Wirtschaftsmacher Interview mit Lena Gronde

„Ich bin überzeugt: Menschen, die ihren Beruf mit Herz und Leidenschaft machen, können unsere Kunden am besten beraten.“

Lena Gronde führt gemeinsam mit ihrem Vater Clemens Gronde das Augsburger Familienunternehmen GRONDE Sehen & Hören. Im Gespräch erzählt die Optometristin M. Sc., warum für sie schon mit zwölf Jahren feststand, dass sie eines Tages Teil der Unternehmensgeschichte sein möchte, wie sie Tradition und Digitalisierung verbindet und weshalb persönliche Beratung auch in Zukunft unverzichtbar bleibt. Wer ihr begegnet, merkt schnell: Hier trifft Tradition auf Aufbruch. Die junge Geschäftsführerin von GRONDE Sehen & Hören ist offen, herzlich und nahbar – und gleichzeitig voller Energie und Ideen. Seit 1971 ist das Familienunternehmen in Augsburg verwurzelt. Heute gehören acht Filialen und mehr als 150 Mitarbeitende zum Unternehmen. Gemeinsam mit ihrem Vater Clemens Gronde führt Lena das Unternehmen in die nächste Generation und bringt dabei ihre ganz eigene, moderne Perspektive ein.

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Lena GrondeBild: Gronde
Nina: Frau Gronde, wer ist Lena Gronde, wenn sie gerade nicht Geschäftsführerin von Gronde Sehen und Hören ist?

Lena Gronde: Nenn mich Lena. Denn ich bin vor allem Lena, so wie im Betrieb auch. Das Thema Augen begeistert mich, das Thema der Mitarbeiterführung auch. Es ist nicht immer ganz leicht umzuschalten. Meine beiden Söhne können davon ein Lied singen. Meine Zeit trenne ich eigentlich nicht in Arbeit und Freizeit. Ich liebe es, morgens in mein Büro zu kommen und mit meinem Team zu arbeiten. Genauso liebe ich es, Zeit mit meiner Familie, Menschen zu verbringen, die mir wichtig sind. Ich interessiere mich sehr für Musik, Literatur und Politik. Wenn ich ein paar Tage frei habe, bin ich am liebsten in Berlin, wo ich studiert habe.

Nina: Du bist in einem Familienunternehmen aufgewachsen und heute selbst Teil der Geschäftsführung. War für dich immer klar, dass du einmal hier landen würdest? Oder hat sich dein Weg ganz anders entwickelt?

Lena: Das war für mich klar, seitdem ich zwölf Jahre alt war. An den Moment kann ich mich noch sehr genau erinnern. Es war ein Familienabend vor dem Fernseher. Natürlich habe ich während meiner Schulzeit oft überlegt, etwas anderes zu studieren, weil mich viel interessiert. Dennoch habe ich mich dann erst mal für eine Ausbildung im Betrieb entschieden. Nach den zweieinhalb Jahren bin ich dann nach Berlin und habe Optometrie studiert, den Bachelor und den Master gemacht. Das war mir sehr wichtig, weil ich erst einmal meinen eigenen fachlichen Weg gehen wollte. Irgendwann hat sich dann ganz natürlich die Frage gestellt: Was kann ich mit dem, was ich gelernt habe, eigentlich bei Gronde bewegen? Das hat mich sehr motiviert, nach Augsburg zurückzukommen.

Nina: Wenn du an deine Kindheit zurückdenkst, wie präsent war das Unternehmen damals im Familienalltag? War Gronde zu Hause ein Thema? Oder konntest du einfach Tochter sein?

Lena: Gronde war natürlich präsent. Ich bin tatsächlich schon als Kind im Geschäft herumgelaufen und habe unter anderem Brillenputztücher gefaltet oder durfte bei der Fassungsauszeichnung helfen. Aber selbstverständlich durfte ich einfach eine Tochter sein. Wir waren vier Kinder zu Hause. Da war viel los und wir waren alle wild. Aber meine Eltern haben mir nie das Gefühl gegeben, du musst das hier später übernehmen. Und genau das finde ich im Rückblick sehr schön. Ich konnte meinen eigenen Weg gehen und irgendwann selbst entscheiden, ob ich Teil dieser Geschichte werden will.

Nina: Du hast dich fachlich als Augenoptikerin mit einem Master in Optometrie weiterentwickelt. Heute führst du gemeinsam mit deiner Familie ein Unternehmen mit acht Filialen und mehr als 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Was beschäftigt dich als Geschäftsführerin aktuell am meisten?

