Zukünftige Ausgestaltung von Tourismus in Schwaben in der Nach-Corona-Zeit

Online-Pressekonferenz der Bezirksgruppe Schwaben

Im Rahmen eines Pressegesprächs hat die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. die Chancen und Herausforderungen des Tourismus in Schwaben diskutiert. „Kaum eine Branche war von der Pandemie derart hart betroffen. So liegen in Schwaben die Übernachtungen in den ersten fünf Monaten des Jahres 2021 um 60 Prozent niedriger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Auch der Vergleich zwischen 2020 und 2019 zeigt den deutlichen Einbruch: Minus 31 Prozent, coronabedingt ist jede dritte Übernachtung hier in Schwaben entfallen“, berichtet Werner Ziegelmeier, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der vbw Bezirksgruppe Schwaben.

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Bild: Bezirksgruppe Schwaben

Die Auslastung lag in Schwaben in den ersten fünf Monaten bei 14,7 Prozent, vor einem Jahr waren es noch 25,5 Prozent. „2019 lag die Auslastung noch bei rund 46 Prozent. Das sind dramatische Zahlen“, so Ziegelmeier. Nach einer Umfrage des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Bayern von Anfang Juni sieht sich knapp die Hälfte seiner Mitgliedsbetriebe in Schwaben in ihrer Existenz gefährdet. Noch alarmierender ist, dass in Schwaben 19 Prozent eine Betriebsaufgabe in Erwägung ziehen.

Die vbw will den Blick aber in die Zukunft richten: Immerhin sind die Übernachtungen von 2009 bis 2019 in Schwaben um 33 Prozent gestiegen. „Wir dürfen für eine gute Zukunft der Branche nicht die vielen Stellschrauben vergessen, die entscheidend für den langfristigen Erfolg sein werden. Dazu gehört es, die Digitalisierung voranzutreiben, die Herausforderungen des Klimawandels zu bewältigen und die Infrastruktur nachhaltig für den künftigen Bedarf weiterzuentwickeln“, fordert Ziegelmeier und ergänzt: „Drängendste Aufgabe ist ein gelungener Neustart. Die laufende Tourismussaison 2021 muss erfolgreich werden.“

Der Klimawandel beschäftigt die gesamte Branche, prägen die vielfältigen Natur- und Kulturlandschaften doch das Erscheinungsbild und das Image der gesamten Region. Gleichzeitig nimmt der Trend zum Inlandstourismus zu und wird neue Zielgruppen hervorbringen. „Die Tourismus-Betriebe stehen vor enormen finanziellen Investitionen, um für Gäste attraktiv zu bleiben oder zu werden. Klimaschutz und Nachhaltigkeit müssen dabei im Verbund mit dem Tourismus gedacht werden. Ziel muss ein expandierender Tourismus im Einklang von Wirtschaft und Natur, von Touristen und Einwohnern sein“, betont Ziegelmeier und ergänzt: „Wir wünschen uns hier mehr Unterstützung von Seiten der Politik, auch innovative Ideen zu fördern, die ein gemeinsames Ziel haben: Nachhaltigen Tourismus als Wirtschaftskraft mit großem Potenzial zu sehen.“

Die vbw setzt sich für eine nachhaltige Weiterentwicklung der Infrastruktur ein, um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Tourismus zu erhalten. „Wir müssen auch im ländlichen Raum ein attraktives Mobilitätsangebot gewährleisten. Dieses muss den Gegebenheiten vor Ort Rechnung tragen und flexibel auf schwankende Nachfrage reagieren können. Diese Chance haben inzwischen viele Verkehrsunternehmen erkannt. Die Entwicklung geht vom reinen Bus- und Bahnanbieter zum integrierten Mobilitätsdienstleister“, erklärt Ziegelmeier.

Die Corona-Pandemie hat aber auch gezeigt, dass die Krise ein Anlass ist, strukturelle Belastungen abzubauen und mehr Flexibilität zu ermöglichen. „Wir müssen die Betriebe vor überbordender Bürokratie schützen und wir müssen flexibler werden. Dazu gehört unter anderem die Ablösung der täglichen Höchstarbeitszeit zugunsten einer wochenbezogenen Betrachtung“, so Ziegelmeier.