Vergleichsportal: Kosten für Ratenkredite trotz Leitzinssenkungen kaum gesunken
Die Kosten für Ratenkredite sind in den vergangenen Monaten trotz deutlich gesunkener Leitzinsen kaum zurückgegangen. "Obwohl die Refinanzierungskosten auf Bankenseite innerhalb eines Jahres im Schnitt um 32 Prozent sanken, wurden Ratenkredite für Verbraucherinnen und Verbraucher nur ein Prozent billiger", erklärte das Vergleichsportal Verivox am Montag. Stattdessen hätten die Banken ihre Margen "massiv ausgeweitet".
"Das Geld für ihr Kreditgeschäft beschaffen sich Banken auf mehrere Weise: Ihre wichtigsten Refinanzierungsquellen sind unter anderem die EZB, der Interbankenmarkt, das Einlagen- und das Anleihegeschäft", erklärte Oliver Maier von Verivox. "Bei allen vier Quellen sind die Zinskosten für die Banken im Untersuchungszeitraum deutlich gesunken."
Am stärksten ist der Rückgang bei der Europäischen Zentralbank (EZB), die ihren Hauptrefinanzierungssatz, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld leihen können, von 4,25 auf 2,15 Prozent senkte. "Die Kosten für Zentralbankgeld haben sich für die Banken somit um 49 Prozent reduziert", erklärte Verivox.
Die gesunkenen Kosten geben die Banken bislang aber nicht an die Verbraucher weiter: Im Juli 2024 lag der bundesweite Durchschnittszins für Ratenkredite bei 8,33 Prozent, wie Verivox unter Verweis auf Daten der Bundesbank mitteilte. Im Juni diesen Jahres lag der Durchschnittszins demnach weiterhin bei 8,25 Prozent.
Verivox-Finanzexperte Maier sieht für die erhöhten Margen der Banken mehrere Gründe. Einer sei die schwächelnde Konjunktur: "Wenn die Gefahr von Arbeitsplatzverlusten und Einkommenseinbußen zunimmt, bepreisen die Geldhäuser ihr größeres Ausfallrisiko mit einer höheren Marge beim Zins."
Auch eine verschärfte Regulierung beim Vertrieb von Restschuldversicherungen dürfte demnach eine Rolle spielen. Seit Januar gilt die gesetzliche Vorgabe, dass Restschuldenversicherungen erst eine Woche nach Abschluss des Kreditvertrags abgeschlossen werden dürfen. Seitdem bleiben mehr Kredite unversichert - und den Banken entgeht die Provision.
Verbraucherschützer raten grundsätzlich vom Abschluss von Versicherungen ab, die etwa bei Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit oder im Todesfall für die ausstehenden Verbindlichkeiten aufkommen. Sie "sind teuer und leisten nur wenig", warnt etwa die Verbraucherzentrale NRW.
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