Lena: Menschen, ganz klar. Ich bin überzeugt, Menschen, die ihren Beruf mit Herz und Leidenschaft machen, können unsere Kunden am besten beraten. Unser Anspruch ist nicht einfach etwas zu verkaufen, sondern herauszufinden, ehrlich herauszufinden, was wirklich zu jemandem passt. Modisch genauso wie funktional. Dafür brauchen wir ein Team, das Freude an seinem Beruf hat und diese Begeisterung weitergibt. Gleichzeitig beschäftigen uns natürlich Themen wie Ausbildung, Digitalisierung, KI und Online-Handel. Aber bei allem, was wir tun, steht für mich die Frage im Mittelpunkt: Was bringt unseren Kunden einen echten Mehrwert?

Nina: In einem Familienunternehmen treffen oft unterschiedliche Generationen, Erfahrungen und Sichtweisen aufeinander. Was hast du von deinen Eltern mitbekommen, das dich in deiner Arbeit bis heute begleitet? Und wo gehst du bewusst deinen eigenen Weg?

Lena: Von meinem Vater habe ich definitiv gelernt, dass man Dinge auch einfach mal machen muss. Nicht alles lässt sich vorher bis ins letzte Detail planen. Und ich glaube, er hat mir dadurch eine gewisse Lockerheit mitgegeben. Wenn man von einer Sache überzeugt ist, sollte man nicht beim ersten Gegenwind umdrehen und trotzdem mit Feuer dabei bleiben. Gleichzeitig bin ich natürlich eine andere Generation und habe andere Themen und andere Zugänge. Ich bin wahrscheinlich deutlich digitaler unterwegs und habe einen anderen Blick auf Marke, Kommunikation und neue Technologien. Aber genau das ist ja das Schöne an einem Familienunternehmen. Man muss nicht alles gleich machen oder gleich sehen. Im Gegenteil, ich finde es spannend, wenn mein Vater und ich bei einem Thema erst einmal völlig unterschiedlicher Meinung sind, solange wir am Ende gemeinsam eine Lösung finden.

Nina: Digitalisierung, neue Technologien und Online-Handel verändern die Branche. Wo siehst du die größten Chancen und wo bleibt der persönliche Kontakt unverzichtbar?

Lena: Ich sehe Digitalisierung überhaupt nicht als Gegner, im Gegenteil. Sie kann uns unglaublich viel Arbeit abnehmen und gleichzeitig unsere Beratung besser machen. Wir nutzen heute technische Möglichkeiten, von denen man vor einigen Jahren noch gar nicht gesprochen hat. Gerade in der Optometrie können moderne Messverfahren sehr viel leisten. Auch das medizinische Augen-Screening ist ein großer Vorteil für unsere Kunden. Wir investieren viel in Digitalisierung, wir bauen an einem internen Business Hub, haben eine neue Service-Seite mit digitaler Terminbuchung und stellen den Online-Shop gerade auf komplett neue Beine. das macht übrigens meine Schwester, zusammen mit unserem Digital- und Marketing-Team. Für unsere Innovationskraft, unsere Investitionsbereitschaft und unser gesundes Wachstum in den letzten Jahren sind wir vor 2 Wochen vom Bayerischen Wirtschaftsministerium als Bayerns Best 50 ausgezeichnet worden. Rund 10.000 Mittelständler verschiedenster Branchen und Unternehmensgrößen aus ganz Bayern kamen als Bewerber in Frage und wir haben es unter die besten 50 geschafft. Das war eine tolle Auszeichnung – für unser ganzes Team.

Nina: Du bist in Augsburg und der Region tief verwurzelt. Was bedeutet diese regionale Verbindung und wie wichtig ist es, trotz des Wachstums nah am Menschen zu bleiben?

Lena: Sehr viel. Augsburg ist nicht einfach ein Standort, sondern unsere Heimat. Wir kennen viele der Kunden seit Jahren, teilweise über mehrere Generationen. Und genau diese Nähe möchte ich erhalten. Für mich bedeutet Wachstum deshalb nicht möglichst groß zu werden. Wachstum bedeutet, sich weiterzuentwickeln und trotzdem erkennbar zu bleiben.

Nina: Wenn du heute auf Gronde blickst, was soll unbedingt so bleiben, wie es ist? Und wo willst du neue Wege gehen?

