DEHOGA-Kreisvorsitzender Kempten schreibt an Politiker

«Unsicherheit ist Gift»

Den Jahreswechsel nahm Michael Heel, Kreisvorsitzender der DEHOGA-Kempten, zum Anlass ein weiteres Mal einen „Brandbrief" an höchste Vertreter der Poliltik in Bund und Land zu schreiben, darunter u.a. Bundesminister Dr. Gerd Müller und das Büro von Ministerpräsident Dr. Markus Söder, um auf die existensbedrohende Lage vieler Gastronomiebetriebe und Hotels durch den verlängerten Lockdown und bis dato nicht ausgezahlte Hilfsgelder aufmerksam zu machen. Obwohl Michael Heel hier nur ein weiteres Mal auf die Misere seiner Branche hinweist, scheint es fast so, als plane die Kanzlerin in Absprache mit den Ministerpräsidenten einen erweiterten Mega-Shotdown.

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Das Einzige was fehlt ist eine Perspektive. Sehnsüchtig wartet die Gastronomie auf Lockerungen beim Lockdown. Viele werden allerdings nicht durchhalten können.Bild: Pixabay
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Täglich pendeln Pflegekräfte aus dem Corona-Megahotspot Tschechien in Pflegeheime nach Bayern und Mitteldeutschland, wo sie in den Pflegeheimen und vergleichbaren Einrichtungen eine starke Bedrohung der älteren Heiminsassen darstellen. Die Todefälle an und mit Covid-19 stiegen im November, einen Monat nach der explosionsartigen Verbreitung von Corona in Tschechien, in den betroffenen Pflegereinrichtungen leider massiv an. Österreich schloss diese Woche seine Grenzen zu Tschechien, die betroffenen deutschen Bundesländer nicht. Dort mussten bisher nur Gastronomie, Hotelerie, Einzelhandel, Kinos und Theater ihre Pforten schliessen, obwohl diese im vergangenen Jahr bewiesen haben, dass sie mit professionellen Hygienemaßnahmen die Infektionszahlen sehr gering halten konnten.

Hier der Brief der Familie Heel im Wortlaut:

Wir möchten unser Schreiben mit einem Zitat von Hr. Dr. Andreas KoptonPräsident der IHK Schwaben beginnen. „Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie. Daher ist Unsicherheit das größte Gift. Wer kein Vertrauen in die Zukunft hat, wird nicht investieren. Umso wichtiger sind politische Entscheidungen, die Stabilität geben.“

Eine Perspektive vermissen so viele in unserer Branche. Schauen wir doch mal ins Nachbarland Österreich. Hier konnten wir bereits am 31.12.2020 in den Medien folgendes lesen: „Für Hotels, Restaurants und Kulturbetriebe soll der vorübergehend auf 5% herabgesetzte Mehrwertsteuersatz die Einbußen durch die Corona Krise etwas abfedern –diese Maßnahme gilt nun bis Ende 2021.

Ohne derartige Lichtblicke werden die nächsten Schlagzeilen immerso sein: „So viele, wie nie zuvor: Drei Viertel (74,3%) aller befragten Hoteliers und Gastronomen sehen ihren Betrieb durch die Corona-Krise in seiner Existenz gefährdet und ein knappes Viertel (24,0%) zieht trotz ausgesetzter Insolvenzantragspflicht bereits konkret eine Betriebsaufgabe in Erwägung – das ist das Ergebnis einer aktuellen Befragung, an der 1.380 gastgewerbliche Unternehmer im gesamten Freistaat teilgenommen haben.“

Wir sind ein gesunder und erfolgreicher Familienbetrieb, welcher sich von einer derartigen Krise nicht unterkriegen lässt. Und doch ist auch bei uns irgendwo ein Schlussstrich! Es ist erschütternd, jeden Tag zu sehen, dass wir nicht mehr als in Relation zu den in Aussicht gestellten Summen, eine schäbige Abschlagszahlung bekommen haben. Ist Ihnen bewusst, wie sehr hierdurch die Glaubwürdigkeit der Politik leidet?

Die Politik entfernt sich hierdurch immer stärker von den Menschen, die sich –vor allem dann, wenn es sich um mittelständische Unternehmen handelt allein gelassen fühlen?

Wann gibt es denn endlich eine eindeutige und verbindliche Aussage zu den schon vor vielen Wochen in Aussicht gestellten Hilfen, die für die Hoteliers und Gastronomen von existentieller Bedeutung sind? Das Antragsvolumen bleibt bislang weit hinter den Erwartungen von rund 15 Milliarden Euro. Die Dezemberhilfe liegt bis dato bei 1,5 Milliarden Euro, von denen 640 Millionen Euro ausbezahlt wurden.

Wie lange geht das noch? Zahlen, die steigen. Infizierte, Kranke, Tote. Die Zahlen der arbeitslos gewordenen Servicekräfte, Kellner und Köche/innen werden nie erwähnt. Und auch nicht die Zahl der Verzweiflungstaten. Je länger die Krise dauert, umso stärker nimmt der Monopolismus Fahrtauf.

Wir brauchen eine Perspektive! Der Blick in die Zukunft muss wieder möglich sein!

Wir bitten Sie! Geben Sie uns und unserer Branche endlich eine Chance! Familie Heel Hotel Restaurant Waldhorn & Heel`s Michlhofin Kempten im Allgäu