Argumente für und gegen eine Frauenquote

Quote über Qualifikationen?

Das Thema, welches die Gemüter in der öffentlichen Diskussion rund um die Frauenförderung besonders erhitzt, ist die Frauenquote. Egal ob in der Politik, Wirtschaft oder Forschung: Männer sitzen öfter in Führungspositionen als Frauen. Doch eigentlich ist die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern bereits im Grundgesetz verankert. Die Frage ist: Brauchen wir eine gesetzliche Frauenquote, um Chancengleichheit zu gewährleisten?

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Bild: stock.adobe / fotogestoeber
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Dagmar RohdeBild: Barbara Gandenheimer
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Katrin AlbsteigerBild: Matthias Schmiedel

PRO:

Dagmar Rohde (Geschäftsführerin bei „RoKoKo“, Trainerin, Mentorin und Coach), Befürworterin der Geschlechterquote im exklusiven Interview

Welche Vorteile bringt eine Frauenquote mit sich?

Eine (rechtlich verbindliche) Verpflichtung, Frauen in höheren Positionen einstellen zu müssen, wird zu fairen Entscheidungen führen, wenn es um die Besetzung von Führungsaufgaben geht. Weiterhin wird bei meinen Kunden z. B. festgestellt, dass gemischte Teams kreativere Ergebnisse liefern und Entscheidungen gut von allen mitgetragen werden können, weil sie paritätisch getroffen werden. Die Tatsache, dass immer noch kaum Frauen in Führungspositionen die Zukunft unserer Wirtschaft durch Setzung von weiblichen Themen in Firmen gestalten, ist angesichts der Tatsache, dass Frauen die Hälfte der Bevölkerung darstellen, exzellente Bildungsabschlüsse und Berufserfahrung mitbringen, unwirtschaftlich und eine systematische Benachteiligung.

Stellt die Frauenquote eine Gefahr für die geforderte Gleichberechtigung dar?

Aus meiner Sicht stellt die Frauenquote für Männer sogar eine Chance dar, schafft also faktisch mehr Gleichberechtigung. Es ist doch auch nicht mehr zeitgemäß, Männer immer auf ihre Ambition und Funktionalität in Wirtschaft und Politik zu reduzieren und ihnen ihre sozialen, empathischen, emotionalen und kreativen Seiten abzusprechen. Es gibt genügend Fälle, die zeigen, dass Männer ebenso wie Frauen vielseitig sind, aber ebenso im Job auch Fehler machen und trotz mangelnder Kompetenz oder eigenem Rückzugswunsch in Positionen gehoben werden.

Wird eine Frauenquote über die nötigen Qualifikationen gestellt?

Warum sollte denn jemand unqualifizierte Frauen einstellen müssen, wo es doch so viele bestens Qualifizierte gibt? Wir müssen uns doch fragen, warum u.a. auch mittelmäßig qualifizierte Männer in hohen Positionen sind und über genau diese Frage nicht nachdenken müssen. 

Was ist Ihr schlussendliches Fazit zu diesem Thema?

Angesichts der drohenden Altersarmut für Frauen, dem wachsenden Fachkräftemangel und der andauernden Diskriminierung ist es für die gesamte Gesellschaft ein wichtiger Aspekt, Frauen in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse und höhere Positionen mit Gestaltungsmöglichkeit einzubinden, die ein Gehalt bieten, von dem u.a. auch eine Familie ernährt werden kann. Ich bin für die Quote. Der Grund: Fehler sind menschlich, also weder weiblich noch männlich. Wir brauchen mehr Frauen an der Macht für eine faire Repräsentation der Hälfte der Gesellschaft. 

CONTRA:

Katrin Albsteiger (Oberbürgermeisterin der Stadt Neu-Ulm) steht einer Geschlechterquote eher kritisch gegenüber und äußert sich zum Thema Frauenquote im exklusiven Interview

Welche Nachteile bringt eine Frauenquote mit sich?

Was Frauen können, welche besonderen Fähigkeiten sie haben und was sie geleistet haben, um eine Führungsposition zu erlangen, wird bei sog. „Quotenfrauen“ zur Nebensächlichkeit. Eine Frauenquote packt das Problem zudem nicht an der Wurzel. Hinzu kommt, dass eine 50%-Quotierung auch in umgekehrten Fall diskriminierend sein kann: Besteht eine Belegschaft nur aus 20% Frauen, wäre eine Frauenquote in Führungspositionen mit 50% nicht repräsentativ.

Stellt die Frauenquote eine Gefahr für die geforderte Gleichberechtigung dar?

Eine Gefahr für die Gleichberechtigung sehe ich nicht. Entscheidend ist jedoch der Umstand, dass mit der Einführung einer Frauenquote nicht die vorhandenen Strukturen bekämpft werden. Die Frauenquote unterdrückt lediglich die Symptome. 

Wird eine Frauenquote über die nötigen Qualifikationen gestellt?

Qualifikation und Quote müssen sich nicht ausschließen - beides ist möglich. Auch Männer haben manchmal Positionen inne, die nicht ihren Qualifikationen entsprechen. Diese Frage kann also andersherum genauso gestellt werden. Eine Frauenquote ohne Qualifikation sollte es aber definitiv nicht geben.

Was ist Ihr schlussendliches Fazit zu diesem Thema?

Grundsätzlich stehe ich klar gegen eine Frauenquote in demokratisch gewählten Gremien (wie z.B. in Parteien). In der Wirtschaft, wo Förderung durch Einzelrekrutierung stattfindet und nicht durch Wahlen, halte ich eine selbst verordnete Quote durchaus für legitim und als Übergang vertretbar. Ganz grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Frauenförderung von Beginn an stattfinden muss, also auch bereits Zuhause. Die Bereitschaft der Frauen, sich weiterzubilden und zu qualifizieren muss gefördert werden. Hierbei spielen natürlich auch Faktoren wie gleiche Bezahlung und gleiche Beförderungsmöglichkeiten - die eigentlich heutzutage selbstverständlich sein sollten - eine Rolle.