Lena: Bleiben soll auf jeden Fall unsere Haltung, unser Anspruch. Wir wollen Menschen persönlich und ehrlich beraten und handwerklich sowie fachlich in der Optometrie sowie in der Hörakustik richtig gute Arbeit machen. Dazu gehört die regelmäßige fachliche Weiterbildung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Neue Wege gehen wir in der Digitalisierung. Ein schönes Beispiel für mich ist unser Grondinchen-Konzept für Kinder. Das ist ein Bereich, den ich persönlich sehr wichtig finde, weil gutes Sehen und Hören gerade bei Kindern so viel mit Entwicklung und Lebensqualität zu tun hat.

Nina: Was bedeutet gute Führung für dich, gerade in einem Familienunternehmen, in dem viele Mitarbeiter das Unternehmen seit Jahren oder sogar Jahrzehnten begleiten?

Lena: Für mich bedeutet gute Führung vor allem Vertrauen und Klarheit. Menschen sollen wissen, was von ihnen erwartet wird, aber gleichzeitig auch den Freiraum bekommen, Dinge selbst zu gestalten. Und ich finde, man muss zuhören können. Gerade Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die seit vielen Jahren bei uns sind, kennen das Unternehmen manchmal besser als jeder Geschäftsführer. Wir haben Kollegen, die schon sehr lange bei Gronde sind. Das ist ein riesiger Schatz. Gleichzeitig müssen wir offen dafür bleiben, dass neue Menschen und neue Ideen dazukommen. Und Humor hilft übrigens auch. Wir verbringen schließlich einen ziemlich großen Teil unseres Lebens miteinander. Da darf es auch bei der Arbeit mal herzlich und lustig zugehen.

Nina: Gronde steht für Sehen und Hören und damit für sehr persönliche Themen. Was erwarten Kunden heute von einem modernen Fachgeschäft? Wie hat sich die Erwartungshaltung verändert?

Lena: Die Menschen sind heute viel besser informiert. Sie kommen häufig schon mit konkreten Vorstellungen, haben online recherchiert und wissen ziemlich genau, welche Brille oder Hörgerät sie interessant finden. Deshalb wird gute Beratung meiner Meinung nach sogar noch wichtiger. Unsere Aufgabe ist es nicht, den Menschen zu erzählen, was sie kaufen sollen. Wir müssen herausfinden, was passt wirklich für diesen Menschen und seinen Alltag. Und gerade bei Sehen und Hören gibt es eben keine Lösung von der Stange. Eine Brille ist nicht einfach eine Brille und ein Hörgerät nicht einfach ein Hörgerät. Es geht um Lebensqualität. Deshalb bleibt die persönliche Beratung hier absolut zentral.

Nina: Welche Themen werden Gronde in den nächsten Jahren besonders beschäftigen?

Lena: Ganz sicher das Thema Mitarbeiter und Nachwuchs. Gute Fachkräfte zu finden und vor allem langfristig für uns zu begeistern, wird eine der großen Aufgaben bleiben. Dann natürlich die Digitalisierung, künstliche Intelligenz sowie die digitalen Brillen oder auch Hörbrillen. Das sind alles technische kleine Wunder, die uns den Alltag erleichtern. Die digitale Brille ist gerade bei Einschränkungen ein tolles Hilfsmittel. Außerdem wird sich die Gesundheitsvorsorge rund um gutes Sehen weiterentwickeln. Ich glaube, dass wir als Augenoptiker und Optometristen hier noch viel stärker wahrgenommen werden können. Und natürlich bleibt die Frage spannend, wie sich der stationäre Einzelhandel verändert. Ich bin überzeugt davon, dass Menschen auch in Zukunft Orte brauchen, an denen sie Dinge ausprobieren, Fragen stellen und persönliche Beratung bekommen. Vielleicht sogar mehr denn je.

Nina: Ganz persönlich, woran würdest du in zehn Jahren erkennen, dass du als Geschäftsführerin den richtigen Weg eingeschlagen hast?

Lena: Wenn wir uns weiterentwickelt haben und vielleicht Dinge machen, die ich heute noch gar nicht kenne, aber gleichzeitig unsere Mitarbeiter sagen, hier arbeite ich wirklich gerne. Und wenn unsere Kunden uns weiterhin vertrauen und sagen, da gehe ich hin, weil ich weiß, dass die sich wirklich kümmern. Dann würde ich sagen, ja, dann haben wir einiges richtig gemacht.

Lena: „Leidenschaft ist Energie. Spüre die Kraft, die entsteht, wenn du dich auf das konzentrierst, was dich begeistert.“ Dieses Zitat von Oprah Winfrey versuche ich mit offenem Herzen zu leben.