Aktion „Rettet die Reisebüros!" in Kempten

«Gesicht zeigen!»

Kempten…Die Widerstände gegen die Folgen des wirtschaftlichen Shutdowns wachsen, werden doch die unmittelbaren Folgen für die Betroffenen dieses restriktiven Kurses von Tag zu Tag mehr spürbar. So greift in manchen Bereichen der Wirtschaft bereits die nackte Angst ums Überleben um sich. Stark betroffen von den Auswirkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ist vor allem die deutsche Touristikbranche. Die beschäftigt rund 2,9 Mio. Menschen bei einem Jahresumsatz von 290 Milliarden Euro (2017). Jeder 15. Arbeitsplatz in Deutschland geht auf das Konto des Tourismus. Das weite Feld der Branche wird sicher durch die großen Reiseveranstalter wie Tui, FTI oder DER Touristik geprägt, aber auch die rund 11.000 kleinen Betriebe, darunter Reisebüros, beschäftigen immerhin bis zu 100.000 Mitarbeiter und bilden viele junge Menschen aus. Die Zukunft dieser Menschen steht aktuell im Feuer.

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Rund 30 Betroffene von Allgäuer Reisebüros demonstrierten auf dem August-Fischer-Platz in Kempten über ihre Not zu Zeiten der Corona-Krise.Bild: Jörg Spielberg
Das Haus brennt

Die betroffenen touristischen Betriebe im Allgäu fackelten deshalb nicht lange und schlossen sich spontan der für den 29. April bundesweit geplanten Aktion „Gesicht zeigen - Rettet die Reisebüros!" an und versammelten sich zu einer Kundgebung auf dem August-Fischer-Platz in der Allgäu-Metropole Kempten. Die Veranstaltung wurde zuvor vom Ordnungsamt Kempten genehmigt und Polizisten gewährleisteten diskret den Sicherheitsabstand von 1,50 Meter zwischen jedem Teilnehmer und Zuschauer. Die Branche steht mit dem Rücken zur Wand. Seit den restriktiven Beschränkungen der Reisefreiheit innerhalb Deutschlands und Europas und einer von der Bundesregierung ausgesprochen weltweiten Reisewarnung, geht im Grunde nichts mehr. Zuvor gebuchte Reisen werden von Kunden storniert, neue Reiseangebote dürfen nicht an die Kunden gebracht werden und fixe Kosten wie Ladenmiete, Strom, Sozialabgaben und Lehrlingsgehälter laufen weiter und weiter. Zudem bringt das übliche Abrechnungsmodell zwischen Reisevermittler, wie u.a. freien Reisebüros, und den großen Reiseveranstaltern, Zuerstgenannte an den Rand des finanziellen Ruins. Denn erst wenn der Kunde seine Reise beim Reiseveranstalter antritt, werden i.d.R. den Reisebüros ihre vollen Provisionen überwiesen. Nun haben im vergangenen Herbst viele Kunden für Ostern Reisen gebucht, diese aber im März aufgrund der Corona-Pandemie storniert. Folglich kommt es sogar zu Rückbuchungen von Vorabprovisionen der großen Reiseveranstalter bei ihren kleineren Partner, den Reisebüros.



Kein Fahren auf Sicht, sondern Masterplan

Das alles lässt viele Betroffene verzweifeln und das spürt man, wenn man den rund 30 Teilnehmern der Kundgebung auf dem August-Fischer-Platz in Kempten zuhört. „Wir waren die Ersten, denen Fesseln angelegt wurden und werden wohl die Letzten sein, denen diese wieder abgenommen werden.", so unisono der Chor der Betroffenen. Bei vielen aber werden die finanziellen Mittel zur Überbrückung des Shutdowns nicht reichen. „Wir verlangen deshalb von der Bundesregierung, die diesen Shutdown veranlasst hat, dass uns finanziell, z.B. durch einen Notfallfond, geholfen wird und zwar nicht in ferner Zukunft, sondern jetzt.", formuliert es Diana Hirnigl vom Profi-Reisecenter aus Kempten, die eine der Mitinitiator*innen der Allgäuer Kundgebung „Rettet die Reisebüros!" ist. Wut ist zu spüren, wenn die Teilnehmer*innen vom zuständigen Aussenministerium sich eine wesentlich bessere Informationspolitik wünschen und vom Bayerischen Wirtschaftsministerium eine zeitnahere Bearbeitung von Anträgen auf Corona-Soforthilfe erbeten. Alle Teilnehmer*innen der Kundgebung „Rettet die Reisebüros" erwarten unisono, dass die Politik das Zepter des Handels in die Hand nimmt, nicht nur die immer gleichen, scheinbar gedungenen Virologen den Weg aufzeigen und endlich im Mainstream auch alternative Stimmen zur Lösung der Krise gehört werden, wie u.a. die von Prof. Dr. med. Sucharit Bhakdi.