dem Projekt steckt. Einer der Gründer beschrieb den Bauernmarkt schon damals als „Rohdiamanten, der geschliffen werden muss“. Ein anderer erinnerte daran, dass das Ziel lautete: „In 1000 Tagen muss er laufen.“ Heute läuft er seit 25 Jahren erfolgreich. Natürlich sei die Zusammenarbeit nicht immer einfach gewesen. „Elf Landwirte sind elf Meinungen“, erzählte einer der Gründer augenzwinkernd. „Und jeder hatte noch eine Frau – also waren es plötzlich 22 Meinungen.“ Um Entscheidungen einfacher treffen zu können, wurde später neben der Besitzergesellschaft zusätzlich eine Betreibergesellschaft gegründet.
Besonders bewegend waren die Erinnerungen an den persönlichen Einsatz der Familien. Franziska Meitinger schilderte, wie neben der Arbeit auf den Höfen, kleinen Kindern und sogar Pflegefällen in der Familie zusätzlich für den Bauernmarkt produziert wurde. Dahinter steckten unzählige Stunden Arbeit, viel Verzicht, aber vor allem Liebe und Herzblut. Alle drei heutigen Geschäftsführer sind mit dem Bauernmarkt aufgewachsen. Sie haben erlebt, wie ihre Eltern und deren Mitstreiter für ihre Idee kämpften und diese Schritt für Schritt Wirklichkeit werden ließen. Umso größer sei heute der Stolz, dieses Lebenswerk in zweiter Generation weiterführen zu dürfen.
Für Gänsehautmomente sorgte Staatsministerin Michaela Kaniber. Nach den Erzählungen der Gründer bekannte sie, dass sie ihre vorbereitete Rede am liebsten komplett neu geschrieben hätte. „Ich habe wirklich Gänsehaut. So etwas kann man nicht spielen. So etwas kann man nicht auf Knopfdruck bestellen“, sagte sie. Besonders beeindruckt habe sie, mit welchen leuchtenden Augen die Gründer noch heute von den Anfängen berichten. Sie würdigte deren Beharrlichkeit und Mut und erklärte: „Ich sage das heute nicht nur als Landwirtschaftsministerin, sondern als ganz einfache Bürgerin dieses schönen Landes Bayern. Menschen wie Sie, die eine Vision haben, nicht aufgeben und für kommende Generationen etwas aufbauen, verdienen größten Respekt.“ Ihr Schlusswort sorgte für lang anhaltenden Applaus: „Danke, dass es Sie gibt. Sie sind ein Segen für Bayern.“
Heute ist der Bauernmarkt Dasing weit mehr als ein Ort zum Einkaufen. Regionale Lebensmittel, hausgemachte Spezialitäten, eine beliebte Gastronomie und zahlreiche Partnerbetriebe aus dem Wittelsbacher Land stehen für Qualität und kurze Wege. Seit 24 Jahren prägt Küchenchef Stani die Gastronomie. Viele Mitarbeiter sind dem Haus seit Jahrzehnten verbunden. „Das sind die Menschen, das sind die Glücklichmacher“, hieß es während des Festakts. Genau diese Menschen standen auch beim Jubiläum im Mittelpunkt. Gemeinsam mit Gründern, Wegbegleitern, Politikern, Lieferanten und Stammkunden wurde gefeiert, erinnert und auf die vergangenen 25 Jahre angestoßen – sogar mit einem eigens für das Jubiläum gebrauten Bier.
Am Ende blieb vor allem ein Eindruck: Vor 25 Jahren standen elf Landwirte auf einer Wiese und glaubten an eine Idee. Heute ist daraus ein Ort entstanden, der Regionalität lebt, Generationen verbindet und weit über die Grenzen des Wittelsbacher Landes hinaus als Vorbild gilt.








